Guatemaltekisch für Anfänger/innen

Freiwilligendienste in Verbindung mit Sprachkursen sind sehr beliebt. Auch in Guatemala, das als "Armenhaus" Mittelamerikas gilt. Doch oft kommen die Freiwilligen mit falschen Erwartungen und sind überfordert. Eine Vorort-Recherche aus Antigua von einer österreichischen Volontärin.

(8.2.2010) Ebenso farbenprächtig und vielfältig wie die traditionelle Tracht der GuatemaltekInnen, ist auch die Landschaft, Geschichte und Kultur des Landes. Neben teilweise aktiven Vulkanen, tropischen Regenwäldern und traumhaften Stränden an Pazifik- und Karibikküste ist Guatemala vor allem für die einstige Mayastadt Tikal bekannt.

Häufig als „Armenhaus“ Mittelamerikas bezeichnet, erfreute sich das Land in den letzten Jahren immer mehr am boomenden Tourismus. Das touristische Zentrum Guatemalas ist die einstige Hauptstadt, Antigua Guatemala. Auf der Plaza Central tummeln sich Reisende aus aller Welt neben Indigenas mit Kindern, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen kitschige Souvenirs zu verkaufen. Die Stadt ist mit seinen wunderschönen Gebäuden, Cafés und Boutiquen im Kolonialstil der ideale Einstieg für jeden Guatemala-Aufenthalt.

Auch ich war auf der Suche nach Abenteuer. Wie soviele andere auch, bevorzugte ich die bei Europäer/inne/n beliebte Art zu reisen. Eine Organisation, spezialisiert auf Freiwilligen- und Sprachaufenthalte musste her. Ein paar Mausklicks genügen, und schon ist alles organisiert: Gastfamilie, Sprachkurs, Sozialprojekt.

Schon bei der etwas chaotischen Ankunft am Flughafen von Guatemala City kommt erstmals das Gefühl der Massenabfertigung auf, das einen noch öfter während des Aufenthalts begleitet. Die Sprachschule in Antigua, eine unter vielen, macht einen seriösen Eindruck. Das Lehrpersonal besteht ausschließlich aus Einheimischen, die mit ihrer typisch guatemaltekisch lockeren Art versuchen, die SchülerInnen für die spanische Sprache zu begeistern. Die Lehrenden leben vergleichsweise gut von ihrem Einkommen, allerdings ist der Konkurrenzkampf unter den Sprachschulen groß und die Nachfrage in den letzten Jahren eher rückläufig.

Ausreichend gerüstet durch eine Woche Intensivsprachkurs beginnt der Einsatz im Sozialprojekt. In der Regel erhält man vor Antritt der Reise eine Beschreibung der Projekte und gibt daraufhin seine Präferenzen an. Meine Wahl fiel auf das Krankenhaus „Obras Sociales del Hermano Pedro“, das von einem katholischen Orden betrieben wird und vor allem Menschen mit Behinderung jedes Alters betreut. Schon beim Betreten des Krankenhauses fallen einem zahlreiche Menschen auf, die Namenskärtchen inklusive Fotos um den Hals tragen – VolontärInnen, bevorzugt aus Europa und Nordamerika. Auf der Kinderstation wuselt es geradezu von ihnen, während sie sich auf der Station der älteren BewohnerInnen eher spärlich finden. Mit ernsten, mitleidserfüllten Gesichtern werden Rollstühle durch die Gänge des Krankenhauses geschoben. „Ist es nicht furchtbar, wie diese armen Geschöpfe hier leben müssen?“, fragt Katy, Volontärin aus Minnesota. Ich blicke mich um. Eine der vielen Krankenschwestern redet gerade liebevoll auf einen Buben im Rollstuhl ein. Nein, furchtbar wäre, wenn sich niemand um sie kümmern würde.

Der Einsatz von Freiwilligen steht nicht unbedingt in Relation zum Nutzen für das Projekt. Die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen kann sich als schwierig gestalten, sei es aufgrund von Sprachbarrieren oder weil oft unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, welche Aufgaben zu erfüllen sind. „Unsere VolontärInnen sind sich oft nicht bewusst, dass die Arbeit nicht nur das Spielen mit Kindern vorsieht. Sie sind entsetzt über die herrschende Armut und mit der Situation überfordert“, so Guadeloupe, Krankenschwester im „Obras Sociales del Hermano Pedro“.




 

Autorin: Martina Steger
 

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