Das war Glatt & Verkehrt 2009
Small is beautiful ist ein Konzept, das heuer bei vielen Konzerten des Glatt & Verkehrt-Festivals in Krems aufgegangen ist. Da waren zum Beispiel die Akkordeonistin Maria Kalaniemi und der Bassist Pekka Lehti, die mit ihrem stillen Können ein Universum zauberten, das seinesgleichen sucht.
Dass die Kalaniemi (Bild 1) auch viel in ihrer gewohnt zarten Weise sang, verlieh der Musik des Duos einen zusätzlichen Reiz, dem sich zu entziehen wohl keiner der Anwesenden in der Lage war. Noch reduzierter allerdings war der Vortrag des Äthiopiers Alemu Aga auf seiner Leier und der seines Landmannes Alemayehu Fanta. Aga spielte religiöse Lieder und Gebete, fast möchte man sagen er hauchte sie mehr als er sie sang. Die Leier wurde dazu ebenfalls sehr leise mit nur einer Hand gespielt. Dass die Veranstalter den Mut fanden Alemu Aga zu buchen verdient ein ganz besonderes Lob: Agas Musik ist in jeder Hinsicht unkommerziell und sein Album in der nun gut 25teiligen ethiopiques-Reihe ist wohl die unspektakulärste, aber dennoch eine der interessantesten CDs dieser hervorragenden Edition. |
Als nach Alemu Aga Alemayehu Fanta (Bild 2) die Bühne betrat und zu seiner Stehgeige zu singen begann, da verließen vereinzelt ZuhörerInnen den Konzertbereich. Zu ungewohnt und schrill war ihnen wohl dieses Hörerlebnis... Damit entging ihnen allerdings der Höhepunkt des Äthiopientages. Eine handvoll ÄthiopierInnen im Publikum unterstützten Fanta mit rhythmischem Klatschen und Jallahs und halfen damit ungewollt auch die Ohren der Anwesenden für die ungemein faszinierende Rhythmik der äthiopischen Musik zu öffnen, in die sie immer tiefer gezogen wurden. Alemayehu Fanta verließ schließlich unter tosendem Applaus die Bühne. Als Fanta im Folgekonzert auch kurz mit der begnadeten äthiopischen Sängerin Ejigayehu Gigi Shibawa musizierte, war auch das der Höhepunkt dieses Acts. (Die Begleitung und Arrangements Bill Laswells erwiesen sich erwartungsgemäß als zu behäbig um Shibawas Musik zu bereichern doch das ist bereits von CDs der beiden bekannt. Meister Bill Laswell fiel zudem durch seine unangenehme Arroganz und unprofessionelles Verhalten aus dem Rahmen: er spielte den ganzen Gig mit dem Rücken zum Publikum, weil ihm zuvor eine Laus über die Leber gelaufen war
). |
|
Und noch einmal zurück zu Small is beautiful: das heißt natürlich keinesfalls, dass kleinere Formationen per se interessanter oder gar besser als große wären, im Falle von Glatt & Verkehrt 2009 traf aber das tatsächlich zu. - Freilich nicht ohne die berühmten Ausnahmen von der Regel, die da sind: der spannende Eröffnungs- und der grandiose Schlussact. Eröffnet wurde mit einer Komposition von Bernhard Lang, die er für die 72stimmige Trachtenkapelle Rossatz (Bild 3) geschrieben hat. Dazu gehörte sowohl die Inszenierung der anfänglich räumlich getrennten Kapelle, ihr Treffen und der Einmarsch zur Bühne, das Finden und Sich-Entfernen über Töne, die Verarbeitung einzelner musikalischer Momente im Loopgenerator, wie die schlichte Tatsache, dass ein Stück zeitgenössischer Musik, gespielt von einer großen Kapelle in Tracht einen recht bemerkenswerten Eindruck hinterlässt. Beschlossen wurde das Glatt&Verkehrt-Festival 2009 mit dem Ukulele Orchestra of Great Britain (Bild 4). Mit einer enormen Portion britischen Humors spielte sich das 7köpfige Orchester, bestehend aus 6 Ukulelen und einem akustischen Bass durch eine verwegene Mischung aus so unterschiedlichen Songs wie Anarchy in the UK (Sex Pistols), Badinerie (J. S. Bach), Hot Tamales (They're red hot) (Robert Johnson) oder Born to be wild (Steppenwolf). Sowohl gesangstechnisch als auch an den Ukulelen konnten die MusikerInnen bis in die Feinheiten ihres Materials überzeugen. Zusätzlich änderten sie Song-Texte geringfügig, um damit doch eine maximal lustige Wirkung zu erreichen (z. B. I use the enemy/I use the Ukele in Anarchy in the UK). Dafür gab's am Ende zu Recht Standing-Ovations. |
