Integration: Ein Begriff mit verschiedenen Bedeutungen

Integration ist zur Zeit in aller Munde, doch wer weiß wirklich, was das ist, welche Rahmenbedingungen gebraucht werden und wie der Arbeitsmarkt damit umgeht? In diesem Band setzen sich 15 AutorInnen wissenschaftlich mit dem Themenbereich auseinander.

So werden die verschiedenen Begriffe erklärt: Was gemeinhin als Integration bezeichnet wird, ist schlicht Anpassung oder Assimilation. Eine historische Einordnung von Migration nimmt Thomas Schmidinger vor und geht dabei bis ins Mittelalter zurück. Er behauptet, dass die ökonomische Entwicklung Österreichs ohne Migration nicht möglich gewesen wäre. Den Arbeitsmarkt beleuchten August Gächter und Bettina Haidinger: Welche Stellung haben ZuwandererInnen und ihre Nachkommen am Arbeitsmarkt und was haben MigrantInnen ohne Aufenthaltstitel für Möglichkeiten zu arbeiten? Spannende Auseinandersetzung mit den Bereichen Bildung und Spracherwerb bieten Angela Wroblewski und Barbara Herzog-Punzenberger. Ergänzend dazu befasst sich Verena Plutzar kritisch mit der aktuellen Sprachdebatte in Verbindung mit der Integrationsvereinbarung. Sie zeigt auf, dass Spracherwerb nicht so sehr in Deutschkursen als durch Kontakt mit der einheimischen, deutschsprachigen Bevölkerung funktioniert. Auch fehlen Anreize, Deutsch zu lernen, weil der Zugang zum Arbeitsmarkt trotz guter Sprachkenntnisse stark limitiert ist. Dass Sprache nicht immer der Schlüssel zur Integration ist, beweist die schwierige Situation der frankophonen MigrantInnen in Frankreich. Die Psychologin Ruth Kronsteiner analysiert Migration und Integration in erster Linie als psychischen Prozess. Auf die Ankunft im Aufnahmeland folgt eine „Migrationskrise“, die sie in drei Phasen teilt: Kulturschock, Deorganisation und schließlich – wenn es glückt – Reorganisation, also geglückte „Integration“ oder eben Rückkehr ins Heimatland. Albert Kraler setzt sich mit dem Thema Migration in der familiären Dimension auseinander und beleuchtet die rechtliche Situation seit den 1960er Jahren: Es zeigt sich, dass die aktuelle Politik mehr und mehr die Familienzusammenführung erschwert. Es finden sich weiters Beiträge von Sabine Aydt, Leo Baumfeld, Karin Bischof, Andrea Götzelmann, Brigitte Halbmayr, Bernhard Perchinig, Christoph Reinprecht und Franjo Steiner. Diese setzen sich u.a. mit der NGO-Landschaft auseinander, erklären weitere Begrifflichkeiten und stellen ein Konzept der „Gestaltungsmatrix“ als Instrument für die praktische Umsetzung von Integration auf kommunaler Ebene vor.
Das Buch ist spannend für all jene, die die oberflächliche, polemische Auseinandersetzung rund um Migration und Integration nicht unwidersprochen lassen wollen. Und auf Basis der hier präsentierten sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse kann der aktuellen fremdenfeindlichen Politik mit fundierten Wissen und sachlichen Argumenten begegnet werden.

 

Autorin: Renate Sova

 

Herbert Langthaler (Hg.); „Integration in Österreich. Sozialwissenschaftliche Befunde“, Innsbruck Studienverlag 2010, S. 232, € 26,90.

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