Asien: Rasch alternde Bevölkerung wird zur Herausforderung

Laut Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik der Vereinten Nationen (UNESCAP) wird 2050 jeder vierte Mensch in Asien 60 Jahre oder älter sein; 2010 war es nur jeder Zehnte. Dieser demografische Trend bringt viele Herausforderungen mit sich, warnen ExpertInnen.

“Asiatische Länder, abgesehen von Japan, müssen jetzt zu planen beginnen. Das Alter ihrer Bevölkerungen ist schneller gewachsen als ihre Ökonomien.“, so Somnath Chatterji von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). “China und Indien werden in absoluten Zahlen eindeutig die Länder mit den meisten Menschen über 60 Jahren sein. Aber die chinesische Bevölkerung wird wegen der Ein-Kind-Politik schneller altern als die indische“, schätzt der Experte.

Die Regierungen der zwei bevölkerungsreichsten asiatischen Staaten prognostizierten gegenüber der UN, dass die Zahl der über 60jährigen im Zeitraum von 2010 bis 2050 in China von 165 auf 439 Millionen und in Indien von 93 auf 323 Millionen anwachse. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Zahl der indischen Gesamtbevölkerung, die der chinesischen übertreffen wird.

Philip Guest, Leiter des UN-Bevölkerungsfonds in Süd- und Südostasien (UNFPA), befürchtet gegenüber der Nachrichtenagentur IRIN, dass dieser Alterungs-Trend die Entwicklungsländer der Region „ernsthaft“ schaden könnte. Berichten von UNFPA zufolge wird in Bangladesch die Zahl der Über-60jährigen am stärksten, nämlich um ein Vierfaches, ansteigen: von 6,6% der Gesamtbevölkerung im Jahr 2010, sollen es 2050 schon 22,5% sein.

Von IRIN befragte ExpertInnen sehen in den Pensionssystemen und der Gesundheit die größten Herausforderungen, die aus diesen Entwicklungen in den Ländern der Region entstehen werden.
Anstellungsverhältnisse im formalen Sektor sind die Vorraussetzung für Pension und Sozialversicherung – in Asien sind die meisten Menschen allerdings im informellen Sektor beschäftigt. Altersbedingte Armut droht sich auszubreiten.
Weil die Menschen immer älter werden, werden auch chronische und altersbedingte Krankheiten immer mehr. Neben Altersschwäche steigt, zum Beispiel, die Anzahl der Demenzkranken im asiatischen und pazifischen Raum: laut Schätzungen der britischen NGO, Alzheimer’s Disease International (ADI), von 14 Millionen im Jahr 2005 auf 65 Millionen im Jahr 2050. Auch Depressionen würden Somnath Chatterji zufolge bei älteren Menschen immer häufiger. ExpertInnen führen bei Menschen, die im Alter weniger aktiv werden, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und einen Mangel an Selbstwert als Gründe für Depressionen und eine schlechte geistige Verfassung an. Wichtig, um dem entgegenzusteuern wären gefestigte soziale Netzwerke, die aber auch immer fragiler werden. “Weil Familien immer kleiner werden und wegen der steigenden Migration vereinsamen älterer Menschen zusehends. Soziale Isolation wird ein großes Problem“ prognostiziert Chatterji.

Beitrag bearbeitet und übersetzt am 22.02.2012

Quelle: IRIN : http://www.irinnews.org/report.aspx?reportid=94856, 15.02.2012
 

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