Afrika: Schließen der digitalen Kluft

Die BürgerInnen von Kenia können mit ihrem Handy Geld überweisen, ihre Prüfungsergebnisse abrufen und sich sogar blind verabreden. Die afrikanischen Bauern können per Handy die Marktpreise der Saaten checken und danach entscheiden, was sie anbauen wollen. Die ÄrztInnen können das Krankenpflegepersonal in weit entfernten ländlichen Gesundheitszentren mittels Telediagnosen unterstützen.

www.pixelio.de, Andreas Morlok

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Die Mobiltelefonindustrie wächst in Afrika zweimal so schnell wie in der restlichen Welt, und die Handys haben schon im Jahr 2001 die Zahl der Festnetztelefone überschritten. Auch der immer bessere Zugang zu Computern und die rasche Verbreitung des Internets sind ein Teil der afrikanischen Kommunikationsrevolution. Die berühmte „digitale Kluft“, d. h. die große Diskrepanz zwischen den im Westen und den in den Ländern des Südens verfügbaren Technologien könnte also bald der Vergangenheit angehören.

Jeffrey Sachs, Direktor vom Earth Institute an der Columbia Universität in New York, meint dazu: „Ich denke wirklich, dass die digitale Kluft an Bedeutung verliert. … Wir werden in den nächsten Jahren mehr und mehr digitale Technologien in der afrikanischer Wirtschaft, in der öffentlicher Ausbildung, im Gesundheitswesen, in der Wissenschaft usw. bemerken können, und das wird für die Entwicklung Afrikas einen riesigen Unterschied machen.“

„Die afrikanische Wirtschaft hängt – wie auch anderswo auf der Welt – von der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) ab, die die Basis für das Wachstum jeder anderen Branche formt“, glaubt Sami Al-Basheer, Direktor des Entwicklungsbüros der International Telecommunications Union. Der Zusammenhang zwischen der Durchdringung eines Landes mit digitalen Technologien und dessen wirtschaftlichem Wohlergehen sei bewiesen, so Al-Basheer. Er meint, dass die PolitikerInnen Afrikas die Entwicklung der IuK genügend unterstützen würden und bereit wären, die notwendigen Veränderungen in Gang zu setzen. UnternehmerInnen und KonsumentInnen klagen jedoch, dass die Regierungen in Sachen rechtliche Rahmenbedingungen und Steuersenkungen nur sehr langsam auf den IuK-Boom reagieren.


Herausforderungen und Probleme

Die Entwicklung der IuK stellt in Afrika erwartungsgemäß eine große Herausforderung dar. Die Netze in Nigeria sind wegen der enormen Nachfrage völlig überfordert, schlechte oder gar keine Verbindungen zählen zu alltäglichen Problemen. Auf dem ganzen Kontinent sind Breitbandnetze gefragt. Neue Unterwasserkabelführungen werden zurzeit an der Ostafrikaküste gelegt, um den Internetzugänge zwischen Afrika und der Welt deutlich zu verbessern, die Netzverbindungen hochzufahren und die Preise zu senken. Auch die mobile Technologie der dritten Generation (3G), die es den NutzerInnen ermöglicht, ihr Handy ans Internet anzuschließen, fasst schnell Fuß. Gleichzeitig fallen die bisherigen Monopole der IuK-Branche, die das Wachstum behindert haben.
Sorgen wegen der Umweltverschmutzung ergänzen diese technischen Probleme.* Nach Angaben der Umweltschutzorganisationen machen weggeworfene Handys und andere elektronische Geräte derzeit schon die Hälfte der städtischen Abfälle aus. Sie erwarten, dass der Anteil in den nächsten Jahren noch ansteigen wird. Dessen sind sich auch Handy-Produzenten bewusst. Nokia z. B. hat Pläne entwickelt, um Deponiezentren zu gründen, in denen alte Handys inklusive die Batterien gesammelt und anschließend recycelt werden.


Hoffnungen

Nach der Prämisse, dass Menschen, die Zugang zu Informationen haben, besser für das Leben gerüstet als andere, greifen jetzt zunehmend auch Frauen zu IuK. Ruth Ojiambo Ochieng, die Präsidentin von ISIS - Women’s International Cross Cultural Exchange, glaubt stark daran, dass IuK ein neuer Werkzeug der Ermächtigung von Frauen werden kann. Sie setzt sich für Mädchen-EDV-Kurse und Computergemeinschaftszentren ein, weil der begrenzte Zugang und das mangelnde Know-How die wichtigsten Gründe dafür sind, dass das Potenzial der IuK in Afrika noch nicht voll genutzt wird. Als naheliegende Gründe nennt sie auch die geringe Präsenz von Materialen für afrikanische Frauen im Internet und Englisch als dessen Hauptsprache. Die digitalen Technologien in Afrika sind immer noch überwiegend eine Branche für Männer – nicht so sehr wegen der Technologien selbst als viel mehr wegen der weit verbreiteten Diskriminierung von Frauen auf allen gesellschaftlichen Ebenen.
Die Stimmung der Frauen bleibt trotzdem optimistisch: Von der IuK erhoffen sie sich eine Veränderung ihrer sozialen und ökonomischen Rolle. Was sich die meisten BewohnerInnen Afrikas wünschen, ist jedoch, dass ihre Heimat mit Hilfe der IuK wettbewerbsfähiger wird und ihre wirtschaftliche Rolle in der Welt wächst.


Beitrag bearbeitet von Natalija Povodnik, 23.04.2009


* Anm. der Redaktion: Die "digitale Kluft", die sichtbar besteht, ist jene des Mülls. Elektro-Schrott aus Europa verschandeln, verdrecken und verseuchen schon jetzt Gegenden in Afrika massiv und gefährdet damit die Gesundheit tausender Menschen. Lesen Sie dazu mehr unter http://www.suedwind-agentur.at.



Quellen:
http://allafrica.com/stories/200902161506.html
http://www.isis.or.ug/docs/2000_internet.pdf
http://ewasteguide.info/newsandevents/nokia-
http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu37we/uu37we0u.htm
http://ipsnews.net/africa/interna.asp?idnews=20201


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