Klaus Werner-Lobo: Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis

Carl Hanser Verlag 2008, München. 271 Seiten.

„Um Ungerechtigkeit zu erkennen, braucht es kein Wirtschaftsdiplom, und um aktiv zu werden, kein politisches Amt“, behauptet Klaus Werner-Lobo. Und um seinen jugendlichen (und ich empfehle es auch erwachsenen) Leserinnen und Lesern dies zu beweisen und leichter zu machen, hat er dieses Buch geschrieben: leicht lesbar, übersichtlich strukturiert und mit vielen Tipps und Links ergänzt. Dem politischen Aktionismus steht also nichts mehr im Wege!
Doch der Autor liefert keine endgültigen Wahrheiten. Vielmehr bietet er profund recherchierte Tatsachen und gibt Tipps, wo man sich weiter informieren kann, wie man aktiv werden kann und welche Organisationen zu den einzelnen Themen arbeiten. Zum Verständnis globaler Wirtschaftsfragen und politischer Zusammenhänge erklärt er die wichtigsten Begriffe wie „Bruttoinlandsprodukt“, „Globalisierung“, „Macht der Konzerne“ oder „ökologischer Fußabdruck“. Werner-Lobo beschreibt den Einfluss der Wirtschaftslobby und der Medien auf die öffentliche Meinung, die Aufgaben und Ohnmacht der UN-Organisationen und die großen Institutionen der Globalisierung Weltbank, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Welthandelsorganisation (WTO).
Am Beispiel des Produktes „Handy“ beschreibt er die Zusammenhänge der Ausbeutung des Rohstoffes Tantal im Kongo, über dessen Handel der Krieg in diesem Land finanziert wird, mit dem ein deutscher Konzern Gewinne macht. „Je reicher ein Land an Rohstoffen ist, desto höher ist auch die Gefahr, von anderen ausgebeutet zu werden“, schreibt Werner-Lobo. Und erzählt von seinen Tantal-Recherchen als „Robert Mbaye Leman, dem Tantalhändler“. Unter diesem Pseudonym bot er zahlreichen Rohstoffhändlern über E-Mail große Mengen des für die Handyherstellung notwendigen Tantalerzes an – und prompt melden sich VertreterInnen deutscher Konzerne, die trotz des Wissens um den Bürgerkrieg das Geschäft tätigen wollten. Werner-Lobo begab sich auch mitten in das Zentrum des Krieges, nach Goma im Kongo, um direkt von den RebellInnen Informationen zu bekommen. So spannend wie er das beschreibt, so schockierend sind die Ergebnisse seiner Informationssuche. Und zeigt damit, dass die Profitgier eines deutschen Konzerns eine der Ursachen für „den Ersten Weltkrieg Afrikas“ ist. Klaus Werner-Lobo verdeutlicht damit, dass die Globalisierung heute eine Fortsetzung des ausbeuterischen Kolonialsystems ist.
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches sind mögliche Formen des Widerstandes – von rebellischen Clowns, der „Schokoguerilla“ und anderen kreativen Straßenprotesten.
Vier Schritte hält Werner-Lobo für wichtig: Da wir in einer Welt leben, die uns Konkurrenzkampf prägt und in der wir uns immer möglichst anpassen wollen, sollen wir erst einmal lernen, unsere Träume zu leben und uns selber zu lieben und anzuerkennen. Wenn wir dies erreicht haben, geht es darum, dass wir uns und andere informieren und diese Information kritisch hinterfragen. Zivilcourage zeigen ist der dritte Schritt: „überall dort, wo jemand Hilfe und Solidarität braucht“. Und da alleine nichts geht – ist der vierte Schritt gemeinsames Handeln und Spaß dabei haben!
Den ersten Teil des Buches schließt der Autor mit zehn Forderungen an die Politik ab: u.a. soll Solidarität belohnt werden, Diskriminierung abgeschafft und Steuergerechtigkeit geschaffen werden. „Als Ziel wirtschaftlicher Tätigkeit muss das allgemeine Wohl, nicht der maximale Gewinn von Einzelnen definiert werden – ähnlich wie im fairen Handel oder bei gemeinnützigen Vereinen.“ Auch die soziale und ökologische Kostenwahrheit soll in den Preis von einem Produkt eingerechnet werden. Das macht Ausbeutung teurer und Nachhaltigkeit billiger!
Der zweite Teil zeigt – wie das „Schwarzbuch Markenfirmen“ des selben Autors – die Machenschaften von verschiedenen multinationalen Konzernen, deren Vergehen gegen soziale Rechte und Menschenrechte auf. Als Beispiele für ihre Branche sind u.a. folgende Konzerne genannt: Sportschuhhersteller Adidas, Lebensmittelkonzern Nestlé, Spielzeugerzeuger Mattel, die Fluglinie British Airways, die Fastfood-Kette McDonalds und die Handyfirma Nokia. Hier gibt es jeweils Links zu weiterer Information und Aktionsvorschläge für LeserInnen, die mit den Machenschaften nicht einverstanden sind. Und davon gibt es sicherlich viele!
Klaus Werner-Lobo schreibt nicht nur interessant, sondern vermittelt auch seine Weltsicht – die der Liebe und des Respektes. Ich empfehle dieses Buch Jugendlichen und Erwachsenen, die ihren Horizont erweitern möchten und denen, die auf Grund der empörenden Information aktiv werden wollen. Und natürlich all jenen, die schon viel wissen über die Ungerechtigkeiten, aber diese nicht vergessen wollen.

Das Buch wird durch die Website www.unsdiewelt.com begleitet, die als Vernetzungsplattform dient, auf der man Info über Aktionsgruppen im eigenen Umfeld finden kann und wo auch Videos von Klaus Werner-Lobo als Clown zu sehen sind.

Autorin: Renate Sova

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