Die wahre Geschichte der Olympischen Maskottchen Wenlock & Mandeville

Wenlock und Mandeville sind die offiziellen Maskottchen der in London stattfindenden Olympischen Spiele 2012 und der anschließenden Paralympics. Sie werden in den nächsten Wochen die Bilder zu diesen sportlichen Großereignissen prägen. Was hinter ihrer Herkunft steht, nämlich ihre Produktion in chinesischen Sweatshops, ist alles andere als sportlich oder fair.

© SACOM

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Die Olympischen Spiele sind mehr als ein spektakuläres, sportliches Großereignis. Für die Olympischen Komitees in den Austragungsländern sind sie ein Riesengeschäft. Über eine Milliarde Pfund werden heuer allein durch den Verkauf von Merchandise-Artikeln erwartet. Um zu garantieren, dass diese nicht in Sweatshops produziert werden, hat das Londoner Organisationskomitee für die Olympischen und Paralympischen Spiele (LOCOG) eigentlich schon 2008 einen Verhaltenskodez für die Produktionsketten der Merchandise-Artikel verabschiedet, wonach diese unter international akzeptierten sozialen Standards hergestellt werden müssen.

Zunächst weigerte sich das LOGOC aber die Listen der Zulieferbetriebe und Produktionsketten offenzulegen. 2011 startete die NGO Scholars Against Corporate Misbehaviour (SACOM) mit Sitz in Hong Kong Recherchen bei einem Zulieferbetrieb, der in Dafeng City/ Jiangsu Province Olympische Merchandise-Artikel herstellte. Die Ergebnisse waren erschütternd: Die ArbeiterInnen hatten keine Kopien ihrer Arbeitsverträge, es wurde ihnen weniger als der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn und die Löhne über einen Monat verspätet ausgezahlt. Die Überstunden wurden nicht gesetzeskonform abgegolten und überschritten 2-3 Mal die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen. Auch bei zwei anderen Zulieferern fand SACOM ähnliche Arbeitsrechtsverletzungen vor. Zudem mussten gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit festgestellt werden, was bewies, dass der LOGOC-Verhaltenskodex vor allem aus leeren Versprechungen bestand.

Nachdem auf internationaler Ebene Arbeitsrechtorganisationen und die Internationale Play Fair Kampagne, die von Organisationen wie SACOM, der Clean Clothes Kampagne und Gewerkschaften getragen wird, anfingen Druck auf das LOCOG auszuüben, veröffentlichte dieses schließlich die Liste der Zulieferbetriebe im Februar 2012 – zu einem Zeitpunkt jedoch, in dem das Gros der Produktion bereits abgeschlossen war. Und im Mai und Juni dieses Jahres musste SACOM bei zwei Zulieferbetrieben neuerlich Arbeitsrechtverletzungen feststellen und zeigt sich enttäuscht, dass das LOGOC es offensichtlich nicht schafft den eigenen Verhaltenskodez für die Zulieferbetriebe durchzusetzen.

Ähnlich problematisch handelt der Internationale Spielzeugverband, ICTI. Die zwei im Mai und Juni von SACOM untersuchten Zulieferbetrieben, in denen Wenlock und Mendevill-Figuren produziert werden, halten das ICTI-Zertifikat, das eigentlich auch dazu dient, Arbeitsrechtverletzungen zu verhindern. Dennoch wird in diesen Betrieben nicht einmal das chinesische Arbeitsgesetz eingehalten.

Am 27. Juli wird die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 über die Bühne gehen. Damit das Olympische Komitee 2016 in punkto unethischer Arbeitsbedingungen nicht wieder dasselbe Spiel wiederholt, fordert SACOM eine Adaptierung des Verhaltenskodex, die Veröffentlichung aller Zulieferbetriebe, die die Lizenz für die Produktion Olympischer Merchandise-Produkte haben und flächendeckende Kontrollen der Einhaltung des Kodex sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse. Weiters verlangt SACOM, dass allen ArbeiterInnen in der Produktion eine Kopie des Kodex ausgehändigt wird und, dass gemeinsam mit den Managements von Zulieferern, bei denen es Probleme gibt, Lösungsstrategien erarbeitet werden.

Dieser Beitrag wurde basierend auf einer Presseaussendung von SACOM von 24. Juli 2012 erstellt, übersetzt und gekürzt.

Weitere Infos zum Thema:
SACOM-Report “LOCOG’s Empty Promise to Respect Labour Rights: Olympic mascots made in sweatshops” zum Downloaden
Report der Play Fair Kampagne “Toying with Workers’ Right, Jänner 2012, zum Downloaden
Presseaussendung „Olympische Ausbeutung“ und Hintergrundinformationen der Clean Clothes Kampagne zu Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben der Sportartikelindustrie

Urgent Action der Clean Clothes Kampagne zu Arbeitsrechtsverletzungen in Zulieferbetrieb von Hauptsponsor adidas

 

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