Philippinen: Wirtschaftskrise und Kinderarbeit

Die ILO warnt in ihrem jüngsten Bericht davor, dass die Wirtschaftskrise Kampagnen behindert, die sich gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft von Kindern richten. Am Beispiel Philippinen wird diese Auswirkung der Krise näher beleuchtet.

www.pixelio.de (c) Miroslaw

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Sie sind arm, meist in ländlichen Gegenden zuhause und sie setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel, um zum Unterhalt ihrer Familie beizutragen: Die Rede ist von Kindern, teilweise noch im Vorschulalter, die sich als Landarbeiter, Fischer, in Minen oder gar als Sklaven beziehungsweise in der Sexindustrie verdingen. Auf den Phillipinen, wo rund 2,4 Millionen Kinderarbeiter der weltweit 215 Millionen leben, hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) angesichts der Wirtschaftskrise die bestehenden Programme zur Bekämpfung der unter die Lupe genommen.
"Kinder, die neben der Schule arbeiten müssen, brechen ihre Ausbildung oft vorzeitig ab, den die Kinderarbeit verträgt sich nicht gut mit den Anforderungen des Lernens.“, so Jeff Johnson, Landesdirketor der ILO auf den Philippinen. Die Alltagsbedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, sei die Hauptanforderung, der die Kinder sich mangels anderer Alternativen stellen müssten. Die Rate der Schulabbrecher im Grundschulalter hat sich in dem ostasiatischen Inselstaat während der letzten drei Jahre sukzessive erhöht. Durchschnittlich 5,99 Prozent waren es in den Jahren 2007 bis 2008; im vergangenen Jahr ist der Prozentsatz auf 6,28 angestiegen.
Der Bericht der ILO über weltweite Kinderarbeit im Jahr 2010 belegt, dass diese zwar abnimmt, aber – bedingt durch die Wirtschaftskrise – viel langsamer als zuvor. Dem Ziel der Organisation, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit bis 2016 zu eliminieren, könnten auch die Auswirkungen der Krise im Weg stehen. Im vergangenen Jahr hat auch die phillipinische Regierung die Lage in einem Fortschrittsbericht der Milleniums Entwicklungsziele (MDGs) evaluiert und festgestellt, dass punkto Armutsbekämpfung und Zugang zu Schulbildung nach wie vor zuwenig geschieht.
Das Internationale Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit der ILO (IPEC) versucht betroffene Kinder, die sich in ihrem Arbeitsumfeld besonders gefährdet sind, zu helfen, indem sie die Eltern dabei unterstützt, alternative Einkommensquellen für die Familie zu finden. Rund 60 Prozent der Kinder sind in der Landwirtschaft erwerbstätig – daher arbeitet IPEC nun auch an der Umsetzung einer Schule im agrarisch geprägten Bukidnon. In Programmen wie diesem sieht Rodel Moroczo, der sich während seiner Kindheit als Minenarbeiter verdingen musste und es dank eines ILO-Stipendiums bis zum College-Abschluß geschafft hat: „Wenn wir es erlauben, dass die Kinder arbeiten, werden sie sich nicht weiter bilden.“

 

Beitrag bearbeitet von Therese Bauer am 18.4.2011

 


QUELLEN
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=55253
http://www.ilo.org/manila/info/public/pr/lang--en/WCMS_153901/index.htm
http://www.bukidnon.gov.ph/index.php?option=com_content&task=view&id=243&Itemid=321
 

 

Foto: www.pixelio.de, Miroslaw

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