Peru: Bergbau bedroht Gemeinden und Umwelt

Zu einem Thema von „nationalem Interesse“ wurde der Bergbau in Peru von Präsident Alan García erklärt. Doch das Thema ist höchst umstritten. Während Konzerne die Folgen für die „Entwicklung“ anpreisen, sehen sich die betroffenen Gemeinden mit Umsiedlungsplänen konfrontiert, und die Menschen leiden an Erkrankungen, die durch den industriellen Bergbau ausgelöst werden. Unterdessen wird eine überwältigende Mehrheit, die bei einem lokalen Referendum den Bergbau ablehnte, von der Regierung ignoriert.

© Monika Albert/ www.pixelio.de

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Bergbau in Peru
In den letzten Jahren ist die Vergabe von Konzessionen an Bergbaufirmen in Peru stark angestiegen. Die Zahl der vom Staat an die Konzerne vergebenen Lizenzen ist um 70% angewachsen. Dies hängt mit der gestiegenen Nachfrage nach Mineralien und dem Boom bei den Preisen zusammen. Peru ist weltweit der zweitgrößte Produzent von Silber, liegt an fünfter Stelle bei der Herstellung von Gold und an dritter Stelle bei der Produktion von Kupfer und Zink (1) (IPS, 19.11.08). Häufig befinden sich die Mineralien unter der Erde von Gebieten, die bewohnt sind. Beispiele dafür sind die Stadt Cerro de Pasco im Departement Pasco, wo die peruanische Firma Volcan tätig ist, die Stadt Morococha im Departement Junín, wo das chinesische Unternehmen Chinalco operiert, sowie der ländliche Bezirk Fuerabamba im südlichen Departement Apurímac, wo die Schweizer Firma Xstrata aktiv ist.

In Cerro de Pasco, einer 70.000 EinwohnerInnen-Stadt, sind 11.000 Familien von der Umsiedlung bedroht. 85% der Haushalte, die an die Zinkgrube von Volcan grenzen, sind einem hohen Risiko von gesundheitlichen Schäden ausgesetzt. So wurde in mehreren Untersuchungen des Gesundheitsministeriums festgestellt, dass die Mehrzahl der Kinder und schwangeren Frauen einen Bleigehalt im Blut haben, der das von der WHO als akzeptabel festgesetzte Ausmaß übersteigt. Nachdem es Uneinigkeiten zwischen dem Parlament und der Regierung in Bezug auf die Umsiedlung der BewohnerInnen von Cerro de Pasco gab, schloss der Bürgermeister der Stadt eine Vereinbarung mit Volcan und gab grünes Licht für die Umsiedlung gab. Dabei wurde weder die Meinung des Stadtrates eingeholt, noch wurden die betroffenen BewohnerInnen konsultiert. Im Gegenzug für das Nutzungsrecht des Gebietes durch den Konzern wird eine von KritikerInnen als viel zu niedrig angesehene Geldsumme geboten, die für die Umsiedlung zur Verfügung stehen soll.

In Morococha ignorierte der chinesische Aluminiumkonzern Chinalco die Einwände von sozialen Organisationen und umging auch die lokalen Behörden. Stattdessen nahm Chinalco direkte Verhandlungen mit einzelnen von einer Umsiedlung betroffenen Familien auf, um möglichst schnell mit dem Abbau von Kupfer beginnen zu können.

Im Fall der Schweizer Firma Xstrata in der Region von Fuerabamba ist schließlich eine kleinbäuerlich geprägte Gruppe von der Umsiedlung betroffen. Die Gemeinde ist gespalten über die Pläne zur Umsiedlung. Während ältere BewohnerInnen und diejenigen mit einem größeren Stück Land sich gegen eine Umsiedlung wehren, haben jüngere Kleinbauern und –bäuerinnen weniger dagegen einzuwenden, sofern ihnen das Unternehmen an einem anderen Ort Arbeitsplätze und Bildungsstätten für ihre Kinder zur Verfügung stellt (2) (IPS, 19.11.08).

