HIV/Aids: Die Krankheit der Frauen?!

52 Prozent der weltweit mit HIV infizierten Menschen sind Frauen. Im subsaharischen Afrika liegt der Anteil der Frauen sogar bei 60 Prozent. Die höhere Betroffenheit der Frauen von HIV/Aids ist klar zu erkennen. Ursachen dafür sind die spärliche Anerkennung ihrer Rechte und (sexuelle) Gewalt.

www.pixelio.de (c) Marcel Rolfes

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Der aktuelle Bericht der „Commission on the Status of Women“ fokussiert diese Feminisierung von HIV/Aids und weist auf die Notwendigkeit der Anerkennung derselben hin: HIV/Aids stellt die führende Todesursache für Frauen im reproduktiven Alter (15 bis 49 Jahre) dar.
Vor allem im subsaharischen Afrika, wo generell eine hohe HIV/Aids-Rate anzutreffen ist, sind Frauen zwischen 15 und 24 acht mal häufiger betroffen als Männer. Auch in der Karibik und Asien sind ähnliche Zahlen zu finden. In Europa hingegen ist eine höhere Anzahl weiblicher Erkrankter eher selten.
Das weltweite Wissen über den Schutz vor HIV/Aids ist zudem sehr gering: Nur 34 Prozent der jungen Frauen und Männer wissen darüber Bescheid.

Gründe für die höhere Anzahl weiblicher Erkrankter
Anatomische bzw. biologische Veranlagungen führen zu einer generellen Benachteiligung der Frauen, da sie ein erhöhtes Ansteckungsrisiko aufweisen: So übertragen Männer die Krankheit bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr leichter auf Frauen als umgekehrt. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Frauen selbst bestimmen können, mit wem sie Sex haben, und dass ihnen ein Mitspracherecht bei der Verhütungsfrage eingeräumt wird.
In Europa und Asien ist der (intravenöse) Drogengebrauch bei der Ansteckung von zentraler Bedeutung. Nicht so in Afrika: Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist dort die Hauptursache. Auf Grund dessen ist die Aufklärung über die möglichen Schutzmaßnahmen während des Geschlechtsverkehrs von großer Bedeutung.
Die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit der Frauen von ihrem Partner oder einem anderen männlichen Familienangehörigen führen zudem zu einer geschlechtsspezifischen Diskriminierung und sozialen Ungleichheiten. Hinzu kommen Faktoren wie der Frauenhandel und der Sextourismus. Dies hindert die Frauen daran, ein selbstbestimmtes Sexualleben zu führen.
Polygame Lebensformen tragen ebenfalls zur schnelleren Verbreitung der Krankheit bei. Eine Verweigerung oder das Verlangen nach Kondomen beinhalten das Risiko, den Partner und somit auch die wirtschaftliche Absicherung zu verlieren. Auch sexuelle Übergriffe, welche selten mit der Verwendung von Kondomen einhergehen, tragen zur Verbreitung bei und können von den Frauen nicht verhindert werden. Die Frauen sind zudem meist mit der Versorgung der Erkrankten beauftragt. Ein Ausschluss aus dem Erwerbsleben und eine daraus resultierende zunehmende Abhängigkeit vom Mann gehen damit einher.
Die gesellschaftlich anerkannten Geschlechterrollen tragen folglich zu Verbreitung von HIV/Aids bei.

Die Millenniumsentwicklungsziele
Der Zugang zu HIV/Aids-Prävention, Behandlung und Pflege ist ein Menschenrecht. Die Einbettung der HIV/Aids-Interventionen in allgemeine Gesundheitsprogramme sind demnach ein wichtiger und notwendiger Schritt, um die Verbreitung einzudämmen. Dies wird auch in dem Millennium Development Goal (MDG) 6 (HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen: Die Ausbreitung von HIV/Aids soll zum Stillstand gebracht und zum Rückzug gezwungen werden) gefordert. Frauen muss in diesen Programmen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. So dürfen gesellschaftliche Ursachen für die starke Verbreitung der Krankheit unter Frauen nicht ignoriert, sondern sollen verändert werden. Auch ein Verständnis für den Zusammenhang zwischen Frauen, Armut und der daraus resultierenden, kaum vorhandenen Selbstbestimmung ist notwendig. Die Bereitstellung von Informationen als auch von den notwendigen Ressourcen, sowie der Zugang zu Bildung sind für die Eindämmung der Krankheit zentral.

Präventionsmaßnahmen und die Rolle der UNAIDS
Die Mitgliedsstaaten der UNAIDS haben die Notwendigkeit der Gender-Perspektive bereits (an)erkannt und verschiedene Methoden für die Umsetzung angestrebt. So haben die einen, wie beispielsweise Algerien, Deutschland und Paraguay, die Gleichheit der Geschlechter bereits in ihren Aktionsplänen verankert, während die anderen, wie etwa Japan oder Bosnien, noch an der Umsetzung arbeiten. Eine allgemeine Akzeptanz für die Thematik ist durchaus zu erkennen: 80 Prozent der Länder weltweit räumen Frauen einen besonderen Status bei der HIV/Aids-Aufklärung ein.
Diese Präventionsmaßnahmen haben auch schon erste Erfolge gezeigt: So ist die Zahl der Neuinfektionen seit 2001 gesunken. Nun gilt es diese Maßnahmen verstärkt auf die Anliegen der Frauen auszurichten und beispielsweise Schutzmaßnahmen zu entwickeln, die Frauen auch ohne Zustimmung des Mannes anwenden können. Mikrobizide, welche als Gels oder Cremes vaginal angewendet werden, können Frauen vor einer Ansteckung schützen. Allerdings sind die Forschungen in diesem Bereich noch nicht ganz ausgereift: Mikrobizide reduzieren zwar das Ansteckungsrisiko um ca. 40 Prozent, können eine Ansteckung aber noch nicht vollkommen verhindern und wurden bisher nur sehr spärlich getestet.
Ein zentrales Problemfeld bei der Umsetzung der Präventionsmaßnahmen ist außerdem, dass HIV/Aids immer mit dem sensiblen Themenfeld der Sexualität verknüpft ist. Die jeweilige Kultur und die damit verbundenen Traditionen können dabei nicht ausgeklammert werden.
Auch die Männer und ihr Rollenverständnis dürfen bei den Aufklärungsarbeiten nicht vernachlässigt werden. So müssen auch sie in die Programme zur Beseitigung von Stereotype eingebunden werden, wodurch vor allem sexuelle Übergriffe verhindert werden sollen.
Bis 2015 soll das MDG 6 umgesetzt werden. Die Aufklärungsmaßnahmen müssen folglich mit dem Zugang zu sexuellen Rechten der Frauen und der Erhöhung ihres rechtlichen, sozialen und ökonomischen Status einhergehen. Für die Selbstbestimmung der Frauen über ihr eigenes Sexualleben ist der Zugang zu Informationen, Verhütungsmitteln und die Förderung eines Lebens ohne Gewalt notwendig.

 

Autorin: Michaela Rappold

 

Quellen:


Dürr, Eva/Günther, Julia/Sterzinger, Lisa/Thallmayer, Claudia (2010): HIV/Aids und Frauen – Herausforderungen für die Entwicklungspolitik. WIDE: Wien.

United Nations Economic and Social Council (2011): Women, the girl child and HIV and Aids. http://www.un.org/Docs/journal/asp/ws.asp?m=E/CN.6/2011/7

Hanak, Ilse (1995): Frauen in Afrika ohne uns geht gar nichts! Brandes&Apsel: Frankfurt a. M.

http://www.naanoo.com/live/un-praventionsprogramme-im-kampf-gegen-aids-zahlen-sich-aus

http://www.aidshilfe.de/aktuelles/meldungen/hiv-report-der-deutschen-aids-hilfe-zu-mikrobiziden-erschienen

 

Foto: www.pixelio.de (c) Marcel Rolfes
 

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