Der Preis fürs Überleben

Wer kennt schon den „Right Livelihood Award“, also den „Preis für die richtige Lebensweise“? Viel bekannter ist da schon die Bezeichnung „Alternativer Nobelpreis“, die sich seit langem in der Öffentlichkeit durchgesetzt hat und wesentlich zu seiner Popularisierung beigetragen hat. Das Buch dazu ist überarbeitet und wurde neu aufgelegt.

Erstmals ist der Alternative Nobelpreis (AN) vor 30 Jahren, im Herbst des Jahres 1980 vergeben worden. Ausgezeichnet werden Mensch bzw. Organisationen, die praktikable Lösungen zu drängenden Problemen gefunden haben und dabei sind diese auch umzusetzen, aber vielfach „nicht ernst genommen werden“, wie es Jakob von Uexküll formuliert. Der schwedisch-deutsche professionelle Briefmarkensammler und Journalist hat den Preis gestiftet, nachdem er einen Teil seiner wertvollsten Briefmarken verkauft und das Nobelkomitee seinen Vorschlag abgelehnt hatte, künftig auch einen Nobelpreis für Ökologie und Entwicklung zu vergeben, den Uexküll ohnehin finanziert hätte.
Das im oekom-Verlag kürzlich in 3. überarbeiteter Auflage erschienene Buch trägt im Übertitel „Projekte der Hoffnung“ und im Untertitel „Ausblicke auf eine andere Globalisierung“ zwei der wesentlichsten Perspektiven des AN Rechnung. Anders als der große Stiefbruder kennt der AN keine strengen Kategorien. Entsprechend vielfältig sind die Persönlichkeiten und deren Wirken, denen das Buch gewidmet ist. Neben 18 Kurzportraits der AN-Preisträger kommen diese vor allem direkt zu Wort: entweder in persönlich verfassten Artikeln oder in Interviews.
Die Palette reicht vom norwegischen Konfliktforscher Johann Galtung über die indische Umweltschützerin und Bürgerrechlerin Vandana Shiva bis zur aus Schweden stammenden Linguistin und Zivilisationskritikerin Helena Norberg-Hodge, die vor allem für ihr Engagement im nordindischen Ladakh bekannt geworden ist. Zu Wort kommen aber etwa auch Tapio Mattlar, der für das von ihm initiierte Netzwerk finnischer Dörfer ausgezeichnet wurde und die kenianische Ökologin Wangari Maathai, die Gründerin des „Greenbelt Movements“. Maathai ist bisher die einzige Persönlichkeit die nach dem AN 1984 inzwischen auch mit dem traditionellen Nobelpreis (2004) ausgezeichnet worden ist.
Ein Vorwort der beiden Herausgeber und ein Nachwort von Jakob von Uexküll runden das lesenswerte Buch ab.
Keinen Vorwurf kann man den Herausgebern machen, dass die Preisträger des Jahres 2010 nicht mehr im Buch vorkommen, unter ihnen bekanntlich Erwin Kräutler, der aus Vorarlberg stammenden Bischof der brasilianischen Provinz Xingu.
Kritisch ist es allerdings anzumerken, wenn ein Buch, das ausdrücklich mit „30 Jahre Alternativer Nobelpreis“ wirbt, keine zusammenfassende Darstellung der weit über 100 bisherigen PreisträgerInnen enthält. Ein Mangel ist auch, dass die Zusammensetzung der AN-Jury ebenso wenig Erwähnung findet, wie die Höhe des Preisgelds von rund 200.000 Euro, die unter den jährlich drei bis vier PreisträgerInnen aufgeteilt werden.
Manchen Texten merkt man auch an, dass sie nicht mehr ganz taufrisch sind, weil sie überwiegend im Kontext einer Konferenz von AN-PreisträgerInnen entstanden sind, die bereits 2005 stattgefunden hat.

 

Autor: Hannes Schlosser

 

Peter Erlenwein, Geseko von Lüpke: Projekte der Hoffnung - Der Alternative Nobelpreis: Ausblicke auf eine andere Globalisierung; 230 Seiten, oekom verlag; 3. überarbeitete Auflage, München 2010; ISBN-13: 978-3-86581-192-9, 20,40 Euro

 

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