Neben den Umsiedlungen sind auch andere unmittelbare Auswirkungen des industriellen Bergbaus auf verschiedene Regionen Perus negativ einzuschätzen. So befindet sich in der nordwestlichen Region Cajamarca die führende Goldmine Lateinamerikas, Yanacocha, betrieben von einer Kooperation des US-amerikanischen Konzerns Newmont mit dem peruanischen Unternehmen Buenaventura. Paradoxerweise liegt die Mine in einem Gebiet, in dem die Armutsrate 74,2% beträgt. Auch in anderen Regionen Perus sieht es nicht viel besser aus: So leben etwa in der Stadt Cusco, in deren Umgebung die britisch-australische BHP Billiton Tintaya Kupfer fördert, 59,2% der Bevölkerung in Armut. Zwar hat Präsident García vor seiner Wahl versprochen, die Bergbauverträge neu auszuverhandeln und eine Steuer auf die Gewinne der Firmen einzuführen, jedoch wurde bislang nichts davon umgesetzt (3) (Corpwatch – IPS, 23.8.06).

Über die ökologischen Folgen eines weiteren Bergbauprojektes heißt es: „Das Projekt Río Blanco kann durch seine Lage und seine Charakteristiken den Páramo [ein grenzübergreifendes Ökogebiet] und die Nebelwälder und damit die Wassermenge, die in der Region generiert wird, negativ beeinflussen. Der Bergbau in Wasserquellgebieten gefährdet zudem flussabwärts liegende Zonen, wodurch sich wiederum das Risiko für die in den Wassereinzugsgebieten betriebene Land- und Viehwirtschaft erhöht“ (4) (Lateinamerika Nachrichten 375/76, September/Oktober 2005). Untersuchungen, u.a. im Auftrag der Weltbank, stellten fest, dass Gewässer in der Umgebung der Mine Yanacocha in der Region Cajamarca eine hohe Konzentration von Aluminium, Arsen und Blei aufweisen. Ferner stellten Studien fest, dass der Bergbau in der Region den Wasserkreislauf negativ beeinflusse, da große Mengen an Grundwasser für die Mineralienaufbereitung verwendet werden (5) (Corpwatch – IPS, 20.9.06).


Widerstand
Bei Protesten in verschiedenen vom Bergbau betroffenen Regionen Perus kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, bei denen es Tote gab. Im Herbst 2007 fand in den im nordwestlichen Hochland Perus gelegenen Bezirken Ayabaca, Pacaipampa und El Carmen de la Frontera im Departement Piura ein Referendum statt, bei dem über den Bergbau in der an Ecuador grenzenden Region abgestimmt wurde. Bei einer Beteiligung von 60% stimmten 94,5% gegen das Bergbauprojekt.
Dieses überwältigende Ergebnis wird jedoch von der Regierung von Präsident García nicht anerkannt. Präsident García garantierte der Río Blanco Copper S.A. (vorher: Minera Majaz S.A.), an der das chinesische Zijin Mining Consortium mehrheitlich Anteile besitzt, dass kein Grund gegen das Bergbauprojekt spreche, obwohl von verschiedenen Stellen soziale und umweltpolitische Einwände erhoben worden waren.
Ein Bauernaktivist kommentiert: „Wir wollen keinen Bergbau in unseren Gemeinschaften. Er kontaminiert das Wasser, schafft Konflikte und bringt uns nicht einmal nachhaltige Entwicklung. Als Gemeinschaften haben wir unser eigenes Entwicklungsmodell, das auf Landwirtschaft, Ökotourismus und unserer sozialen Organisierung beruht. Wir haben die gleichen Rechte wie die Leute in Lima und alle anderen PeruanerInnen. Sowohl das peruanische als auch das internationale Recht anerkennen das demokratische Recht der Gemeinschaften, ihre eigene Zukunft zu bestimmen“ (6) (Upside Down World, 16.9.08).

Der Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Peru und den USA, das 2009 in Kraft treten soll, garantiert den Konzernen weitgehende Sicherheiten für ihre Investitionen – „bis hin zu der Möglichkeit, entgangene Gewinne vor internationalen Schiedsgerichten einzuklagen. Widerstand der Bevölkerung, wie im Jahr 2004 im nordperuanischen Cajamarca gegen die Erschließung des Berges Quilish durch die US-Firma Newmont Mining, wird damit keine Aussicht auf Erfolg mehr haben“ (7) (Lateinamerika Nachrichten 404, Februar 2008).


Beitrag bearbeitet von Alexander Stoff, 24.11.2008


Links:
(1), (2) http://ipsnews.net/news.asp?idnews=44770
(3) http://www.corpwatch.org/article.php?id=14065
(4) http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/668.html
(5) http://www.corpwatch.org/article.php?id=14157
(6) http://upsidedownworld.org/main/content/view/1479/76
(7) http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/2697.html




 



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