Ecuador: Regierung unterzeichnet Yasuní-Abkommen

Nach jahrelangen Verhandlungen auf lokaler wie internationaler Ebene hat die Regierung Ecuadors am 3. August 2010 das Yasuní-ITT-Abkommen mit der Organisation der Vereinten Nationen unterzeichnet. Damit verzichtet zum ersten Mal in der Geschichte ein Staat freiwillig auf die Förderung von fossilen Brennstoffen. Der Erfolg des Projekts ist jedoch noch keineswegs gesichert.

www.pixelio.de (c) Hasan Anac

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Der Yasuní-Nationalpark im nordwestlichen Amazonas-Gebiet mit einer Fläche von 9.820 km² gilt als einer der Orte mit der größten Artenvielfalt weltweit und wurde 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Der Nationalpark ist das traditionelle Stammesgebiet der Huaorani und Rückzugsgebiet zweier weiterer Stämme, der Tagaeri und der Taroemanane, die in freiwilliger Isolation vor der „westlichen Zivilisation“ leben. Alle drei Stämme sind bereits durch die illegale Holzmafia bedroht. Eine Erschließung des Gebiets durch internationale Ölförderfirmen würde für sie wahrscheinlich den Untergang bedeuten. Die Rechte und das Überleben der indigenen Bevölkerung sowie die Erhaltung der einmaligen Artenvielfalt sind die wichtigsten Gründe dafür, das Yasuní-Gebiet unangetastet zu lassen.


Die Yasuní-ITT-Initiative läuft darauf hinaus, dass das größte unerschlossene Ölvorkommen von Ecuador, Ishpingo Tambococha Tiputini (ITT) mit einer geschätzten knappen Milliarde Barrel Rohöl, für immer im Boden bleibt. Neben dem Erhalt des außerordentlichen Reichtums an biologischen Arten soll durch diese Initiative außerdem verhindert werden, dass rund 400 Millionen Tonnen CO2-Emissionen in die Erdatmosphäre gelangen. So stellt dieses Projekt auch einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel dar.

 

Internationaler Ausgleichsbeitrag gefordert


Als Gegenleistung für den Verzicht auf die Förderung des fossilen Brennstoffs im Gebiet des Yasuní-Nationalparks verlangt die Regierung Ecuadors einen internationalen solidarischen Ausgleichsbeitrag von Regierungen und privaten Gebern in Höhe von 350 Mio. US-Dollar pro Jahr für die kommenden zehn Jahre. Diese Summe entspricht in etwa 50% der Exporteinnahmen, die Ecuador durch den Verzicht auf die Erdölförderung entgehen. Die Geldmittel sollen in einen von der UNDP geschaffenen und verwalteten Treuhandfonds fließen und für Investitionen in den Bereichen erneurbare Energie, saubere Energiequellen, Wiederaufforstung und Sozialprojekte zur Verfügung gestellt werden.


Die Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Spaniens, Belgiens und Schwedens haben im Rahmen des „Klimabündnisses Europa“ im Februar 2010 ihre Bereitschaft zu Ausgleichszahlungen für die Rettung des Yasuní-Nationalparks in Form einer Unterstützungserklärung angekündigt. Österreich hat sich im Gegensatz dazu noch nicht engagiert.
Trotz der Unterzeichnung des Abkommens durch die ecuadorianische Regierung ist die erfolgreiche Durchführung des Projekts noch nicht gesichert. Ecuador kann jederzeit aus dem Vertrag aussteigen, sollten die vereinbarten Geldmittel nicht eintreffen. Präsident Correa erwartet Zahlungen in Höhe von 100 Mio. US-Dollar innerhalb der nächsten 18 Monate. Sollte es der internationalen Gemeinschaft nicht gelingen, diese Summe aufzustellen, könnte die Yasuní-ITT-Initiative trotz aller bisherigen Teilerfolge scheitern.


Marisa Vojta, 12.09.2010

 

Quellen:

http://alainet.org/active/40679⟨=es
http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Yasun%C3%AD
http://de.wikipedia.org/wiki/Yasun%C3%AD-ITT-Initiative
http://derstandard.at/1263706654930/Unterstuetzungserklaerung-fuer-Yasuni-Nationalpark
http://www.klimabuendnis.at/start.asp?ID=231852&b2=703
http://amerika21.de/meldung/2010/08/7430/itt-yasuni-vertrag
 

Foto:

(c) Hasan Anac http://www.pixelio.de/details.php?image_id=441008

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