Simbabwe: Landreform ging nach hinten los

Sie waren als Geniestreich gedacht, um die Spuren des Kolonialismus endgültig auszuradieren: Robert Mugabes Landreformen, bei denen Simbabwes Langzeit-Machthaber Land von Weißen beschlagnahmen ließ. Die Enteignungen begannen 1990. Mehr als zwanzig Jahre später ist das Land erfolgreich umverteilt – doch die Wirtschaft leidet.

© kathy1976  / pixelio.de

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Die südafrikanische Tageszeitung New Age berichtete am Montag, dem 30.1.2012, die Produktion aus der Landwirtschaft habe einen historischen Tiefpunkt erreicht. Demnach brachten Simbabwes Farmen letztes Jahr die geringsten Erträge seit der Unabhängigkeit 1980. Der Bierkonsum floriere hingegen: 2011 sollen SimbabwerInnen 1,67 Millionen Hektoliter getrunken haben, was laut der Zeitung auf eine konsum-orientierte Gesellschaft hindeute.

Von Importen abhängig
Simbabwe war einst als „Brotkorb Afrikas“ bekannt und exportierte seinen Überschuss an Getreide in die Nachbarländer. Heute kann der Staat seine eigene Bevölkerung nur noch schwer ernähren. Getreide und die meisten Früchte werden größtenteils aus dem angrenzenden Sambia eingeführt, dessen Landwirtschaft blüht. Zudem bemängeln Agrar-ExpertenInnen, würden Bäuerinnen und Bauern die falschen Pflanzen anbauen. Die Anbaufläche von Mais, der den Großteil des Volks ernährt, ist in den letzten Jahren um 31% zurückgegangen, wohingegen günstigeres Getreide um 160% nach oben geschnellt ist. Andere KritikerInnen sehen die Ursachen der problematische Lage der Landwirtschaft in der schlechten Verwaltung oder in Mugabes Landreformen, durch die in den letzten zwei Dekaden Tausende Bauernfamilien von ihrem Land vertrieben wurden.

Mugabe und die „Handy-Farmer“
Ihnen folgte scharenweise jene Landbesitzer, die man später als „Handy- oder Wochenend-Farmer“ bezeichnen sollte: StädterInnen, die ihr Land über das Telefon verwalten – wenn überhaupt. In vielen Fällen hatte Mugabe auch Land an MinisterInnen, PolizeichefInnen, Familienmitglieder und Freunde verteilt. MitstreiterInnen in seiner antikolonialen Revolution wurden ebenfalls mit Land entlohnt. Mugabe und seine Vertrauten besitzen heute rund 40% an Farmland.

Zwangsenteignungen
Farmen, die nicht an SympathisantInnen weitergegeben wurden, teilte man in mehrere Parzellen auf und bewirtschaftet sie bis heute als Kommunal-Betriebe. Bis zu Beginn der 90er Jahre hatte die Regierung dabei auf das Prinzip „willing buyer – willing seller“ gesetzt. Die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien und die USA unterstützten die Landkäufe teils zu 50%. Als die Subventionen ab 1992 ausblieben, änderte sich die Strategie jedoch. Zwangsenteignungen wurden immer häufiger. Während Mugabe treue Paramilitärs Farmen besetzten und die BesitzerInnen vertrieben, wurden ausländische LandeignerInnen per Brief informiert, dass aufgrund der politischen Verhältnisse im Staat ihr Land enteignet werde und sie innerhalb von dreißig Tagen Widerspruch einlegen können.
Heute funktionieren die meisten Farmen nur noch als Subsistenzwirtschaft. Der Ertrag reicht ausschließlich, um die Bauernfamilien zu ernähren.

Beitrag bearbeitet von Markus Schönherr, 02.02.2012, Kapstadt
Bildquelle: kathy1976 / pixelio.de

Weiterführende Links:
Artikel der aus New Age

Artikel aus der International Business Times

Artikel aus dem Guardian

Wikipedia: Landreform in Simbabwe

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