Bananenterror in Kolumbien

Aus jüngst veröffentlichten Akten des Justizministeriums gehen schwerwiegende Vorwürfe gegen den US-Konzern Chiquita Brands International hervor. Laut ihnen soll der Bananenproduzent jahrzehntelang mit rechten Paramilitärs zusammengearbeitet haben und von den US-Behörden obendrein gedeckt worden sein.

www.pixelio.de (c) Rike

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Die Aufregung ins Rollen gebracht haben Forscher des National Security Archives, ein an die George Washington Universität angegliedertes Institut in der Bundeshauptstadt. Sie stießen im Zuge ihrer Forschungsarbeit über einen rund 5.500 Akte umfassenden Bericht eines Prozesses gegen Chiquita.

Schutzgeldzahlungen
Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen beschuldigt, Zahlungen an den kolumbianischen Dachverband der Paramilitärs AUC getätigt zu haben. Kurzzeitig soll auch Geld an linke Guerilla-Organisationen geflossen sein. Fernab der Öffentlichkeit, hatte sich Chiquita mit dem Justizministerium damals auf eine Strafe von 25 Millionen US-Dollar geeinigt. Am Ende des vierjährigen Prozesses hatten die Behörden die Darstellung des Konzerns akzeptiert: Laut dieser sei Chiquita zu den Schutzgeldzahlungen genötigt worden.

Neue Erkenntnisse
Die Akten, die nun den Forscher des NSA in die Hände fielen, beweisen allerdings das Gegenteil. Aus ihnen geht hervor, dass die Paramilitärs nicht nur bezahlt wurden, um für Sicherheit auf den Plantagen von Chiquita und dessen Tochterunternehmen zu sorgen, sondern auch um Angst unter Gewerkschaften zu schüren und deren Tätigkeiten niederzuschlagen. Ein Fakt, den die US-Behörden beim Prozess unberücksichtigt lassen - wollten?
In Chiquitas firmeninternen Dokumenten, die den jetzt veröffentlichten Justizakten beiliegen, ist gar die Rede von "delikaten Zahlungen", welche man in den Bilanzen verschleiern müsse.

Diplomatische Auswirkungen
Ob sich aus diesen Erkenntnissen Spannungen zwischen den USA und Kolumbien ergeben, bleibt abzuwarten. Pikantes Detail: Die von den USA als Terrororganisation eingestuften Rebellen der AUC, wurden über legale Bürgerwehren finanziert. Diese sogenannten "Convivirs" waren vom späteren kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe ins Leben gerufen worden. Des Weiteren bestätigen die Prozess-Dokumente, dass Convivir-Verbände auch von staatlichen Militärbasen aus operierten.

Kritik in der Vergangenheit
Schon zuvor musste sich Chiquita Brands International scharfer Kritik aussetzen, die Liste der Anklagepunkte reicht von Ausbeutung über Kinderarbeit bis hin zu sexueller Belästigung auf den Plantagen. Außerdem sollen hier wissentlich lebensgefährliche Pflanzengifte zum Einsatz gekommen sein, welche Anfang der 1990er Jahre mehrere Arbeiter das Leben kosteten. Das Trinkwasser, mit dem die Arbeiter versorgt werden, soll verschmutzt sein und gewerkschaftliche Aktivitäten wusste der Konzern in der Vergangenheit ebenfalls im Keim zu ersticken.

 

Beitrag bearbeitet von Markus Schönherr, 20.4.2011

Quelle:

http://amerika21.de/nachrichten/2011/04/28293/terror-chiquita-bananen
 

 

Foto: www.pixelio.de (c) Rike

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