Afrika: mehr Ernährungssicherheit durch biologischen Landbau

Wie ein aktueller Bericht der UNCTAD (United Nations Conference on Trade Development) und des UNEP (United Nations Environment Programme) festhält, kann biologische Landwirtschaft als nachhaltiges Produktionssystem dazu beitragen, die Armut auf umweltfreundliche Weise zu verringern.

Die Frage, in welchem Umfang biologischer Landbau in Afrika die Ernährungssicherheit erhöhen kann, wird diskutiert, seit die Capacity Building Task Force on Trade, Environment and Development (CBTF) der UNEP-UNCTAD im Jahr 2004 einschlägige Projekte in Ostafrika startete. Der nun von der Behörde herausgegebene Bericht findet Antworten, die erfreulich sind und nicht nur für die untersuchte Region gelten, sondern für alle afrikanischen Staaten sowie auch für viele andere Entwicklungsländer.


In den letzten Jahren waren die Fortschritte in der Hungerbekämpfung bescheiden und regional unterschiedlich. Im subsaharischen Afrika ist die Zahl der hungernden Personen seit 1990 sogar um 20% gestiegen. Im Gegensatz dazu kam es in Asien, Südamerika und Nordafrika im Allgemeinen zu einer Entschärfung der Problematik.
Angesichts eines kontinuierlichen Anstiegs der Weltbevölkerung nimmt der absolute Bedarf an Lebensmitteln zu, gleichzeitig findet durch die Zunahme der Kaufkraft und die Urbanisierung eine Änderung des Ernährungsverhaltens statt. Der Klimawandel bedroht sowohl Land- als auch Wasserressourcen. In Bezug auf die Ernährungssicherheit steht die Welt somit vor einer gewaltigen Herausforderung.


Zwar haben moderne Anbaumethoden zu einer Vervielfachung der Ernteerträge geführt, die chronisch unterernährte Bevölkerung in Entwicklungsländern wird auf diesem Markt aber oft marginalisiert, da sie zu arm ist, um sich die notwendigen Produkte für die Ertragssteigerung leisten zu können. Wie der Bericht hervorhebt, wurde die Modernisierung der Landwirtschaft in der Vergangenheit als Lösung für die Lebensmittelknappheit angesehen, in Zukunft werden aber möglicherweise andere Strategien gefragt sein – auch deshalb, da sich dieses Vorgehen nicht bewährt hat. Der große technologische Fortschritt im letzten halben Jahrhundert war in den Entwicklungsländern nicht von einer signifikanten Reduktion von Hunger und Armut begleitet.


Die Nahrungsmittelproduktion muss direkt vor Ort gesteigert werden, mit Augenmerk auf billige, zur Verfügung stehende Technologien (besonders wichtig aufgrund der hohen Preise im Bereich von Sprit und Agrochemie), einhergehend mit einer möglichst geringen Schädigung der Umwelt und der Fähigkeit der Bauern, mit ihren Waren Handel zu treiben. Es wird darauf hingewiesen, dass eine größere Menge an Lebensmitteln nicht automatisch eine gesteigerte Ernährungssicherheit für alle bedeutet. Auch sind viele Ursachen der Ernährungsunsicherheit gleichzeitig deren Symptome, womit ein Teufelskreis entsteht.


Forschungsergebnisse aus Entwicklungsländern zeigen, dass die Erträge bei Umwandlung von Systemen mit relativ geringem synthetischen Input (was in Afrika oft der Fall ist) in biologisch geführten Landbau nicht fallen bzw. zumindest gleich bleiben. Im Laufe der Zeit kann mit einem Anstieg gerechnet werden, der die Erträge aus traditionellen sowie auch aus hoch technisierten Systemen übersteigt; dies geht aus verschiedenen Studien hervor.
Biologischer Landbau verbessert den Zugang zu Nahrung auf verschiedenen Ebenen. Einerseits kommt es zu einer Zunahme der pro Farm produzierten Lebensmittel, andererseits können die Überschüsse auf lokalen Märkten verkauft werden, was die Kaufkraft der Bauern steigert. Der Umstand, dass für Pestizide und Düngemittel keine Ausgaben getätigt werden müssen, ermöglicht eine substanzielle Geldersparnis. Darüber hinaus können für nachweislich aus biologischem Anbau stammende Produkte im In- und Ausland höhere Preise verlangt werden. Einer rezenten Studie zufolge werfen zertifizierte biologische Höfe, die für den Export produzieren, signifikant mehr Gewinn ab als konventionell betriebene.


Biologischer Landbau verbessert die sozialen Strukturen; auf lokaler Ebene werden neue Normen für den Umgang mit gemeinschaftlichen natürliche Ressourcen geschaffen, und der Wissenstransfer wird intensiviert. In 40% der Studien verbesserten sich die Infrastruktur und der Zugang zu Märkten. Schließlich profitiert die ganze Gemeinschaft in gesundheitlicher Hinsicht vom Zugang zu frischen biologischen Produkten.


In 93% der Fallstudien resultierte durch den biologischen Landbau ein Umweltvorteil (Fruchtbarkeit des Bodens, Wasserressourcen, Schutz vor Überflutungen, Biodiversität). Das Wasser fließt nicht mehr so rasch ab, wodurch in der trockenen Saison mehr Trinkwasser zur Verfügung steht; es wird eine verminderte Bodenerosion und eine verbesserte Kohlenstoff-Sequestration beobachtet. Eine gesündere Erde begünstigt das Pflanzenwachstum, und der Nährstoffgehalt der Feldfrüchte steigt. Das Anbausystem wird gegenüber äußeren Einflüssen widerstandsfähiger. All diese Faktoren ermöglichen es den Bauern, über längere Zeitperioden anzubauen und größere Erträge einzufahren.


Eine Reihe an Regierungs- und Nicht-Regierungs-Organisationen wie das Kenya Organic Agriculture Network und das Export Promotion of Organic Products from Africa-Programm unterstützen die Bauern dabei, im biologischen Landbau tätig zu werden, Zugang zu Märkten zu erhalten und ihr Wissen über nachhaltige Anbaumethoden, biologische Feldfrüchte und Märkte zu verbessern.


 


Beitrag bearbeitet von Dr. Judith Moser, 09.10.2008



Quelle: http://www.unctad.org/Templates/Download.asp?docid=10693&lang=1&intItemID=2068



 


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