Uganda-Ruanda: Fernlastverkehr, Beziehungen und AIDS

Im Kampf gegen ADIS nehmen die Experten auch die Fernfahrer in die Pflicht. Gerade in grenznahen Orten wie etwa Katuna oder Gatuna in Uganda bzw. Ruanda liegt die Infizierungsquote mit dem HIV-Virus höher als in den Ländern selbst.

Fernfahrer unterwegs

Fernfahrer unterwegs

Said* ist ein verheirateter Fernfahrer mit sechs Kindern. Wegen seiner Arbeit ist er manchmal wochenlang auf der Straße und in langen, einsamen Nächten sucht er Trost bei seiner Geliebten, die an der Grenze von Uganda und Kenia lebt.
"Ich habe mich bewusst entschieden, nur eine Freundin zu haben. Wenn man mit vielen Frauen zusammen ist, riskiert man eine HIV-Infektion," erzählte er. "Ich bin jetzt 13 Jahre verheiratet und habe 9 Jahre lang diese Freundin." Said sieht seine Geliebte und ihre zwei Kinder ungefähr einmal pro Monat. Er gibt zu, er hat niemals einen HIV-Test gemacht und weiß nicht wirklich, ob seine Freundin auch mit anderen Männern schläft. Die Einwohner von Katuna, einer Grenzstadt zwischen Uganda und Ruanda, erzählen, dass sei mehr als wahrscheinlich.
"Viele Frauen hier haben mindestens drei Freunde, von denen alle drei denken, dass sie die einzigen in ihrem Leben sind," erklärt Hope Tumuhimbise, eine Sexarbeiterin aus Katuna. Brian Atuhir, der Koordinator für ein HIV-Programm im Ort, das die NRO Family Health International (FHI) verwaltet, meint hingegen, diese ‚Freundinnen’ könne man schwer als Sexarbeiterinnen kategorisiert werden, und die Fernfahrer würden sie auch nicht als solche erleben.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 über das Benutzen von Kondomen von Sexarbeiterinnen auf den größten Verkehrswegen Ugandas (www.ncbi.nlm.nih.gov) hat gezeigt, dass sie die Kondome im Durchschnitt in 74% der Fälle benutzen. Wenn sie aber regelmäßig mit Klienten schlafen, schützen sie sich nur noch in 50% der Fälle. Und nur 19% der Sexarbeiterinnen berichteten, die Kondome immer zu benutzen.

"Wenn es um eine Sexarbeiterin geht, die sie in einer Bar getroffen haben und sie nur einmal für Sex bezahlen wollen, dann wissen die Fernfahrer, dass sie ein Kondom benutzen sollen – das ist für sie offensichtlich. Die Herausforderung kommt aber mit diesen sogenannten Freundinnen," so Atuhire. "Die Fernfahrer bezahlen Unterkunft und gründen Kleinunternehmen für diese Frauen; sie fühlen sich ihnen verbunden und glauben, sie sind sauberer und sicherer. Deswegen bemühen sie sich nicht mit Kondomen."


Erhöhtes Risiko an der Grenze

Das Risiko einer HIV-Infektion ist in Grenzstädten beträchtlich höher als in den restlichen Gebieten der beiden Länder. In Katuna, das auf Ugandas Seite liegt, berichtet ‚Voluntary Counselling and Testing Centre’ von einer elfprozentigen Infizierungsquote, die im gesamten Uganda nur bei 6,4% liegt. Auch in Gatuna, dem Grenzort auf Ruandas Seite, ist die Quote mit mehr als 6% zweimal so hoch als in Ruanda allgemein.
Tumuhimbise, inoffiziell als die Sprecherin von Katunas Sexarbeiterinnen bekannt, berichtet, dass die meisten Frauen im Ort sich mit Sexarbeit beschäftigen. "Es gibt Frauen, die direkt in den Bars mit Männer trinken, oder diejenigen, die zuerst Marihuana rauchen und dann laut rumschreien, dass sie Sex verkaufen. Diese sind die ‚malaya’, Sexarbeiterinnen. Aber wenn eine Frau ihr eigenes Haus und ihr eigenes Unternehmen hat und die Männer zu ich kommen, kann man sie nicht so leicht als Sexarbeiterin bezeichnen."

FHI arbeitet mit ‚malayas’, um ihnen wirtschaftliche oder Computer-Kentnisse beizubringen. So können sie dann ihren Unterhalt ohne Sexarbeit verdienen. Atuhire gibt aber zu, dass es extrem schwierig ist, mit den Fernfahrern zu konkurrieren, weil die den Frauen bei ihren Besuchen im Ort manchmal gleich US$100 hinterlassen – und das ist ein durchschnittlicher Monatslohn.
„Die Fernfahrer kennen unsere Warnungen schon auswendig. Über HIV wissen sie alles, was sie zu wissen haben“, so Athuhire. „Wir betonen immer wieder, dass sie mit allen Partnerinnen Kondome benutzen sollen, und können nur hoffen, die Botschaft wird einmal zu ihnen durchdringen.“

*Der Name ist verändert worden um die Anonymität zu bewahren.

Betrag bearbeitet von Natalija Povodnik, 14.01.2009


Quelle:
http://www.plusnews.org/Report.aspx?ReportId=80931


Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook