„In Reichtum geboren...“

... bedeutet der Name „Adesuwa“. Auf den ersten Blick mag das wie ein Segen wirken, doch für die junge Adesuwa spiegelt dieser Name auf sehr höhnische Weise ihr Leben wider. Von einer Juju-Priesterin als „Ogbanje“, als eine Wassergöttin identifiziert, ist sie fortan für den Wohlstand ihrer Familie verantwortlich. Denn Ogbanjes gelten als Garant für Reichtum und Glück – allerdings nur, wenn sie sich zu ihrer religiösen Identität bekennen.

Die junge Nigerianerin Joana Adesuwa, aufgewachsen in einem stark christlich geprägten Umfeld, kann und will sich nicht als eine „ aus dem Wasser Stammende“ identifizieren. Genau das aber verlangt ihr Vater, als seine Geschäfte anfangen schlechter zu laufen. Gebrandmarkt durch die Weigerung erfährt sie nicht nur Exklusion, sondern wird auch Opfer psychischer und physischer Gewalt. Bei dem Versuch ihrem Stigma zu entkommen, führt sie ihr Weg von Benin City nach Auchi und Lagos. Doch auch dort sind ihre persönlichen Beziehungen und Lebenssituationen davon geprägt. Schlussendlich entflieht sie in das vermeintlich sichere Wien – jedoch der Schein trügt.

Das Schicksal von Joana Adesuwa Reiterer, welches sie mit dem Schreiben ihrer Autobiographie versucht zu verarbeiten, ist kein Einzelfall. Die mutige junge Frau macht mit ihrem Buch auf das Schicksal zahlreicher nigerianischer Frauen aufmerksam, welche Opfer religiösen Wahns werden und dadurch oft in die Prostitution und/oder in die Hände von Menschenhändlern getrieben werden.

Reiterer, Joana Adesuwa (mit Johanna Tschautscher): „Die Wassergöttin – Wie ich den Bann des Voodoo brach“; Knaur Taschenbuch Verlag 2009; 319 Seiten.




 


Beitrag bearbeitet von Sarah Scheil
 

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