Mary Kreutzer & Corinna Milborn: Ware Frau

Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa
Ecowin-Verlag. Salzburg 2008. 240 S.; 19,95 EUR

Autorin: Alicia Allgäuer

Das Thema des Buches: Frauenhandel von Nigeria nach Europa, ist bestimmt kein einfach zu bearbeitendes, darüber sind sich die Autorinnen bewusst. Sie schreiben trotzdem darüber und tun dies reflektiert und in der Überzeugung, dass Wegsehen jedenfalls keine Probleme löst. Dabei ist eine Mischung aus Reportage, Biographien und Sachbuch entstanden, welches Einblicke gibt in einen bestimmten Teil des Phänomens" Frauenhandel und Prostitution.

Die Autorinnen lassen keinen Zweifel daran, dass Frauenhandel vor allem
ein Problem des Nordens" ist, ein Problem, dessen Ursachen in der ungleichen
Verteilung der Ressourcen zwischen Europa und Afrika liegt, in den
post-kolonialen Strukturen, der steigenden Nachfrage nach billigem Sex, und
nicht zuletzt in der immer restriktiver werdenden Migrationspolitik der
europäischen Staaten. Die verstärkte Kontrolle der EU-Außengrenzen bei
gleichzeitiger verstärkter Nachfrage nach der Ware" Frau hat das massive
Anwachsen von kriminellen Strukturen nicht nur begünstigt, sondern auch
(mit-)produziert. Ebenso wird die Rolle von Polizei und Justiz in
europäischen Staaten beleuchtet, welche dem Phänomen Frauenhandel den
Autorinnen zufolge nicht entsprechend begegnen. Anstatt die Opfer zu
schützen, beispielsweise durch eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung,
werden sie kriminalisiert, verhaftet und abgeschoben.

Die Absicht des Buches ist für mich sehr deutlich: es geht nicht darum die
Frauen in eine Opferrolle zu drängen und ihnen ihre Selbstbestimmung
abzusprechen, sondern die Mechanismen, Netzwerke und Ausbeutungssituationen
aufzuzeigen, in die viele junge Frauen gedrängt werden. Selbst wenn einzelne
Frauen wissen, dass sie in Europa kein Job als Tellerwäscherin erwartet,
kann nicht von Selbstbestimmung gesprochen werden, wenn multiple
Erpressungsmechanismen wie physische und psychische Einschüchterung der
Frauen sowie ihrer Familien in Nigeria oder ein Voodoo-Zauber" zum Tragen
kommen.

Es geht in dem Buch schließlich darum, global wirkende
Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus und ökonomische
Ungleichheiten aufzuzeigen, welche den Rahmen dafür bieten, in welchem
Frauen zur Ware werden.

Für mich ist dies eine ausgezeichnet recherchierte Reportage mit viel
Hintergrundwissen und packenden Beispielen, die weniger auf die Tränendrüse
drücken, als vielmehr die strukturellen Ursachen und Bedingungen von
Frauenhandel deutlich machen und konkreten Handlungsbedarf aufzeigen.

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