Kamerun: Drei Jahre Haft für regierungskritischen Musiker Lapiro de Mbanga

Am 24. September 2008 wurde in Kamerun der bekannte Musiker Lapiro de Mbanga zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein Verbrechen laut Justiz: Mittäterschaft bei den Unruhen im Februar 2008. Der wahrscheinliche Grund: kontinuierliche öffentliche Kritik an der Regierung. Das Regime in Kamerun zeigt einmal mehr seine Autorität im Umgang mit kritischen Stimmen.

© www.zitig.net

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Nach fünf Monaten in Untersuchungshaft wurde der 51-jährige Musiker Pierre Roger Lambo Sandjo, besser bekannt unter dem Künstlernamen Lapiro de Mbanga, zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 280 Mio. CFA (ca. 420 000 Euro) verurteilt. Es wurde ihm vorgeworfen, an Unruhen in seiner Heimatstadt Mbanga im Westen Kameruns teilgenommen bzw. diese angeführt und angestiftet zu haben. Im vergangenen Februar kam es in vielen Städten in Kamerun zu Demonstrationen und Protesten vor allem der jungen Bevölkerung, die in Gewalt und Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum mündeten und bei denen hunderte Personen ums Leben kamen.
Grund für die Proteste war einerseits der Unmut über gestiegene Lebensmittelpreise, andererseits aber auch die herrschende Unzufriedenheit mit dem autokratischen System des Präsidenten Paul Biya. Konkret wandten sich die Demonstrationen gegen die im April beschlossene Verfassungsänderung, durch die dem Präsidenten, der seit 1982 an der Macht ist, eine weitere Kandidatur bei den Wahlen 2011 ermöglicht wird.

Der nun verhaftete Musiker Lapiro de Mbanga ist gegen diese Verfassungsänderung öffentlich aufgetreten, unter anderem mit dem Lied „Constitution Constipée“, in dem er die Änderung als „Bedrohung der Integrität der gesamten Nation“ bezeichnet. Während seiner 20-jährigen Karriere als Musiker hat Lapiro in seinen Liedern laufend auf Missstände hingewiesen und Kritik an der Regierung geübt. Nach einem kurzen Zwischenspiel in den späten 1990er-Jahren, in dem er sich der Regierungspartei RDPC annäherte und diese unterstützte, wandte er sich in den letzten Jahren wieder ab und kämpfte öffentlich gegen die über Hand nehmende Korruption im Land. Der Verdacht, die nun erfolgte Verurteilung Lapiros sei politisch motiviert, wird von vielen Seiten öffentlich geäußert. So zum Beispiel der Musiker Sam Mbendè: „Ich frage mich, wann die Justiz endlich frei von politischen Einflüssen sein wird. Ich bin sicher, Lapiro ist unschuldig.“ Lapiros Anwalt Barrister Augustin Mbami beruft sich auf die Aussagen von Augenzeugen, die die Unschuld des Musikers bestätigten. Er rief die Richter auf, unabhängig von politischen Autoritäten zu urteilen, die Lapiros Ruf und Leben zerstören wollten.

Auf den nächsten Song von Lapiro müssen seine Fans nun allerdings trotzdem mindestens drei Jahre warten. Für den Musiker wird das Leben im Gefängnis, das er im Video zu seinem Song „Lef Am So“ andeutet, nun traurige Wirklichkeit.

Artikel bearbeitet von Mag. Anja Brunner, 02. 10. 2008

Quellen:
http://www.postnewsline.com/2008/09/lapiro-gets-3-y.html
http://www.freemuse.org/sw29911.asp
http://www.edennewspaper.com/content/view/2809/103/
Dipanda Eugène: Verdict: 3 ans de prison pour Lapiro de Mbanga. Hier à Nkongsamba, le Tgi du Moungo a également condamné l'artiste à payer 280 millions de dommages intérêts. Mutations N°2246, 25.9.08


Video zum Song „Lef Am So“:
http://www.youtube.com/watch?v=LVYEAs-OtXM

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