Ruanda: Reporter nach 14 Jahren Haft wegen unklarer Genozidanklage entlassen

Reporter ohne Grenzen haben herausgefunden, dass Dominique Makeli, ehemaliger Reporter des staatlichen Radio Ruanda am 13. Oktober 2008 entlassen wurde. Er war seit 1994 wegen einer unklaren mit dem Genozid zusammenhängender Beschuldigung inhaftiert gewesen.

©  BrandtMarke / www.pixelio.de

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Der Staatsanwalt hat Reportern ohne Grenzen im Oktober 2001 mitgeteilt, Makeli sei wegen Befürwortung des Genozids in seinen Berichten angeklagt worden. Als er über eine angebliche Erscheinung der Jungfrau Maria im Mai 1994 berichtete, meldete Makeli, dass sie angeblich gesagt hätte: “Dein Eltern sind im Himmel.” Der Staatsanwalt bestand darauf, dass Makeli diesen Satz mit “Präsident Habyarimana ist im Himmel” interpretiert und damit Habyarimana und die Politik der Vernichtung der Tutsi befürwortet habe. Makeli und viele unabhängige lokale BeobachterInnen haben diese Interpretation stets abgestritten.

Während ihrer Besuche in Ruanda haben Reporter ohne Grenze Makeli mehrmals im Gefängnis getroffen. Sein Gesundheitszustand hat sich während den Jahren in Haft zunehmend verschlechtert. 2007 wurde er nach Arusha, Tanzania, versetzt, um vor dem Internationa Criminal Tribunal for Rwanda (ICTR) auszusagen. Danach wurde er wieder ins Gefängnis nach  Ruanda zurückgebracht.

Die Entlassung erfolgte nachdem das Gacaca (Volkstribunal) des Bezirks Kigali in Nyarugenge Makeli am 5. Oktober 2008 für unschuldig gesprochen hat.

“Das sind gute Neuigkeiten und eine große Entlastung für uns,”  so Reporter ohne Grenzen. “So wie Makabi’s Kollegin Tatiana Mukakibibi, die im November 2007 nach 11 Jahren Haft entlassen wurde, erlitt Makeli einen unwahrscheinlich langen Leidensweg. Es war ihm in dieser Zeit nicht möglich, sich gegen ehrenrührige Beschuldigungen zu verteidigen. Wir hoffen er kann jetzt, nach 14 Jahren Isolation und Unrecht, endlich wieder in Ruhe leben.”


Übersetzt von Natalija Povodnik, 20.10.2008


Quelle:
Reporters sans Frontières (Paris), PRESS RELEASE, 16 October 2008
http://allafrica.com/stories/200810160267.html


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