Die vielen Gesichter der Waschnuss

Das Kaufverhalten kritischer Konsumentinnen und Konsumenten ist bestimmt durch das Bedürfnis Einfluss auf die Politik des globalisierten Handels zu nehmen, einzuwirken in Richtung eine gerechtere Welt durch den Erwerb bestimmter Produkte unter sozialen und ökologischen Aspekten. Doch die Konsequenzen dieses Kaufverhaltens sind nicht immer eindeutig nachzuvollziehen, wie es das Beispiel der Waschnuss zeigt.

www.pixelio.de, segovax

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In den letzten Jahren haben die herkömmlichen Waschmittel in Europa eine ökologisch verträglichere Konkurrenz bekommen: die Waschnuss. In den Schalen der Nüsse des Ritha-Baums (Sapindus Mukorossi) ist Saponin enthalten, ein Stoff, welcher bei Kontakt mit Wasser eine seifige Lauge erzeugt. Diese ist frei von umweltbelastenden Chemikalien wie Lösungsmitteln, Duftstoffen, Konservierungsstoffen und Aufhellern. Damit hat das traditionelle Waschmittel aus Indien und Nepal Einzug in die Waschtrommeln vieler ökologisch bewusster Konsumentinnen und Konsumenten in Europa gehalten.

Das stärker werdende Interesse an ökologischer Nachhaltigkeit in den letzten Jahren blieb nicht folgenlos, es zog sowohl positive wie negative Konsequenzen nach sich. Auch die Waschnuss kann ein Lied davon singen: Auf der einen Seite wird westliche Wäsche häufiger umweltbewusster gewaschen, andererseits bewirkte der Anstieg des Exportes der Nuss eine erhebliche Preissteigerung in Indien - einem Artikel der taz vom 11.03.2008 zu Folge um das Sechsfache zwischen 2003 und 2007. Somit ist die Waschnuss als traditionelles Waschmittel für die durchschnittliche indische Bevölkerung unleistbar geworden. Aber ganz abgesehen davon wurde die Waschnuss auch in Indien selbst ohnehin schon durch industriell erzeugtes chemisches Waschpulver in Blockform ersetzt, denn die wenigsten Inderinnen und Inder sind im Besitz von Waschmaschinen und dieses Waschpulver ist wesentlich einfacher in der manuellen Anwendung. Aber so oder so kann auf längere Sicht gesehen die Nachfrage nicht befriedigt werden . Denn der Export wurde zwar intensiv forciert, aber die Verantwortlichen in Indien haben es verabsäumt, eine Neubepflanzung mit Ritha-Bäumen vorzunehmen. Außerdem ist zu betonen, dass die Ressourcen für einen generellen Umstieg von industriell hergestelltem Waschmittel auf Waschnüsse nicht gegeben sind. Es gibt jedoch auch andere Alternativen.


Boykott nicht sinnvoll

Ein Boykott der Waschnuss aus den oben genanten Gründen scheint auf den ersten Blick zwar eine sinnvolle Option darzustellen, würde aber sowohl die soziale wie auch die ökologische Situation eher verschlechtern. Der Verkauf von gesammelten Waschnüssen ermöglicht der ländlichen Bevölkerung eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Laut einem Bericht der Organisation El Puente, welche für partnerschaftlichen Handel eintritt, hatte dies zur Folge, dass sich auch die Wertschätzung des Ritha-Baumes gewandelt hat. Während er heute dank seiner Nüsse als Einkommensquelle betrachtet werden kann, wurde er früher oft zur Brennholzbeschaffung gefällt. Die Betrachtung des Baumes als Produktionsmittel wirkt dem Kahlschlag der Waldbestände entgegen, welcher im Besonderen in Nepal eine massive Bedrohung für Natur und Mensch darstellt. Außerdem wäre es wenig wahrscheinlich, dass bei einem Rückgang der Preise die indische Bevölkerung wieder auf den Gebrauch von Waschnüssen umsteigen würde, da die Wahl des Waschmittels nicht nur durch den Preis begründet ist.

Die Waschnuss ist (noch) nicht in der Palette der TransFair-Produkte enthalten, allerdings bieten einige Weltläden und Online-Shops fair gehandelte Waschnüsse aus Nepal zum Verkauf an.

Beitrag bearbeitet von Sarah Scheil, 16. April 2009

Quellen:
http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/waschnuesse-mangel-durch-bio-boom/?src=TE&cHash=adf83ce283
http://www.el-puente.de/illac_cms/de/72,ecc2b3f910abb5109077da317e0f3234,info,html_pg,,,,49,,W,pg/index.html
http://www.waschnuss.info
http://www.suedasien.info/laenderinfos/269#toc_4


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