Lateinamerika bleibt gefährlichste Region der Welt für JournalistInnen

Im Jahr 2011 kamen 41 JournalistInnen in 13 lateinamerikanischen Ländern gewaltsam ums Leben. Weltweit waren es 103. Im Vorjahr wurden 40 getötete JournalistInnen in sechs lateinamerikanischen Ländern gezählt.

© Gabi Eder / pixelio.de

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Diese traurige Bilanz veröffentlichte im Jänner die Comisión Investigadora de Atentados a Periodistas (CIAP), die zur Federación Latinoamericana de Periodistas (Felap) gehört und in der mehr als 80.000 JournalistInnen dieser Region zusammengeschlossen sind.

Die mexikanische Nachrichtenagentur Notimex schreibt zu dem Thema: „JournalistInnen und Kameraleute waren vielen Gefahren ausgesetzt. Die einen wurden von Naturkatastrophen überrascht oder waren vor Ort, als Bomben explodierten, die meisten jedoch starben, als sie Korruptionsfälle oder andere illegale Aktivitäten recherchierten und aufdeckten.“ Insbesondere in Brasilien, Honduras und Mexiko verschärfte sich die Gewalt gegen JournalistInnen.

Honduras und Mexiko
Während in Honduras die Morde an JournalistInnen eher politisch motiviert sind, weil sie in Zusammenhang mit der Präsidentschaft Porfirio Lobos stehen, der durch den Sturz Manuel Zelayas an die Macht kam, ist es in Mexiko eher die Mafia, die für Anschläge an JournalistInnen verantwortlich ist. In beiden Ländern scheinen aber weder Exekutive, noch die Justiz ein besonderes Interesse daran zu haben, die Morde aufzuklären, oder Maßnahmen zum Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit zu setzen.
Der mexikanische Kolumnist Salvador Camarena schrieb im September 2011: „Der Knebel des Terrors, den die kriminellen Verbindungen in den Küstenregionen walten lassen, bringt die Zeitungen, Radios und TV-Stationen zum Schweigen und wird jetzt auch schon im Internet und den sozialen Netzwerken spürbar.“

Chile
Auch in Chile, wo heute die politischen Erben Pinochets regieren, ist die Situation kritisch. Im Oktober des Vorjahres hat die Vereinigung der AuslandskorrespondentInnen in Chile, die Asociación de Corresponsales de la Prensa Exterior, der Regierung gegenüber „…ihr tiefe Besorgnis aufgrund der permanenten Attacken in den letzten Jahren auf die Presse- und Meinungsfreiheit durch die Carabineros [Militärpolizei]…“ ausgedrückt.
Im Bezug auf die häufigen StudentInnenproteste seien FotografInnen und JournalistInnen der DPA, IPS, Reuters, EFE, Xinhua und andere Medien und Agenturen angegriffen und seit 2010 immer öfter von der Polizei festgenommen worden.
„Die Asociación de Corresponsales de la Prensa Exterior stellt sich auch deutlich gegen die Absicht der Regierung des Präsidenten Sebastián Piñera die Presse zu zwingen der Polizei ohne gesetzliche Verfügung Zutritt zu ihren Archiven zu gewähren.“ JournalistInnen und FotografInnen internationaler Medien seien während der Demonstrationen geschlagen und ihrer Ausrüstung beraubt worden. Fotos wurden gelöscht.
Einen ganz konkreten Fall erlebte Ernesto Carmona von CIAP-Felap, der die Verhaftung des chilenischen Journalisten Raúl Flores Castillo meldete, als dieser am 08.09.2011 festgenommen wurde, als er gerade von einem Studierendenprotest in Santiago berichtete. Die Polizei löschte seine Aufnahmen. Flores wurde schließlich durch Interventionen von den LeiterInnen der JournalistInnenschule, Colegio de Periodistas, „befreit“.

USA
Auch in New York kam es zu ähnlichen Vorfällen, wie die Associated Press (AP) am 15.11.2011 schrieb: „JournalistInnen, die von einem Polizeieinsatz im Zuge der Occupy Bewegung auf der Wall Street berichteten, wurden vom Ort des Geschehens ferngehalten und einige von ihnen festgenommen und mit Polizeibussen abtransportiert.“

Beitrag übersetzt und bearbeitet am 27.01.2012

Quelle: Hernán Uribe, Präsident von CIAP, http://alainet.org/active/52028, 11.01.2012
Zum Weiterlesen: http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2011


 

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