(4.2.2009) Regenwald mit einer der höchsten Biodiversitäten der Welt oder Erdöl für 11 Tage? Der Yasuní-Regenwald in Ecuador kann zum Vorzeigeprojekt beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern werden. Das Klimabündnis übergab eine Unterstützungserklärung an den Botschafter von Ecuador in Wien, Diego Stacey-Moreno. Gleichzeitig fordert das Klimabündnis die EU-Staaten auf, den Vorschlag mitzutragen. Österreich hat sich bisher im Gegensatz zu Deutschland, Spanien, Belgien, Frankreich und Schweden noch nicht engagiert.
Im Juni 2007 schlug die Regierung des OPEC-Mitglieds Ecuador vor, rd. 900 Millionen Barrel Erdöl, die unter dem Yasuni-Nationalpark im Nordosten des Landes erkundet wurden, im Boden zu lassen, wenn die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen durch die Weltengemeinschaft ersetzt wird. 900 Millionen Barrel entsprechen dem weltweiten Erdölbedarf von 11 Tagen.
Die Initiative zum Vorschlag stammt von der Zivilgesellschaft des Landes und den indigenen Organisationen der betroffenen Region, die seit Jahren gegen die zerstörerische Erdölexploration im Amazonas-Regenwald ankämpfen. Seitdem versuchte ein Team unter Führung des bisherigen ecuadorianischen Außenminister Falconi die wichtigsten Industriestaaten von dem Vorschlag zu überzeugen und Geldmittel für den ITT-Treuhandfonds unter Schirmherrschaft des Entwicklungsprogramms der UNO bereitzustellen (ITT ist die Abkürzung für das Gebiet Ishpingo-Tambococha-Tiputini im Nationalpark Yasuní).
Geplante Unterzeichnung scheiterte
Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen war die Unterzeichnung des Vertrages zur Schaffung des UN Treuhandfonds geplant. Im letzten Moment verweigerte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa die Unterschrift, da er bei der geplanten Verteilung der Geldmittel die ecuadorianische Souveränität in Frage gestellt sah. Seitdem sind der Außenminister und andere Proponenten des Verhandlungsteam zurückgetreten. Die starken nationalen und internationalen Reaktionen zeigen aber eine breite Unterstützung für diesen Vorschlag auf.
Klimabündnis reiste nach Ecuador
Eine Delegationsreise von Klimabündnis Europa mit Vertretern aus Deutschland, Luxemburg, Ungarn, Tschechien und Österreich hat im September 2009 den durch Erdölexploration bereits teilweise devastierten Regenwald in Ecuador und die am Rande des Yasuni-Nationalparks gelegene Stadt Coca (Francisco de Orellana) besucht. Bei den Gesprächen mit der aktiven indigenen Bürgermeisterin Anita Rivas und indigenen Organisationen vor Ort konnten die Hoffnungen in den Deal Geld statt Öl kennengelernt werden. Die Erwartungen aus den Geldzahlungen sind: den mit einmaligen Artenreichtum ausgestatten Regenwald zu erhalten, die existierenden indigenen Gemeinschaften zu schützen und einen sanften Tourismus einzuführen.
Klimabündnis fordert EU-Staaten zur Untertstützung auf
Das Klimabündnis fordert die EU-Staaten deshalb auf, jetzt Bereitschaft zu signalisieren, den Yasuni-Vorschlag der ecuadorianischen Regierung finanziell und ideell zu unterstützen. Er enthält viele innovative Elemente, der ihn zu einem Pilotprojekt für die in der Vorbereitung der Klimakonferenz in Kopenhagen vieldiskutierten Geldmittel für Waldschutz (REDD,
) machen. Das Klimabündnis unterstützt die direkte Verbindung von Klimaschutz, Erhalt des Regenwaldes und Wahrung der Rechte seiner indigenen BewohnerInnen. Yasuni ist nicht nur ein Gebiet mit außergewöhnlich hoher biologischer Vielfalt, sondern auch die Heimat verschiedener indigener Völker, unter ihnen zweier Gruppen, die in freiwilliger Isolation leben. Eine Ölförderung in ihrem Lebensraum wäre für sie das sichere Todesurteil.
Der Copenhagen Accord enthält die Absichtserklärung der Industriestaaten, die Entwicklungsländer bis 2012 mit jährlich 30 Mrd. Dollar und bis 2020 mit jährlich 100 Mrd. Dollar in ihren Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen. Der Yasuni-Vorschlag ist ein aktuelles und dringliches Beispiel, wie diese Unterstützungszusagen auf dem Papier auch konkrete Formen annehmen können.
Klimabündnis-Brief an Präsident Correa
Bisher stellen Deutschland, Spanien, Belgien, Frankreich und Schweden rd. die Hälfte der innerhalb von 10 Jahren geforderten 3,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Das Klimabündnis und seine Partnerorganisationen verbinden seit Jahrzehnten Klimaschutz in Europa mit dem Erhalt der Regenwälder und der indigenen Gemeinschaften und fordert deshalb auch von den weiteren EU-Staaten Unterstützung für den Yasuni-Vorschlag Ecuadors ein. Im gleichen Sinne wird Präsident Correa in einem offenen Brief ersucht, weiterhin zum Yasuni-Vorschlag zu stehen.
(Presseaussendung)
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Rückfragen: Hannes Höller, Klimabündnis, 0664 / 85 39 409, presse@klimabuendnis.at
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Das Klimabündnis ist
das größte kommunale Klimaschutz-Netzwerk Europas. Die globale Partnerschaft verbindet mehr als 1.600 Gemeinden aus 18 Ländern in Europa mit Indigenen Völkern des Regenwaldes. In Österreich haben sich 836 Gemeinden, 488 Betriebe und 196 Bildungseinrichtungen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und zum Schutz des Regenwaldes verpflichtet. www.klimabuendnis.at
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