UNESCO veröffentlicht Weltatlas zum Thema Gender-Gleichberechtigung und Bildung

Vor 20 Jahren konnte ein Mädchen aus Subsahara-Afrika eine Ausbildungsdauer von insgesamt ca. fünf Jahren erwarten, heute eine Zeit von ca. acht Jahren. Ein Junge in ihrem Alter darf allerdings mit einer zusätzlichen Ausbildungsdauer von 18 Monaten rechnen. Diese bemerkenswerten jedoch ungleichen Entwicklungen werden in einem Atlas vorgestellt, der von der UNESCO am 8. März, dem internationalen Frauentag 2012, herausgegeben wird.

Der World Atlas of Gender Equality in Education beinhaltet mehr als 120 Karten, Diagramme und Tabellen, die eine große Bandbreite von gender-relevanten Indikatoren darstellen, die vom Statistikinstitut der UNESCO ermittelt wurden. Dabei werden die Bildungswege von Mädchen und Jungen in Bezug auf Zugang, Teilnahme und Verlauf von der Vorschulausbildung bis hin zum Universitätslehrgang vorgestellt. Die Publikation zeigt auf, inwieweit sich die Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen seit 1970 verändert hat und wie diese von Faktoren wie etwa nationalem Wohlstand, geographischem Raum, Investitionen in Bildung oder Studien- bzw. Lehrfach beeinflusst wird.

Mädchen in allen Teilen der Welt haben, vor allem seit 1990, vom Zugang zu einer Grundausbildung profitiert. Zwei Drittel aller Länder weltweit haben Gender-Gleichstellung in der schulischen Primärstufe erlangt, aber der Zugang für Mädchen zur Sekundärstufe bleibt in vielen Regionen eine Herausforderung, speziell in den Subsahara-Ländern Afrikas sowie in Süd- und Westasien. Tendenziell erbringen Mädchen, die eine höhere Ausbildungsstufe erreichen, bessere Leistungen als die Jungen. Daraus resultiert ein signifikanter Anstieg des Frauenanteils in der Hochschulausbildung, vor allem in einkommensstarken Ländern, wo die Zahl der weiblichen Studierenden jene der männlichen übertrifft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich dadurch die Möglichkeiten der Frauen in Bezug auf Beschäftigung und Gehalt gleichermaßen verbessern.

Um diese Entwicklungen und Muster zu illustrieren, wird im UN-Atlas die school-life expectancy (SLE) von verschiedenen Regionen und Ländern aus der Gender-Perspektive vorgestellt. Diese spiegelt die durchschnittliche Schulzeit in Jahren wider, die ein Mädchen oder ein Junge zu erwarten hat. Schuljahre, die durch Wiederholen einer Klasse zustande kommen, sind in dieser Maßzahl inkludiert.

Die größten Fortschritte bezüglich einer Reduzierung der Gender-Ungleichheit in der SLE wurde in Süd- und Westasien erreicht, wo ein Mädchen heute eine Gesamtschulzeit von 9,5 Jahren erwarten kann, während diese 1990 noch sechs Jahre betrug. Allerdings sind Jungen mit einer SLE von 10,5 Jahren nach wie vor bevorzugt. Eine ähnliche Situation ist in Subsahara-Afrika sowie in den arabischen Staaten vorzufinden. Diese Werte sind aber regionalen Durchschnittswerte und verschleiern viele länder- oder lokalspezifische Unterschiede. Speziell in Ländern/Regionen mit schlechten Zugangsmöglichkeiten zu Bildungseinrichtungen oder hohen Dropout-Quoten wird Millionen Mädchen das Recht auf (Weiter)Bildung verwehrt.

In Ostasien und der Pazifikregion erhöhte sich die zu erwartende Schulzeit zwischen 1990 und 2009 um 38 Prozent. Mädchen, die nun mit der Ausbildung beginnen, können eine Ausbildungszeit von ca. 12 Jahren erwarten, die somit jene der Jungen leicht übertrifft. Dieses Muster trifft auch auf Lateinamerika und die Karibik-Region zu, wo eine Schulbeginnerin derzeit nahezu 14 Jahre Schulzeit und ihr männlicher Kollege 13,3 Jahren erwarten kann.

“Diese Daten reflektieren das Engagement der Regierungen und der internationalen Gemeinschaft Gender-Unterschiede in der Ausbildung zu schließen. Aber es existiert ein gravierender Unterschied zwischen numerischer Gender-Gleichheit und tatsächlicher Gendergleichberechtigung“ sagt Hendrik van der Pol, Direktor des UNESCO Statistikinstituts. „Wir mögen die gleiche Anzahl an Jungen und Mädchen in den Schulklassen haben, aber inwieweit werden beide Gruppen ermutigt – oder entmutigt – die Ausbildung fortzuführen und ihr Potenzial zu nutzen? Um besser zu verstehen, was Mädchen und Jungen in den Klassen lernen, entwickelt die UNESCO neue genderspezifische Wege, die Qualität von Ausbildung und deren Folgen für alle Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden zu messen.“
Der Atlas ist in Druckform auf Englisch, Französisch und Spanisch verfügbar und beinhaltet ein Online-Daten-Tool, das NutzerInnen ermöglicht, zeitliche Trends nachzuverfolgen, Karten zu bearbeiten und Daten zu exportieren. Dieser E-Atlas wird regelmäßig mit den neuesten, verfügbaren Daten des UNESCO Statistikinstitutes aktualisiert.

Beitrag übersetzt und bearbeitet von Alexander Trupp, 08.03.2012

Quelle:
UNESCO: http://www.unesco.org/new/en/media-services/single-view/news/unesco_launches_world_atlas_of_gender_equality_in_education
 

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