James Palmer: Der blutige weiße Baron

Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main, 379 S., geb.

Es ist wenig bekannt, dass der letzte mongolische Khan ein geborener Grazer war. Allerdings erinnert man sich in der Mongolei auch heute noch seiner unbeschreiblichen Grausamkeit, die er als überzeugter Antisemit, Antikommunist und Anhänger des kriegerischen Buddhismus vertrat und lebte.

„Der blutige weiße Baron“ ist die die erste Buchveröffentlichung des bisher als Reisejournalisten bekannten James Palmer. Er erzählt die vielen unbekannte Geschichte des 1885 in Graz in eine deutsch-estnische Familie geborenen Baron von Ungern-Sternberg, der dem fundamentalistischen Traum eines Großreiches, das von China bis zum Ural reicht, folgt. Das Buch schildert seinen militärischen Werdegang und seine Pläne von einem panmongolischen Reich. Von 1910 bis 1921 entwickelte sich Ungern vom einfachen, zaristischen Soldaten zum von Wahrsagerei besessenen Heerführer, der sich als Krieger-König und Nachfahre eines Dschingis Khan verstand und von dem sich sogar die Großmächte Russland und China kurzzeitig bedroht fühlten. Der Baron wird als fanatischer Antisemit, Kommunisten-Hasser, Rassist und Anhänger eines synkretischen Buddhismus dargestellt, der sowohl seinen Opfern als auch seinen eigenen Gefolgsleuten gegenüber unfassbar grausam gegenübersteht. Während seiner Terrorherrschaft ließ der Baron Menschen lebendig begraben, erdrosseln oder auch nackt auf zugefrorenen Seen aussetzen. Aspekte des Buddhismus werden in diesem Werk ganz anders dargestellt, als diese im Westen vielfach illustriert werden. Nicht friedliche Elemente, sondern kriegerische und blutrünstige wie etwa buddhistischen Dämonen, die genüsslich Sünder foltern oder Kriegsgötter, die sämtliche GegnerInnen des Buddhismus grausam abschlachten, von denen sich Ungern-Sternberg inspirieren lässt, werden im Buch abgehandelt. Palmer beeindruckt durch gut eingebautes Hintergrundwissen zu Sibirien, Mongolei und China und versteht es, eine grausame und rätselhafte Persönlichkeit spannend und seriös vorzustellen.

Autor: Alexander Trupp

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