Kenia: Straßenkinder gegen Müll

In vielen Entwicklungsländern mangelt es an einer funktionierenden Abfallwirtschaft, was illegale Mülldeponien zur Folge hat. Die daraus resultierende Umweltverschmutzung verschlimmert sich tagtäglich und scheint die Stadtbehörden oft zu überwältigen. Ein junger Kenianer hat sich jedoch der Herausforderung gestellt und eine Lösung für das dringliche Müllproblem entworfen.

George Kanyi ist ein ehemaliges Straßenkind. Heute verdient er als  Heuhändler seinen Lebensunterhalt. Da er aber Probleme hat für seine Kunden genug Heu zu bekommen, träumt er schon lange von seiner eigene Heuplantage. Er lebt in der Nähe einer ca. 40 ha großen Müllkippe in Nanyuki, Kenia. Seit einem Jahr ist er im Gespräch mit den Besitzern, des Landes, auf dem die Müllkippe entstanden ist: der Nanyuki Water and Sewerage Company (Nawasco). Er handelte schließlich ein auf zehn Jahre befristetes Abkommen aus, nach dem Hr. Kanyi das Gelände aufräumen soll und es dann frei nutzen darf. In nur sechs Monaten hat er das geschafft.

Die BewohnerInnen von Nanyuki erzeugen ca. 40 Tonnen Festmüll täglich. Die Müllkippe ist, so wie überall in Kenia und auch afrikaweit, das Zuhause für unzählige Straßenkinder geworden, die nur mit kleinen Diebstählen überleben können. Jeden Tag heuert Herr Kanyi mindenstens fünfzehn davon an und bezahlt ihnen 200 KES (ca. 2 EUR) für das Aussortieren des Mülls. Das ist ungefähr zweimal so viel als ein Straßenkind mit Müllsammeln für gewöhnlich verdienen kann. Zuerst sammeln sie Papier ein und verbrennen es, danach wird Kunststoffverpackung auf die Seite gelegt. Aus Biomüll wird Kompost gemacht oder er wird den Bauern und BäurInnen aus der Umgebung umsonst zur Verfügung gestellt. Nachdem eine größere Fläche der Deponie gesäubert ist, pflanzt Herr Kanyi Gras an, um die Erde zu regenerieren und später daraus Heu zu gewinnen. Solange das Gelände “verschönert”wird, braucht er laut seinem Abkommen mit der Nawasco keine Pacht zu zahlen.

Die Abfallsituation in größeren Städten Kenias ist noch ernster als die von Nanyuki. In Nairobi, zum Beispiel, erzeugen die drei Millionen EinwohnerInnen rund 1500 Tonnen Festmüll jeden Tag. Nur ungefähr 25% dieser Menge werden gesammelt, davon drei Viertel in den reichen Wohngegenden. In den Slums und ungeplanten Siedlungen, wo 60% der EinwohnerInnen Nairobis leben, gibt es keine Müllabfuhr. Die vielen Müllhaufen verursachen die Verseuchung des Wassers und den Ausbruch parasitischer Krankheiten; viele Tiere ersticken, wenn sie Plastiksackerln mitfressen. Ausserdem verstopfen sie Abflußrinnen und Abwasserleitungen, was Überflutungen verursachen kann.

Die extrem dünnen Einwegplastiksackerl stellen auch sonst ein besonderes Müllproblem dar; allein in Nairobi verteilt man rund zwei Millionen davon pro Jahr. Einmal weggeworfen sind sie ein Übel, das kaum beseitigt werden kann. Wangari Mathaai, Kenias ehemalige stellvertretenden Umweltministerin und die Trägerin des Friedennobelpreises, hat sie sogar mit der Verbreitung von Malaria in Verbindung gesetzt. Die Sackerl füllen sich mit Regenwasser und stellen so eine ideale Brutstätte für Stechmücken dar. Die Plastiksackerl sind in Ruanda und Südafrika schon verboten, Kenia wartet aber noch auf die entsprechende Gesetzgebung nach der Veröffentlichung des UNEP-Berichts über ihre Auswirkungen im Jahr 2005.

Ob Herrn Kanyis Beispiel Schule macht, ist ungewiss. Auf jeden Fall aber wird sich Kenia dem Müllproblem früher oder später stellen müssen.


 

Betrag bearbeitet von Natalija Povodnik, 01.12.2008


Quellen:
http://www.nation.co.ke/News/-/1056/477342/-/item/0/-/n803o2/-/index.html
http://www.unep.org/Documents.Multilingual/Default.asp?DocumentID=424&ArticleID=4734&l=en
http://intranet.unep.org/PDF/TidbitsJan-Feb2008.pdf


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