Terry Pratchett: Eine Insel

ISBN: 978-3442546558
Manhatten Verlag, 448 Seiten
Ab und an sollte man sich nebst schwerer Kost auch einmal etwas Belletristik gönnen und was läge näher als zum neuen Pratchett zu greifen. Kaum ein Zweiter versteht es so gekonnt Fakt mit Fiktion zu vermengen und unter der Zugabe von einer Priese Zynismus das Ganze in eine fesselnde Geschichte zu verpacken.

Erst als ich die Beschreibung Groß-A'Tuins vergeblich suchte, die seit jeher die bizarren Scheibenwelt-Romane einleitet, wurde mir klar, dass ich hier einen völlig neuen Pratchett in den Händen halte. Das Konzept bleibt allerdings größtenteils gleich. Diesmal führt Terry Prachett, ein ehemaliger Sicherheitsbeauftragter eines Atomkraftwerks, seine LeserInnen in das England des späten 19. Jahrhunderts. Thematisch setzt er sich in "Eine Insel" mit der damaligen Kolonialisierungspolitik auseinander. Damit nicht genug philosophiert Prachett mittels seines Hauptcharakters Mau über die Zwänge in die uns menschliche Gesellschaftsstrukturen drängen und wirft unzählige metaphysische Fragen auf.

Doch nun zur Geschichte selbst:
Der junge Mau freut sich nach einem Monat auf einer "Jungeninsel" als Mann in seine Heimat zurückkehren zu können. Groß würde das Fest zu seiner Ehre werden und sein Vater würde sehr stolz auf ihn sein. Doch noch größer war die Welle, die er nur knapp in seinem Kanu überwinden konnte.

Die Nation, Maus' Heimat, hatte weniger Glück. Als er dort eintrifft findet er nur völlige Verwüstung vor. Er war der einzige der überlebt hatte. Doch konnte er ab nun alleine eine Nation sein? Bald schon trifft er auf Daphne, ihres Zeichens einzige Überlebende des englischen Schiffes „Sweet Judy“, das die Welle auf die kleine Insel am anderen Ende der Welt hatte stranden lassen.

Nun beginnen beide, obgleich sie unterschiedlicher nicht sein könnten, gemeinsam die Nation wieder aufzubauen. Und weitere schlossen sich ihrer neuen Nation an um zu helfen, zu zweifeln oder gar zu zerstören. Ob der Junge Mau seiner Bestimmung schließlich als Häuptling gerecht wird, obwohl das Gewicht der gesamten Welt auf seinen Schultern zu lasten scheint und ob Daphne ihre spießige Großmutter je wiedersehen wird, lest ihr am besten selbst.

Autor: Michael Schichor

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