Zu Fuß – Geschichten über das Gehen

Gehen, schlendern, spazieren, flüchten, stolzieren,… in diesem Buch wird der natürlichsten menschlichen Fortbewegen – nämlich der auf zwei Beinen – eine Würdigung erwiesen. 21 Autorinnen und Autoren (be)schreiben verschiedene Aspekte rund um das Thema „Gehen“.

Andreas Obrecht, Kulturantropologe und Soziologe, sinniert über Modernität und Lebensräume in Laos, die nur zu Fuß zu erreichen sind. Gregor Sieböck, bekannt als der Weltenwanderer, beschreibt humorvoll und eindrücklich seinen dreijährigen Wanderweg von Bad Ischl nach Santiago de Compostela, über Patagonien und den Inkaweg letztlich nach Neuseeland. Er war aufgebrochen, um auf die Möglichkeiten eines nachhaltigen und ökologischen Lebensstils hinzuweisen und hat so immer mehr zu seinem eigenen Lebensweg gefunden. Die Bergbäuerin in Rente, Theresia Oblasser, erzählt lebendig über ihr Leben in den vierziger Jahren als Bergbauernmädchen in Salzburg, wo alle Wege zu Fuß erledigt wurden. Ob in die Schule, ins Kino oder zu den Nachbarskindern, bedeutete dies damals mehrstündige Wanderungen durch die Natur. Abdul Rahman Kakar wiederum berichtet über den beschwerlichen Weg über die Berge Irans und der Türkei, die Verfolgungsjagden in der Kälte und die wärmende Solidarität der anderen Flüchtlinge. Er ist Asylwerber und kam im Winter 2008 zu Fuß, mit Taxi und LKW, Schiff und Pferd aus Afghanistan nach Österreich. In einem Interview plaudert der blinde Bergsteiger Andy Holzer über seine Motivation und Fähigkeiten, mehrwöchige Bergtouren auf die höchsten Berge der Welt durchzuführen. Das Gehen auch auf den nachhaltigen Tourismus positive Auswirklungen hat, erklärt Christoph Madl, Geschäftsführer der NÖ-Werbung. Und Hermann Knoflacher, Professor für Verkehrsplanung, erläutert, „Der Fußgeher ist aber der sicherste, ökologisch und sozial verträglichste, flexibelste und daher auch ökonomisch effizienteste Verkehrsteilnehmer.“ Robert Sommer, Redakteur der Obdachlosenzeitung „Augustin“ widmet sich in seinem Artikel den Stadtstreichern und Vagabunden. Die Ordensschwester Nicodema Reithofer und der Coach Michael J. Toppelreiter berichten über ihre verschiedenen Erfahrungen am Jakobsweg, die Schuhmacherin Bernadette Hehenberger begibt sich literarisch auf Wanderschaft. Viele weitere Beiträge machen aufmerksam auf Aspekte des Gehens: die Geh-Entwicklung bei Kleinkindern von Brigitte Baldrian-Altmann und das 10.000-Schritte-Programm von Rudolf Nagiller sind zwei weitere Beispiele.

Ein unterhaltsames und schönes Buch, das in diesem alltäglichen Aspekt unseres Lebens – dem zu Fuß gehen – Nachhaltigkeit, Würde und Schönheit findet.

Autorin: Renate Sova

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