Uganda: Damenbinden aus Papyrus

Die Herstellung von Monatsbinden aus heimischen Materialien bringt Flüchtlingsfrauen Beschäftigung und Einkommen für ein Produkt, das sich afrikanische Frauen als Importware in den seltensten Fällen leisten können. Die an der Makerere Universität in Kampala entwickelte Produktionsform wird nun auch in anderen Orten angewendet.

www.pixelio.de

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Der Durchschnittslohn im Westen Ugandas beträgt weniger als 80 Eurocent pro Tag. Für die meisten Frauen ist es daher unvorstellbar, für eine einzige Packung Damenbinden doppelt so viel auszugeben. Die armen Frauen haben herkömmlich einen Baumrindestoff als Binden benutzt, der aus dem Ficus natalensis erzeugt wird. Es wird aber immer schwieriger, diesen Baum zu finden, und so müssen sich die meisten Frauen mit Fetzen, die sie aus ihrem Haushalt entbehren können, behelfen.
Die Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo, untergebracht in der Siedlung Kyaka 2 an der Grenze von Uganda und dem Kongo, haben eine bessere Lösung: Sie produzieren kostengünstige Binden für sich selbst und die Umgebung aus ausschließlich einheimischen Stoffen. Das gehört zu einem Projekt des Flüchtlingshochkommissariates der Vereinigten Nationen (UNHCR), das die Flüchtlinge als Produzentinnen befähigen will, sich selbst zu versorgen – trotz ihrer Vertreibung.


Methode an der Uni von Kampala entwickelt

Den Fertigungsprozess für diese innovative Binden hat Moses Kiiza Musaazi von der Makarere Universität in Kampala entwickelt. Gebraucht wird nur Papyrus aus den nahe liegenden Sümpfen, Altpapier, wenn vorhanden, und Wasser, um die Pflanzenteile aufzuweichen. Papyrus wird in saugfähigen Staub verarbeitet und dann in Bindenform gebracht. Die notwendigen Maschinen (z. B. ein Aufschneider) sind auch an der Makarere Universität entworfen worden und alle möglichst einfach von Menschen zu betreiben. Musaazi will nicht in fortgeschrittenere Technologien investieren, weil er vermeiden will, dass das Projekt zu kapitalintensiv wird. Er bevorzugt es, sich auf heimische Materialien zu beschränken und auf Maschinen zu setzen, die arme Menschen auch selbst zusammenbauen können und die damit für sie leistbar und für ihren Unterhalt wirklich nützlich sind.
Um die Monatsbinden zu fördern und zu verkaufen, ist die Firma „Makapads“ gegründet worden. Sie liefert derzeit 35.000 Binden-Päckchen pro Jahr. Das senkt die Kosten für Binden im Flüchtlingslager beträchtlich. Denn die UNHCR importiert 100.000 Päckchen pro Jahr für die Frauen und Mädchen, was ungefähr 400.000 Euro kostet. Mit den Produkten der Firma „Makapads“ werden diese Kosten bedeutend gesenkt. Dies ist umso wichtiger in der Zeiten der weltweiten Rezession, in der die Spenden an UNHCR insgesamt nachlassen, die Anzahl von Flüchtlingen aber täglich steigt.
Die Flüchtlingsfrauen werden für ihre Arbeit fair bezahlt. Rosette Rubaza erzählt, sie verdiene im Durchschnitt 170 Euro pro Monat, was zusammen mit den UNHCR-Nahrungsmitteln für die Bedürfnisse ihrer Familie ausreicht. Das Projekt hat jetzt neue Produktionsstellen Uganda weit – in Kampala sind zurzeit 30 Frauen beschäftigt. Musaazi will die Herstellungsmethode auch Flüchtlingen in Äthiopien, Ruanda und Sudan beibringen. Die Hoffnungen auf eine weitere Expansion sind groß – und berechtigt: Allein in Uganda werden pro Monat acht Millionen Damenbinden benötigt und der Marktwert wird auf rund 800.000 Euro geschätzt.
Billige Damenbinden sind nicht nur eine Sache der Hygiene und des Komforts. Sie könnten auch die Bildung von Mädchen fördern. Die Periode ist nämlich eine von den Hauptursachen für die Schule abbrechen. Das Forum von afrikanischen Pädagoginen (FAWE), eine ugandische Organisation, die Mädchenausbildung fördert, will die Regierung davon überzeugen, Binden für Mädchen in Grundschulen umsonst anzubieten. FAWE arbeitet auch daran, die Periode zu einem Gesprächsthema zu machen und die damit verbundene Tabus zu brechen.

Beitrag bearbeitet von Natalija Povodnik, 25.02.2009

Quelle:
http://allafrica.com/stories/200902180118.html


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