Kolumbien: Frauen pflanzen Hoffnung

Im zentralkolumbianischen Tolima organisieren sich indigene Frauen bei der NGO Manos de Mujer (Hände der Frauen), um die Ausbreitung der Wüste in der Region aufzuhalten. Durch die gemeinsame Anstrengung zur Aufforstung und den landwirtschaftlichen Anbau mit nachhaltigen Methoden soll das durch die Rinderzucht zerstörte Ökosystem regeneriert und das Selbstbewusstsein der Frauen gestärkt werden.

www.pixelio.de

www.pixelio.de

(8.1.2010) Manos de Mujer existiert seit 2001 und hat ein Büro in der Stadt Natagaima, 225 Kilometer von Bogotá entfernt. Im Rahmen des Projektes bauen um die 900 Frauen aus der indigenen Community der Pijao Nahrungspflanzen mit Methoden an, die die Umwelt schonen, es werden keine Chemikalien eingesetzt. An Manos de Mujer beteiligen sich die BewohnerInnen von 56 Dörfern, Stadtrandsiedlungen und Reservaten der Pijao.

Das Gebiet, auf dem das Projekt umgesetzt wird, grenzt an die Tatacoa Wüste, die einen früher riesigen tropischen Urwald in Ödland verwandelt hat. Manos de Mujer hat sich zur Aufgabe gesetzt, diesen Urwald wiederherzustellen und die Ausbreitung der Wüste zurückzudrängen. Zur Anwendung kommen dabei naturverträgliche Methoden: So wird etwa Kuhmist als Dünger verwendet, und zur Befeuchtung werden Maniok und Blätter der Kochbanane benutzt. „Wir haben die Hacke genommen, um zu überprüfen, ob der Boden feucht ist, bevor wir den organischen Dünger verbreitet haben … Wir haben auch herausgefunden, dass sogar bei Regen der Boden trocken bleibt, wenn Abfall herumliegt“, so Claudina Loaiza von Manos de Mujer.

Javier Múnera, Ökonom und Aktivist von Manos de Mujer, stellt fest, dass das Vordringen der Wüste von Menschen gemachte Ursachen hat – die bereits im Zuge der spanischen Kolonisation eingeführte Rinderzucht im großen Maßstab sei dafür verantwortlich. Für einen Zeitraum von 5.000 Jahren sei das Gebiet der Tatacoa Wüste ein trockener Tropenwald mit bis zu 15 Meter hohen Bäumen gewesen. Zwar bezeichnet er die Tatacoa Wüste nicht als solche, jedoch handle es sich heute um ein Trockengebiet mit Xerophyten (Pflanzen, die mit wenig Wasser oder Feuchtigkeit überleben), das einen schnellen Prozess der Erosion durchläuft.
Obwohl schon manches erreicht wurde, meint Múnera, dass es noch viel zu tun gibt: Etwa 600.000 Bäume wurden seit 2001 wieder aufgeforstet, jedoch ist ein Vielfaches davon notwendig, um das Vordringen der Wüste wirklich zu stoppen. Hinzu kommt, dass viel Einsatz der Frauen nötig ist, um den kleinen Grundstücken, auf denen sie ihre Nahrungsmittel anpflanzen, einen Ertrag abzuringen. Auch von Seiten der Regierung gibt es keine Unterstützung. Gefördert wird das Projekt durch Mittel von zwei internationalen Entwicklungshilfeagenturen der katholischen Kirche. Auf der Ebene des Wissensaustausches gibt es eine Kooperation mit universitären und Forschungseinrichtungen.

Bemerkenswert ist, dass sich Manos de Mujer vor allem auf die beteiligten Frauen positiv auswirkt: So lernen diese viel über die ökologische Landwirtschaft und geben ihre Erfahrungen in Workshops weiter. Besonders wichtig ist aber die Steigerung des Selbstbewusstseins der Frauen, denn viele erleiden häusliche Gewalt. Javier Múnera erzählt über den Fall einer Frau, die von ihrem betrunkenen Ehemann verprügelt wurde, bis sie „eines Tages, als sie Mitglied bei Manos de Mujer war, zu sich sagte: ‚Wer ist stärker? Er im Suff oder ich nüchtern?’ Also wehrte sie sich gegen ihn und er legte nie wieder Hand an sie an. Die Frauen fühlen sich durch das Vertrauen gestärkt, das sie gewinnen, indem sie hinausgehen, um auf ihren Feldern zu arbeiten, auf sich gestellt und mit dem Wissen, dass sie unabhängig sein können.“





 

Beitrag bearbeitet von Alexander Stoff
 

 

 


Quelle:
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=49875

 

 

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook