Kolumbien: Historische Landreform beschlossen

Das kolumbianische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das einer Landreform den Weg ebnen könnte: Demnach sollen vertriebene BäuerInnen ihr Land zurückerhalten. Das berichtete CNN Online am 25. Mai 2011.

(c) tercerainformacion.es

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Es war bereits Nacht, als die Regierung in Bogotá den lange aufgeschobenen Beschluss verabschiedete: Das neue Gesetz soll jene BäuerInnen entschädigen, die in den Jahren während der Konflikte zwischen der Guerilla, dem staatlichen Heer und Paramilitärs von ihrem Land vertrieben wurden. CNN berichtete von „Rücksiedelung“ und in manchen Fällen auch von einer „Rückgabe von Land“.
Präsident Manuel Santos lobte den Entschluss als „historisch“ und gratulierte all denjenigen, die in den Prozess involviert waren. Bereits früher hatte sich Santos für das Gesetz stark gemacht. Er hatte in einer Rede, die [seelische] Heilung Kolumbiens mit dem Gesetz verbunden.
Ähnlich die Aussage seines Regierungskollegen, Landwirtschaftsminister Juan Camilo Restrepo Salazar: „Anhaltender Frieden, so wurde schon immer gesagt, wird erst durch die Beilegung der Landkonflikte eintreten (…). Heute haben wir einen entscheidenden Schritt in diese Richtung gemacht.“

Schwieriger Prozess
Trotz der überaus positiven Worte der Regierung, dürfte sich der Prozess der Rücksiedelung schwierig gestalten. In vielen Fällen besetzte die Gurillaorganisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) die Dörfer und wurde anschließend von den Paramilitärs vertrieben – samt den eigentlichen BewohnerInnen, die dadurch ihren Besitz verloren. Das gewaltsam angeeignete Land verkauften die Paramilitärs weiter. Etwa an Großgrundbesitzer oder andere dritte Parteien, berichtet Adam Isacson, Mitarbeiter beim Washington Office on Latin Amerika, einer regionalen NGO. Diese Tatsache verkomplizierte die Landrückgabe.

Der kolumbianische Radiosender Caracol teilte mit, es gäbe verschiedene Arten und Stufungen von symbolischen und wirtschaftlichen Wiedergutmachungen. Diese richten sich nach den konkreten Umständen und dem Zeitpunkt der Enteignung. Das Restitutionsgesetz erlaubt es vertriebenen Menschen nun erstmals, einen offiziellen Antrag an die Behörden zu stellen, um ihren Verlust zumindest ansatzweise rückvergütet zu bekommen.

Kampf der Ideologien
Hintergrund des jüngsten Parlamentsurteils ist der nunmehr 40 Jahre andauernde bewaffnete Konflikt in Kolumbien, dem bisher 200.000 Menschen zum Opfer fielen. Die Hauptakteure setzen sich zusammen aus der linken FARC-Guerilla, den rechten Paramilitärs und der staatlichen Armee.
Die FARC hatte es sich 1964 zum Ziel gesetzt, Kolumbiens elitäre Herrscherschicht zu stürzen. Der Marxismus dient dabei als Ideologie. Ihre Angriffe richten sich gegen staatliche Einrichtungen – was wiederum den Zorn von Nationalisten heraufbeschwor: 1997 schlossen sich rechte Paramilitärs unter einem Dachverband, den Vereinigten Bürgerwehren Kolumbiens (AUC), zusammen und sagten der radikal-oppositionellen FARC den Kampf an. So stehen sich in Kolumbien die verschiedensten Ideologien gegenüber.

Beitrag bearbeitet von Markus Schönherr, 30.05.2011

 

Weiterführende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bewaffneter_Konflikt_in_Kolumbien
http://www.welt.de/print-wams/article131319/Kolumbiens_vergessener_Krieg.html
http://www.farc.de/


Quellen:
http://edition.cnn.com/2011/WORLD/americas/05/25/colombia.victims.law/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Autodefensas_Unidas_de_Colombia
http://de.wikipedia.org/wiki/FARC
http://de.wikipedia.org/wiki/Bewaffneter_Konflikt_in_Kolumbien
 

Fotocredits: wikimedia (c) tercerainformacion.es

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