Mauretanien: Aufbruch in Richtung Festung Europa
Die nördliche Grenzstadt Nouadhibou in Mauretanien ist Sitz eines völlig überfüllten Gefängnisses mit dem Namen Guantánamito. Hierher werden Tausende afrikanische Flüchtlinge gebracht, welche versuchten oder versuchen die Festung Europas zu erklimmen. Auch aus Europa abgeschobene MigrantInnen finden häufig hier das vorläufige Ende ihrer Reise.
"Guantánamito" Um die afrikanischen Flüchtlingswellen und illegalen Einwanderungen, vor allem aus Westafrika, nach Europa zu verhindern, übt die Europäische Union massiven Druck auf verschiedene afrikanische Länder aus. Nach dem September 2005 beispielsweise wurden die Sicherheitsmaßnahmen in diesen Ländern verschärft. Anlass dazu war ein tragischer Unglück an der Grenze zwischen Marokko und den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, bei welchem Hunderte Afrikaner versuchten, die Grenzzäune zu überschreiten und nach Europa zu flüchten. Einige Flüchtlinge kamen dabei zu Tode und Dutzende wurden verletzt. In der Folge wurde Mauretanien zu einem neuen Ziel afrikanischer Flüchtlinge. Die EU bemüht sich nun massiv, auch dieses Loch in der Festung Europa zu stopfen. Demzufolge hat die EU beispielsweise mit der inzwischen geputschten Regierung Mauretaniens ein Abkommen geschlossen. In diesem werden unter anderem EU-Funktionäre ermächtigt, die EU-Außengrenzen auf mauretanischen Territorium zu kontrollieren, oder der spanische Guardia Civil erlaubt, gemeinsam mit mauretanischen Sicherheitskräften an der Küste zu patrouillieren. Zudem hat sich Mauretanien in einem Abkommen mit Spanien verpflichtet, nicht nur eigene Staatsangehörige zurückzunehmen, sondern auch Angehörige von Drittstaaten, bei denen angenommen wird, dass sie von Mauretanien aus versucht hatten, Spanien zu erreichen. Salvatore Sagués, Westafrikaspezialist von Amnesty International, kritisiert diese EU-Politik, die Mauretaniens dazu missbraucht als de facto EU-Polizisten zu fungieren. Abschiebungspolitik Für Sagués liegt es in dem Aufgabenbereich der EU sicherzustellen, dass jene MigrantInnen nach menschenrechtlichen Standards behandelt werden. Auch von den mauretanischen Behörden verlangt Amnesty International, sich an die völkerrechtlichen Vorgaben zu halten. Beitrag von Ulrike Schüller, 19.11.2008
Quellen: http://www.amnesty.ch/de/aktuell/magazin/55/mauretanien-fluchtlinge |
