Gemeingüter – eine Antwort auf die Krise

Es ist eines der zentralen neoliberalen Dogmen, wonach Privat immer besser sei als Staat. Was sich in den letzten zwei, drei Jahrzehnten abgespielt hat, kann getrost als Gehirnwäsche bezeichnet werden, weltweit wurden zeitgleich unschätzbare Werte aus öffentlichen in private Hände verschoben. Fast ist dabei in Vergessenheit geraten, dass es neben privatem und staatlichem Eigentum auch Gemeingüter gab/gibt, die ihren NutzerInnen gehören.

Die Leipziger Romanistin und Pädagogin Silke Helfrich war lange in Lateinamerika tätig und hat nun für und mit der Heinrich-Böll-Stiftung einen Sammelband zur „Wiederentdeckung der Gemeingüter“ herausgegeben. Offenbar ist die Debatte zu den Gemeingütern/Commons vielerorts weiter gediehen als hierzulande. Umso wichtiger ist es, dass dieses Buch nun als Diskussionsanstoß vorliegt.
Die 33 Beiträge spannen einen Bogen, der weit über die klassische alpine Allmende (gemeinschaftlich genutzte Ressourcen, insbesondere Weiden, Wiesen und Wälder) hinausgeht. Aktuelle Beispiele kommen etwa aus Mexiko, Brasilien und Indien.
Die aktuelle Diskussion endet aber nicht bei neuen Formen des Gemeineigentums von materiellen Gütern, sondern schließt die geistige und kulturelle Sphäre ein. Das bekannteste und seit Jahren erfolgreich praktizierte Beispiel aus diesen Bereichen ist die weltumspannende Bewegung für eine freie Computersoftware. Zugleich auch ein Beispiel dafür, dass noch so starke Monopole diese diversifiziert agierende Gemeinschaft mit inzwischen Millionen aktiv Mitwirkenden nicht verhindern konnten.
Aufschwung erhält die Gemeingüterbewegung durch die aktuelle Krise. Zu Recht verweist die Autorin darauf, dass diese nicht nur als ökonomische, ökologische und soziale, sondern vor allem auch als eine Krise des Denkens verstanden werden sollte.
Hannes Schlosser

Silke Helfrich und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): „Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter“, 288 Seiten; oekom Verlag; München 2009, ISBN 978-3-86581-133-2, 24,90 Euro.

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