Leo Hickman: Und Tschüss! Was wir anrichten, wenn´s uns in die Ferne zieht

Pendo Verlag, München und Zürich, 2008. 420 Seiten.
Aus dem Englischen übertragen von Marion Hertle

Leo Hickman nimmt uns in diesem Buch wie in einem „globalen Reisetagebuch“ in beliebte Reisedestinationen mit und erforscht die Hintergründe und Auswirkungen der Tourismusindustrie. In vielen Gesprächen mit BewohnerInnen, Hotelangestellten, AktivistInnen, Reiseagenturen, ÖkologInnen u.a. sammelt er Fakten rund um soziale, ökologische und ökonomische Vor- und Nachteile, die das Reisen mit sich bringen.

Und von Betroffenen und NutznießerInnen des Tourismus. So widmet er einem Kapitel den Immobilienspekulationen und der Wasserproblematik rund um Golfplätze und riesigen Hotelanlagen in Spanien. In Thailand beschäftigt er sich mit dem immer weiter wachsenden Sextourismus und den Folgen des Rucksacktourismus. So fließen zwar laut einer Studie rund 70% der Ausgaben von Rucksackreisenden in die lokalen Unternehmen, doch folgt unweigerlich darauf der Pauschaltourismus, von dem 70% der Ausgaben bei den großen Reiseagenturen im eigenen Land bleibt. „Tourismus habe eine weitaus schlimmere Auswirkungen als ein Tsunami“, wird ein Tourismusverantwortlicher in Phuket zitiert: Durch die Reisenden kommt es zu Verteuerung der Lebensmittel und des Landes. Die Korallenriffe werden zerstört durch den Bau von Hotelanlagen, Tauchtourismus und ungeklärte Abwässer. Die Gemeinden können die großen Mengen an Müll und verschmutztem Wasser nicht bewältigen, alleine in Phuket fallen täglich 100 Tonnen Müll durch die Hotelanlagen, Restaurants, Souvenir-Shops etc. an. Auch der Regenwald wird immer weiter gerodet und zerstört.
Auch dem Schitourismus in den Alpen widmet er eine Reise, dafür begibt er sich nach Chamonix in Frankreich. Hickman berichtet über die Auswirkungen von Beschneiungsanlagen und Abholzung für immer höher gelegene und größere Schigebiete. Durch das Anlegen von Schipisten werden Ökosysteme gestört, der Einsatz von Pistengeräten ruiniert die Bodenvegetation weiter. Kleine Bergdörfer, die im Winter vom Schitourismus leben, sind im Sommer wie ausgestorben, denn viele Häuser und Wohnungen gehören Menschen aus Holland, der Schweiz oder Großbritannien, die nur für den Winter kommen.
Am Beispiel Costa Rica recherchiert Leo Hickman rund um das Thema Ökotourismus, hier beschreibt er gut funktionierende Projekte, wo Nationalparks die Erhaltung des Regenwaldes fördern. Schockierend sind seine Informationen zur Kreuzfahrt-Industrie: die Mengen an Müll und Abwasserverschmutzung, die hier anfallen sind enorm, die Arbeitsbedingungen oft katastrophal. Ein eindrückliches Kapitel ist zu den Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima.
Die Reisen, die Leo Hickman für die Recherche zu dem vorliegenden Buch unternommen hat, spiegeln die Zickmühle wider, vor denen wir heutzutage als Touristinnen und Touristen stehen. Sei es der Charterflug auf eine tropische Insel, ein Schiurlaub in den Alpen oder eine Reise mit dem Rucksack durch einen entlegenen Regenwald – unsere Reise hat Auswirkungen auf die am jeweiligen Ort lebende Bevölkerung, auf die Umwelt und die Wirtschaft. Wie tief greifend diese sind, beschreibt der Autor eindrücklich. Hickman hat einige hilfreiche Webtipps und Quellenangaben zu seinen Informationen gestellt, auf seinem eigenen Weblog http://leohickman.wordpress.com gibt es die Möglichkeit, mit ihm zu diskutieren und aktuelle Entwicklungen zu verfolgen. Ein Buch für alle, die hinter die Kulissen ihres Traumurlaubes schauen wollen.

Autorin: Renate Sova, Mai 2009

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