Internationale Atombehörde: ElBaradei drängt auf Zusammenarbeit

Der Generaldirektor der Internationalen Atombehörde der Vereinten Nationen (IAEA), Mohamed ElBaradei, legte in Wien seine Vorstellungen von der Zukunft der IAEA dar. Diese sieht er in Sicherheit, Entwicklung und einem Mehr an Multilateralismus.

www.pixelio.de, Thomas Stallkamp

www.pixelio.de, Thomas Stallkamp

Am 9. März 2009 lud die Österreichische Gesellschaft für Außenpolitik und Vereinte Nationen zu einem Vortrag des Generaldirektors der Internationalen Atombehörde der UN (IAEA), Mohamed ElBaradei, in den ehemaligen Reichsratssitzungssaal des Parlaments. Vor dem Hintergrund aktueller globalpolitischer Trends analysierte er nicht nur die künftigen Herausforderungen der IAEA in Bezug auf die Nutzung nuklearer Energie, sondern strich auch ihre Aufgaben im Bereich der internationalen Entwicklung heraus.
Globale Unsicherheiten, die insbesondere die missbräuchliche Nutzung von Kernenergie einschließt, seien immer stark verbunden mit globalen Ungleichheiten, so ElBaradei. Aktuell gebe es auf multilateraler Ebene kaum Budgets für Armutsbekämpfungsmaßnahmen. Armut stehe meist in engem Zusammenhang mit einer schwach ausgebildeten Governance, die oftmals Extremismus fördert und so die Sicherheitslage verschärft. Unzureichende Governance führe jedoch zu Armut und schlechtem Krisenmanagement in humanitären Katastrophen.
Außerdem konstatiert ElBaradei Schwächen im UN-System: Aktuelle Herausforderungen wie die Finanz- und Wirtschaftskrise, die internationale Handelspolitik, die Bekämpfung von HIV/Aids oder umfangreichere Waffenkontrollen würden auf multilateraler Ebene nur unzureichend angegangen. ElBaradei wünscht sich daher in Zukunft mehr internationale Kooperation und eine allgemeine Rückbesinnung auf mehr Multilateralismus.
Was die Nutzung von Kernenergie anlangt, stehe die IAEA derzeit vor drei wichtigen Aufgaben, erklärte der IAEA-Generaldirektor. Zum einen müsse die technische Zusammenarbeit forciert werden, um etwa die Forschung vor allem im Gesundheitsbereich weiter voranzutreiben. Zum anderen müssesie Staaten, die sich für die zivile Nutzung der Atomenergie entschieden haben, bestmögliche Expertise anbieten, um die nukleare Nutzung so sicher wie möglich zu gestalten. Und schließlich gehe es um ein globales Kontrollsystem zur Überwachung nuklearer Aktivitäten und Tests, sowohl ziviler als auch militärischer Natur. Hier sieht ElBaradei besonders in der Überwachung von Atomwaffenversuchen von Staaten ein Problem, die oftmals die internationale Kooperation aufgaben, sich unbegründeten Bedrohungsszenarien ausgesetzt fühlten und illegal vorgingen. Diese gemeinsamen Herausforderungen, so ElBaradei, seien nur durch einen gestärkten Multilateralismus aber auch durch eine gestärkte IAEA entsprechend zu überwinden. Insofern erwartet er weiteren internationalen Dialog insbesondere durch die neue US-Administration und appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, die IAEA finanziell besser auszustatten.



Beitrag bearbeitet von Georg Reibmayr




Weiterführende Informationen:
http://www.epo.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1018&Itemid=84
http://www.iaea.org/About/DGC/story_2009.03.18_athens.html
http://pdf.zeit.de/online/2007/31/50-Jahre-IAEA.pdf



Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook