Subsahara: Männer in HIV-Programme miteinbeziehen

So wie überall auf der Welt sind die Auswirkungen der weltweiten finanziellen Krise auch im südlichen Afrika stark zu spüren, und derzeitige finanzielle Rettungspakete und ökonomische Anpassungsprogramme in diesen Ländern bergen die Gefahr, die HIV-Problematik in diesen Strategien und Programmen außer Acht zu lassen.

Der subsaharische Raum Afrikas stellt die am meisten von HIV/AIDS betroffene Region der Welt dar. Zwei Drittel aller von HIV/AIDS betroffenen Menschen leben in diesem Gebiet, wobei die Länder des südlichen Afrika (Angola, Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Swasiland und Südafrika) mit 35 Prozent an HIV-Infektionen und einer Todesrate von 38 Prozent am häufigsten mit Problemen in diesem Zusammenhang zu tun haben.

Im Rahmen seines ersten Länderbesuches in einem Township von Südafrika – Khayelitsha bei Kapstadt - machte der neue Direktor des Joint United Nations Programme (UNAIDS) darauf aufmerksam, dass bei den finanziellen Rettungsmaßnahmen HIV/AIDS-Programme nicht außer Acht gelassen werden dürfen, und ernannte den allgemeinen Zugang zu HIV-Prävention, Behandlung, Betreuung und Unterstützung zur Top-Priorität für UNAIDS.


Männer und Frauen - gleiche Rechte, gleiche Pflichten

Auf die zentrale Bedeutung von einer Gender-sensiblen Perspektive in Bezug auf die Entwicklung, Implementierung und Evaluation nationaler Politiken und Programme macht auch die Commission on the Status of Women des Economic and Social Council aufmerksam. Als vorrangiges Thema für 2009 setzte diese „The equal sharing of responsabilities between women and men, including caregiving in the context of HIV/AIDS” fest. Damit soll auf die Beziehung zwischen gleicher Aufgabenteilung zwischen Frauen und Männern in Bezug auf bezahlte und unbezahlte Arbeit und der Erreichung von Gender-Gerechtigkeit hingewiesen werden.

Obwohl es während der letzten Dekade weltweit zu einer erhöhten Einbindung von Frauen in im Bereich der Erwerbsarbeit kam, besteht immer noch eine starke Geschlechterungleichheit hinsichtlich bezahlter und unbezahlter Arbeit, und bei letzterer vor allem bei der Haus- und Pflegearbeit. Gerade der Pflegebereich im Zusammenhang mit HIV/AIDS ist zu einer entscheidenden Komponente für Geschlechterungleichheit geworden, dort sind nämlich weltweit 90 Prozent Frauen und Mädchen tätig.
Diese Gender-Ungleichheit wird in Ländern mit hohen HIV/AIDS-Raten noch dadurch verstärkt, dass aufgrund fehlender Ressourcen im öffentlichen Gesundheitsbereich die Pflege von HIV/AIDS-Kranken vermehrt in Haushalte und Gemeinschaften/Communities verlagert wird, was wiederum Frauen und Mädchen stärker belastet. Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, Maßnahmen für eine erhöhte Einbindung von Männern im HIV/AIDS- Pflege-Bereich zu setzen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Chipita District AIDS Coordinating Committee in Malawi. Innerhalb von Home-Base-Care-Programmen wurde festgelegt, dass mindestens 40 Prozent der Pflegekräfte Männer sein müssen. Andere Länder wiederum - wie Tansania, Uganda, Botswana oder Südafrika - wiesen in ihren nationalen HIV-Dokumenten auf eine verstärke Einbindung von Männern im Pflegebereich hin.
Damit mehr Männer für Pflegetätigkeiten zu gewinnen sind, ist auch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zu den Gender-Rollen nötig, sind doch tradionellerweise Frauen darin als „für Pflege“ und Männer als „für Erwerbsarbeit geschaffen“ determiniert. Es sind gerade diese sozialen Rollen, die Männer vom Pflege-Bereich abhalten. Daher ist eine verstärke Bewusstseinsbildung in diesem Bereich für eine Gender-gerechte Aufgabenteilung im Pflege-Bereich fundamental wichtig.


Finanzielle Ressourcen sicherstellen

Um das Ziel eines universellen Zugangs zu HIV/AIDS-Prävention, Behandlung und Pflege bis 2010 – dies ist der angestrebte Zeitraum - zu erreichen, bedarf es aber auch maßgebender finanzieller Unterstützung. UNAIDS spricht in diesem Zusammenhang von 25 Milliarden US-Dollar, die Länder des Südens zur Erreichung dieses Ziels benötigen. Diese Summe beinhaltet 11,3 Millionen Dollar mehr, als derzeit in diesem Bereich zur Verfügung stehen.
Laut UNAIDS soll ca. ein Drittel dieses Betrags mit inländischen Ressourcen und der Rest von multilateralen und bilateralen GeberInnen finanziert werden. Mehr als neun Millionen davon würden für eine Stärkung von Gesundheitssystemen und weitere neun Millionen für speziell auf HIV/AIDS ausgerichtete Gesundheitsinstitute verwendet werden. Diese geforderten Investitionen würden auch eine komplette Finanzierung des Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria ermöglichen, einer Institution, die Länder des Südens in Bezug auf die Finanzierung nationaler HIV/AIDS-Pläne benötigen.
Eine Investition im angesprochenen Ausmaß hätte weitreichende Folgen würde laut UNAIDS zu einer Halbierung von HIV-Neuansteckungen, einer Vermeidung von 1,3 Millionen AIDS-Toten in den nächsten zwei Dekaden und einer Betreuung von ca. 70 Millionen Frauen im Zusammenhang mit Mutter-Kind-Übertragungen führen, um nur ein paar Aspekte zu nennen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, noch mehr in die HIV/AIDS-Prävention und Behandlung zu investieren und dies nicht aufgrund der derzeitigen ökonomischen Krise zu vernachlässigen. Denn das hat die Arbeit in den letzten Jahren erfolgreich vorgeführt: Etwa vier Millionen Menschen sind in antiretroviraler Behandlung, die Anzahl der Neuansteckungen ist von drei Millionen im Jahr 2005 auf 2,7 Millionen Ende 2007 gefallen.


Beitrag bearbeitet von Katharina Fritsch, 2.3.2009


Quellen:

http://www.unaids.org/en/KnowledgeCentre/Resources/PressCentre/PressReleases/2009/20090210_pr_southafrica.asp

http://www.un.org/Docs/journal/asp/ws.asp?m=E/CN.6/2009/4



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