Mexiko: Indigene Frauen kämpfen für ihre Rechte

Die Frauenorganisation Quiego engagiert sich im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca für die Durchsetzung von Frauenrechten. Dabei müssen die Frauen mit Widerständen seitens der Autoritäten der indigenen Gemeinschaften, bis hin zu Todesdrohungen, rechnen. Die Gemeindeautoritäten berufen sich auf die Traditionen und Bräuche, um den Frauen etwa den Zugang zu politischen Ämtern zu verwehren.

www.pixelio.de, Helmut Wegmann

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Die 29-jährige Eufrosina Cruz, die der indigenen Gruppe der Zapoteken angehört, ist Gründungsmitglied der Organisation Quiego – das Kürzel steht für „Queremos Unir Integrando por Equidad y Género en Oaxaca“ („Wir wollen für Fairness und Geschlecht in Oaxaca zusammenkommen“). Cruz kandidierte im November 2007 als erste Frau für das Bürgermeisteramt in ihrer Gemeinde Santa María Qiegaloni, wurde jedoch aufgrund ihres Geschlechtes zurückgewiesen. Die Autoritäten beriefen sich in ihrer Begründung auf die Sitten und Traditionen. In Mexiko – dem Land mit der größten indigenen Bevölkerung Lateinamerikas in absoluten Zahlen – werden indigene Traditionen durch das Gesetz anerkannt, solange sie nicht der Verfassung widersprechen, in welcher die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann garantiert wird. 418 der 570 Gemeinden Oaxacas werden gemäß den indigenen Bräuchen regiert – in 82 dieser Gemeinden ist es Frauen nicht erlaubt zu wählen oder für ein Amt zu kandidieren. Die Gruppe Quiego ist nun angetreten, in Oaxaca und darüber hinaus „ein Bewusstsein für die politischen Rechte der Frauen zu schaffen und ihnen begreifen zu helfen, dass manche Traditionen schlecht sind, dass wir aber nicht allein sind und dass wir aufwachen müssen“, so Eufrosina Cruz.


Mit dem Tod bedroht

Die Folgen waren für Eufrosina Cruz nicht abzusehen: Todesdrohungen, die zu ihrem Polizeischutz führten, andererseits aber auch die Annahme einer Reform der Verfassung von Oaxaca aufgrund ihrer Initiative, in welcher ausdrücklich festgeschrieben wurde, dass keine lokalen Traditionen zur Anwendung kommen dürfen, sollten sie die politischen Rechte indigener Frauen verletzen. Neben zahlreichen Zusammenkünften mit RegierungsvertreterInnen und GesetzgeberInnen erhielt Cruz vom konservativen Präsidenten Felipe Calderón für ihre Arbeit für die Rechte der Frauen auch den nationalen Jugendpreis im Wert von 100.000 Dollar.

Einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP von 2006 zufolge leben mehr als 90 Prozent der nach offiziellen Zahlen 12 Millionen Angehörigen indigener Gruppen in extremer Armut; beinahe 50 Prozent sind AnalphabetInnen und 80 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Mangelernährung. Eine andere Studie der regierungsnahen Nationalen Kommission für die Entwicklung der indigenen Völker stellt fest, dass Frauen „diskriminiert werden, weil sie Indigene sind, weil sie Frauen sind und weil sie arm sind. Auch die Sozialsysteme ihrer eigenen Gemeinschaften schließen sie oft aus.“


Beitrag bearbeitet von Alexander Stoff, 5.5.2009



Quelle:
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=46355


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