Indien: Britische Regierung setzt Unternehmen unter Druck

Das britische Bauunternehmen Vedanta Resources plant seit längerer Zeit eine Bauxit-Mine auf dem heiligen Berg des indigenen Volks Dongria Kondh in der indischen Stadt Orissa zu errichten. Auf dieses Vorhaben hin brachte die Bewegung für indigene Völker, Survival International, unterstützt von der britischen Regierung, eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein. Jetzt kritisiert die britische Regierung das Unternehmen scharf.

www.pixelio.de, Niko Korte

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Die Beschwerde gegen Vedanta Resources wurde mit Unterstützung der britischen Regierung den Richtlinien der OECD für multinationale Unternehmen vorgelegt, die die entscheidenden Prinzipien für ethisches Verhalten von Unternehmen enthalten. Jetzt machte die britische Regierung öffentlich bekannt, dass Vedanta „die Rechte der Dongria Kondh nicht respektiere“ und „den Auswirkungen des Baus keine Beachtung schenke“. Eine Veränderung des Verhaltens von Vedanta sei „unerlässlich“.

Laut Survival International habe dieses Verhalten Vorbildwirkung: Bisher sei noch nie gegen ein so großes britisches Unternehmen vorgegangen worden. Vedanta Resources seinerseits habe trotz wiederholter Aufforderung während der Untersuchung „keinerlei Nachweise vorgelegt.“ Es handelt sich somit um das bisher erste Mal, dass sich ein Unternehmen weigerte, sich an einer OECD-Untersuchung zu beteiligen.


Folgen des Abbaus

Der Niyamgiri Berg, an dem Vedanta eine Mine errichten will, ist allen Angehörigen der Kondh heilig. Er ist nicht nur reich an Wäldern, prachtvollen Flüssen sowie seltenen Tieren und wird von den Dongria Kondh bewirtschaftet. Sondern am Gipfel dieses Bergs befindet sich der Sitz deren Gottes. Der geplante Abbau von Vedanta würde eine Zerstörung der Kultur und Religion zur Folge haben.

Die Angehörigen der Dongria Kondh erklären: “Bergbau bringt nur den Reichen Gewinne. Wir werden zu Bettlern, wenn das Unternehmen unseren Berg und unseren Wald zerstört, um Geld zu machen. Wir wollen weder die Mine noch irgendeine Unterstützung von dem Unternehmen.”

Am Fuße des Berges wird schon seit längerem Eisenerzbauxit abgebaut. Bereits jetzt haben BewohnerInnen dieses Gebiets mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Sie klagen über Hautprobleme nach dem Waschen in nahegelegenen Flüssen. Auch von toten Tieren, die aus diesen Wasserquellen getrunken haben, wird berichtet.

Zudem entsteht bei der Produktion von Eisenerz rot gefärbter Matsch, der durch das warme Klima trocknet und zu Staub zerfällt. Dieser gesundheitsschädliche Feinstaub bedeutet eine doppelte Belastung: Einerseits atmen die BewohnerInnen diesen ein, andererseits umhüllt er das Getreide und erstickt dadurch die wertvollen Pflanzen, die die Wirtschaft aufrechterhalten.


Reaktionen auf dieses Urteil

Der Parlamentarier und Vorsitzende der überparteilichen Gruppe für indigene Völker, Marin Horwood, meinte: „Ich bin erfreut, dass die britische Regierung dieses vernichtende Urteil gegen Vedanta erlassen hat. Dies ist ein weiterer nachdrücklicher Beleg dafür, dass Vedanta sein Handeln grundlegend verändern muss.“

Auch die indische Schriftstellerin Arundhati Roy, Trägerin des Booker Prize, dem wichtigsten britischen Literaturpreises, zeigte sich vom Bauprojekt des Bergbauriesen betroffen. „Sollte es Vedanta erlaubt werden, die Pläne für den Bauxit-Bergbau in den Niyamgiri Hills in Orissa fortzuführen, wird dies die Vernichtung eines ganzen Ökosystems zur Folge haben sowie nicht nur die Zerstörung der Gemeinschaft der Dongria Kondh, sondern letztendlich all jener, deren Existenz von diesem Ökosystem abhängt.“, kommentierte sie.

Survival-Direktor Stephen Corry zeigte sich über die Stellungnahme der britischen Regierung „sehr erfreut“, da es sich ohnehin um eines der „berüchtigsten Bergbauvorhaben auf der Welt“ handle. Außerdem erklärte er: „Vedanta hat die Dongria Kondh noch nicht einmal darüber informiert, dass das Unternehmen vorhat, ihren heiligen Berg in eine riesigen Tagebau-Mine zu verwandeln. Die Indigenen haben jedoch nach internationalem Recht einen Anspruch darauf, ihre Zustimmung zu erteilen oder diese eben zu verweigern. Schließlich geht es hierbei um etwas, was eine dramatische, schreckliche Auswirkung auf ihre Leben haben wird.“

Für Vedanta Resources ist dies allerdings nicht die erste Peinlichkeit. Erstaunlicherweise wäre Anil Agarwal, dem Gründer und Mehrheitseigner von Vedanta, – ironischerweise – beinahe ein Umweltpreis überreicht worden. Der Bergbaukonzern gibt vor, sich für nachhaltige Entwicklung einzusetzen, wie auch auf deren Hompage www.vedantaresources.com angeführt wird. Der Preis wurde Agarwal jedoch in letzter Minute vorenthalten, nachdem die Jury Details über die Vorgehensweise in Orissa erfuhr. Zusätzlich gestand der indische Umweltminister, dass dieses Projekt niemals hätte genehmigt werden dürfen.

Die Dongria Kondh protestieren regelmäßig gegen die Mine. Hunderte beteiligen sich seit Monaten an Blockaden und Demonstrationen. Survival International, Amnesty International, ActionAid, War on Want und zahlreiche AktivistInnen setzen sich für die Stilllegung der Mine ein. Auch Prominente, wie zum Beispiel die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger oder eben Arundhati Roy, unterstützen den Widerstand.


 

Text bearbeitet von Signe Hauser, 20.10.2009

 

 

 


Quellen:
Pressetext, Survival International, 12. Oktober 2009
http://www.survival-international.de/stammesvolker/dongria
http://www.vedantaresources.com/

 

 

 

 

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