Johanna Doderer: Der leuchtende Fluss

Oper in drei Akten
Quinton/Galileio Mundi
*** + 1/2

Die Oper „Der leuchtende Fluss“ der Österreicherin Johanna Doderer (Libretto: Wolfgang Hermann) handelt vom Leben des nordamerikanischen Indigenen Ira Hayes. Wir alle kennen Hayes, die meisten freilich ohne es zu wissen.

Ira Hayes ist auf dem berühmten Foto von Joe Rosenthal aus dem 2. Weltkrieg abgebildet, das ihn mit vier weiteren Soldaten zeigt, wie sie eine US-amerikanische Flagge auf der eroberten japanischen Insel Iwojima aufstellen („Raising the Flag on Iwo Jima“; Hays ist der erste von links). Hays stammt aus dem Stamm der Pima in Arizona. Die Pima litten schwer darunter, dass ihnen die Behörden den Zugang zum nahe gelegenen Fluss verweigerten. Akt 1 der Oper schildert die daraus resultierenden Folgen im Reservat (u. a. Alkoholismus und Prostitution). Die verzweifelte Situation brachte es mit sich, dass sich Pima-Männer absurderweise für den bewaffneten Kampf für ein Land meldeten, welches ihnen selbst alles geraubt hatte. Der zweiten Akt handelt vom mörderischen Kampf auf Iwojima, bei dem fast die gesamte US-amerikanische Einheit getötet wurde und leitet über zur Propaganda-Abteilung, die Ira Hayes aufgrund seiner Bekanntheit wegen des berühmten Fotos auf Werbetour für Kriegsanliehen durch die Staaten schickte. Der letzte Akt beschreibt Hayes Auftreten vor der Presse, seine Gewissenskonflikte, die Flucht in den Alkohol und erfindet seinen Ehren-Tod durch einen Schuss eines Polizeibeamten bei einem Konflikt ums Wasser. (Tatsächlich starb der schwere Alkoholiker Hayes mit 32 nach einem Trinkgelage an seinem eigenem Erbrochen bzw. wurde dort von einem anderen Pima umgebracht; da es nie ein Obduktion gab wurde das nie endgültig geklärt).
Johanna Doderer kombiniert die Lebensgeschichte Ira Hays mit dem indianischen Mythos des Gelben Flusses, den sie in der Originalsprache einfließen lässt. Musikalisch bedient sie sich, sehr facettenreich und zitier-freudig der Sprache der Spätromantik und (moderaten) Moderne. Auf Experimente verzichtet sie weitgehend. Das macht den „Leuchtende Fluss“ sehr gefällig, bringt aber kaum musikalische Höhepunkte. Diese sind auch inhaltlich schwer auszumachen. Eine stringente Handlung fehlt und die Nebenstränge sind schwach ausgearbeitet, also mehr versickerndes des Rinnsal denn Leuchtender Fluss. So pointierte Szenen wie jene im dritten Akt (5. Szene), in der eine Militär Hayes seine Texte für die Propaganda-Auftritte mit Rokoko-Anleihen nachplappern lässt, findet man in der Oper leider viel zu selten.

Hörbeispiele und weiter Infos zu „Der leuchtende Fluss“ finden sie hier.
 

Besetzung:
John Bellemer (Tenor)
Marisca Mulder (Sophran)
Florian Götz (Bariton)
Peter Schöne (Bariton)
Stéphanie Müther (Mezzosophran)


Autor: Thomas Divis

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*                   no!
**                 lauwarm
***               Yin/Yang
****             ziemlich gut
*****           wir empfehlen aus- & nachdrücklich

 

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