Afrika als soziales und kulturelles Vorbild

Das Buchcover ist Programm: Ein alter Schwarzer, schallend lachend, in Händen einen Riesenkürbis. Selbst der Hintergrund passt nicht ins Afrika-Klischee: ein üppiges Feld und grüne Sträucher. Mit überbordendem Enthusiasmus präsentieren die beiden deutschen Soziologen Reimer Gronemeyer und Matthias Rompel ihr Anliegen, uns ein anderes Afrika-Bild zu vermitteln.

Nicht Armut und Katastrophen stehen im Mittelpunkt, sondern ein Afrika der Lebenskraft, des kulturellen Reichtums und des sozialen Zusammenhalts. Vor allem aber zeigen die Autoren selbstbewusste Frauen und Männer, die wissen wie man überlebt.
Es ist ein streitbares Buch mit vielen Informationen und es regt zu Widerspruch und Reflexion an. Gronemeyer und Rompel verschweigen die Probleme des Kontinents nicht, und machen dafür wohl zu Recht die reichen Länder des Nordens verantwortlich. Ihr verborgenes, ihr starkes und kreatives Afrika dient ihnen dabei als Gegenmodell zur zerstörerischen Welt des Nordens. Die Zeugenschaft, die sie dazu bemühen, reicht von Schillers Wallenstein über Ivan Illich und Henning Mankell bis zu Naomi Klein.
Schade ist, dass sie der Wirkung der Lebensgeschichten und Weltbilder ihrer afrikanischen ProtagonistInnen nicht wirklich vertrauen und permanent die Analyse und Kritik am westlichen Modell als Schattenwurf in ihre Berichte und Portraits einweben. Eine Gewichtung, die stärker beim afrikanischen Subjekt bleibt und den geneigten LeserInnen zutraut, selbst Schlussfolgerungen ziehen zu können, hätte dem Buch gut getan.

Gronemeyer Reimer/Matthias Rompel: Verborgenes Afrika – Alltag jenseits von Klischees. Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. 2008, 184 Seiten, 18,40 €


Autor: Hannes Schlosser
 

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