Kongo: Brutalität gegen Frauen reißt nicht ab

Die UNO-Sonderermittlerin Yakin Ertürk berichtet nach 4-jähriger Tätigkeit im Kongo über extreme Brutalitäten gegenüber Frauen, vor allem in Süd-Kivu. Die Hauptverantwortlichen seien Rebellen, die nach dem Völkermord in Ruanda in den Kongo geflüchtet sind, aber auch kongolesische Regierungstruppen und Polizisten sind beteiligt.

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Massenvergewaltigungen und lebensbedrohende Nötigungen, in denen sich Familienangehörige an ihren Familienmitgliedern öffentlich vergehen müssen, sind keine Seltenheit bei Soldaten und Polizeiangehörigen. Ebenso nicht, dass viele Frauen wie SklavInnen gehalten werden und Exkremente oder das Fleisch toter Angehöriger essen müssen.
Dadurch, dass sich das Rechtssystem in einem erbärmlichen Zustand befindet, so Ertürk, gebe es kaum eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Täter zu belangen. Zudem komme, dass das Rechtssystem von Korruption und Freunderlwirtschaft durchzogen sei.
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) rief während seiner Tagung vom 26. August bis 2. September 2009 in seiner „Erklärung zu sexueller Gewalt gegen Frauen in der Demokratischen Republik Kongo“ dazu auf, die Gewalt gegen Frauen öffentlich zu verurteilen und zu betonen, dass Gewalt gegen Frauen Sünde ist. Die Regierung der DR Kongo wird deutlich und klar dazu aufgerufen, die sexuelle Gewalt gegen Frauen rechtlich zu ahnden und eine nachhaltige Strategie gegen die Gewalt zu entwickeln.
Am 9. September bestätigte auch die UNO, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit stattfinden, und fordert ausnahmslose Bestrafung.
Neben extremen psychischen Belastungen müssen missbrauchte Frauen die Vergewaltigung nicht selten mit dem Tod bezahlen: Durch die starken Verletzungen und in Folge von Aids und Geschlechtskrankheiten, die ihnen die Vergewaltiger zufügen. Nur wenige Frauen und Mädchen gelangen in ein Krankenhaus, in dem sie psychisch und physisch betreut werden.
„Ich glaube, dass diese Formen sexueller Gewalt hier Teil einer Kriegsstrategie sind - und nicht nur eine Kriegswaffe. Denn die Täter verfolgen ganz offensichtlich ein Ziel. Meistens fallen mehrere Männer über eine Frau her. Wenn sie mit den - oft öffentlichen - Vergewaltigungen fertig sind, schließen sie das Ganze damit ab, dass sie Bajonette, Stöcke, Glasscherben oder andere Gegenstände einführen. Oder sie verbrennen die Frauen im Intimbereich mit heißem Plastik. Oder sie schießen der Frau in die Vagina“, sagt Denis Mukwege Mukengere, Gynäkologe und medizinischer Direktor eines Krankenhauses, der seit den 1990er-Jahren Frauen operiert.


Kriegsstrategie dahinter

Er sieht darin eine Kriegsstrategie: „Ich erkläre mir das mittlerweile so: Die Täter wollen nicht nur diejenigen auslöschen, die heute leben, sie wollen auch die Fähigkeit eines Volkes zerstören, sich fortzupflanzen und damit weiterzuleben. Deshalb ist das viel schlimmer, als die Männer zu töten. Denn so, wie sie vorgehen, lassen sie die Menschen auf sehr intelligente Weise verschwinden: Es gibt keine Leichenberge, keine Beweise. Deshalb ist das wirklich eine satanische Methode, denn welche Frau wird schon die Röcke heben und zeigen, was ihr angetan wurde? Stattdessen sterben die Frauen langsam und still vor sich hin, entweder an Aids oder an anderen Geschlechtskrankheiten. Diejenigen aber, die überleben, haben keine Geschlechtsorgane
mehr."
Hilfsorganisationen versuchen direkt vor Ort zu helfen, eine davon ist Care. Im Jahr 2008 betreute sie pro Monat 400 Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Care spricht von „epidemischen Ausmaßen“ der Gewalttaten, in denen Frauen gefährdeter seien als Soldaten.
Die Zahl der Todesopfer variiert. Organisationen schätzen, dass seit 1996 bis zu vier Millionen Menschen durch die Gewalt im Kongo starben.
Im März unterzeichnete die Regierung mit den Rebellen einen Friedensvertrag. Dieser sieht vor, dass Rebellen als Partei zugelassen werden und, dass inhaftierte Rebellen freikommen. Für sie wurde eine Amnestie-Regelung erlassen. Ob das den eigentlichen Opfern, nämlich den Frauen im Kongo, zu Gute kommen wird, ist stark zu bezweifeln.


 

Beitrag bearbeitet von Martina Seehuber, 5.10.2009

 

 

 


Literatur:
Fußnoten 1, 2: Klapper, B. (2009)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1030677/

Care (2008): DR Kongo: Gewalt gegen Frauen ist „epidemisch“.
http://www.care.at/de/presse/presseaussendungen/press-page/article/dr-kongo-gewalt-gegen-frauen-ist-epidemisch.html (Letzter Zugriff: 1.10.2009)

DiePresse (2009): Kongo: UNO fordert Bestrafung für Kriegsverbrechen.
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/507113/index.do?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do (Letzter Zugriff: 1.10.2009)

Klapper, B.(2007): Brutale Exzesse im Kongo: Schockierende Gewalt gegen Frauen. In: Spiegel Online.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497476,00.html (Letzter Zugriff: 1. 10. 2009)

Oekumenischer Rat der Kirchen (2009): ORK verurteilt sexuelle Gewalt gegen Frauen in der Demokratischen Republik Kongo.
http://www.oikoumene.org/de/nachrichten/news-management/a/ger/article/1634/oerk-verurteilt-sexuelle.html (Letzter Zugriff: 1.10.2009)

Rühl, B. (2009): Der vergessene Krieg. In: Deutschlandfunk.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1030677/ (Letzter Zugriff: 1. 10.2009)


 

 

 

 

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