Klimaflüchtlinge: Salziger Beigeschmack des Klimawandels

Klimawandel ist in aller Munde. Vor einigen Jahren noch verleugnet und ignoriert, zeigen sich vermehrt die Auswirkungen der Globalen Erwärmung und das in äußerst drastischer Form. Ein Beispiel aus Bangladesch liefert einen kurzen Eindruck.

www.pixelio.de

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Klimawandel hat viele Gesichter. Der Anstieg des Meeresspiegels, vermehrte Wüstenbildung, die Verschiebung der Klimazonen usw. All diese Begriffe sind nicht neu für uns. Allerdings vergessen wir dabei eine Tatsache: Die Erwärmung des Klimas auf unserer Erde hat nicht nur für die Umwelt fatale Auswirkungen, sondern bringt auch das relativ neue Phänomen der Klimaflüchtlinge hervor. Die steigende Anzahl von Menschen, die durch Umweltveränderungen gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen, steigt stetig. Besonders dort, wo die Menschen abhängig von den Launen der Natur sind, haben Umweltveränderungen große Auswirkungen auf die Lebenssituation. Mittlerweile übersteigt die Anzahl der Klimaflüchtlinge sogar die Anzahl anderer Flüchtlingsgruppen. Greenpeace spricht in einer Studie aus dem Jahr 2007 von über 20 Millionen Betroffenen, dennoch ist der Begriff Klimaflüchtling rechtlich noch undefiniert. Laut Genfer Flüchtlingskonvention wird nur die Verfolgung aus ethnischen, religiösen und politischen Flüchtlingen anerkannt – unter der Voraussetzung, dass dabei Landesgrenzen überschritten werden, ansonsten spricht man von „Vertriebenen“.

 



 

 

 



Beispiel Bangladesch

 

 



Ein Paradebeispiel für die offensichtlichen Auswirkungen des Klimawandels ist Bangladesch. Der südostasiatische Staat am Golf von Bengalen ist in vielfacher Hinsicht betroffen. Ganges, Brahmaputra und Meghna bilden eines der größten Flussdeltas der Welt und vor allem zu Zeit des Monsuns fließen enorme Mengen an Wasser durch das Land. Ganze 65 Prozent des Landes sind praktisch Überschwemmungsgebiet. ExpertInnen prognostizieren einen Anstieg des Meersspiegels von bis zu 88 cm bis zum Ende des 21. Jahrhunderts, in Bangladesch würde bereits ein Anstieg um 45 cm 5,5 Millionen Menschen zur Flucht zwingen. Das Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, galt noch vor einigen Jahren als globale Reiskammer. Das fragile Ökosystem und die ohnehin sehr empfindlichen Reispflanzen können den Überschwemmungen nicht stand halten. Die Ernte geht verloren, untergegangen in den Fluten und versalzt vom Meerwasser, das in das Delta gedrückt wird. Die Reisfelder mussten dem versalzenen Boden weichen, stattdessen gibt es unzählige Garnelenfarmen. Mit den Reisfeldern sind auch die Arbeitsplätze verschwunden. Um jetzt überleben zu können, gehen viele BengalInnen in den Sundarban, den größten Mangrovenwald der Erde, um Holz zu hacken oder in der Fischerei zu arbeiten. Aber auch dieses einzigartige Ökosystem leidet unter den Folgen der Versalzung. Staudämme am Oberlauf des Ganges verhindern den Zufluss von Süßwasser und auch der Zustrom von Menschen macht ihm zu schaffen.



Gerade zu paradox erscheint dann das Problem der zunehmenden Trockenheit im Norden des Landes. Außerhalb der Monsunphase sinkt die jährliche Menge an Niederschlag. Dürreperioden und der ständige Wassermangel machen eine landwirtschaftliche Nutzung des Landes schwierig, ja sogar beinahe unmöglich. In Folge der Trockenheit führen die Flüsse immer weniger Wasser und sind dadurch nicht mehr in der Lage, das Salzwasser, das aus dem Indischen Ozean ins Landesinnere fließt, aufzuhalten. Ein Teufelskreis, zu dem der trockene Norden zum Hauptrückzugsgebiet für die von Überflutungen betroffenen Menschen aus dem Süden wird.



Für ein bitterarmes Land wie Bangladesch ein weiteres Hindernis für seine Entwicklung.

 

 



 

 

 



Autorin: Martina Steger

 

 







Literaturquellen:



Silvia Feist (Hrsg.): Weltreporter berichten. Weltmacht Wasser. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2009

 

 



Internetquellen:



http://www.sueddeutsche.de/wissen/802/325667/text/



http://de.wikipedia.org/wiki/Bangladesch



http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/04/13.mondeText.artikel,a0045.idx,13



www.greenpeace.de/.../klimafluechtlinge_ignoriert_und_verleugnet/

 

 



(Stand 12.4.2010)

 

 



 

 

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