Choc vs. HudBay

Das kanadische Bergbau-Unternehmen HudBay, das in Guatemala tätig ist, wird angeklagt wegen Vergewaltigung, Mord und Schussverletzungen in Guatemala. Das Gerichtsverfahren findet in Kanada statt.

@James Rodriguez

@James Rodriguez

Es ist ein rechtlicher Präzedenzfall, dass am 22. Juli ein kanadisches Gericht entschied, dass das kanadische Bergbauunternehmen HudBay sich für Verbrechen seines Tochterunternehmens Compañía Guatemalteca de Níquel (CGN) in Guatemala vor einem kanadischen Gericht verantworten muss. Drei Anzeigen bestehen gegen den Konzern wegen Vergewaltigungen, Mord und Schussverletzungen. Dieser historische Entscheid bedeutet, dass kanadische Unternehmen in Kanada für Menschenrechtsverletzungen durch ihre Projekte in anderen Ländern zur Verantwortung gezogen werden können. “Kanadische Bergbauunternehmen können sich nicht mehr hinter ihrer rechtlichen Konzernstruktur verstecken (...) Kanadischen Firmen sollte es nicht möglich sein, einen Vorteil aus zusammengebrochenen und sehr schwachen Rechtssystemen in anderen Ländern zu ziehen”, kommentiert Murray Klippenstein, der Anwalt der 13 guatemaltekischen KlägerInnen.

Vor drei Jahren begann der Kampf der betroffenen GuatemaltekInnen, den Konzern in Kanada zur Rechenschaft zu ziehen. 11 Q'eqchi-Frauen klagten wegen der massiven und vielfachen Vergewaltigungen durch Sicherheitsbeamte des CGN, der Polizei und des Militärs während einer gewaltsamen Räumung der Gemeinde Lote Ocho im Jänner 2007. Angélica Choc reichte Klage wegen des Mordes an ihrem Ehemann Adolfo Ich ein, ebenso German Chub: Im September 2009 wurde der Gemeindeführer Adolfo Ich erschossen und German Chub durch einen Schuss querschnittsgelähmt, als diese sich gegen die Räumung der Gemeinde Las Nubes wehrten.
Die Vertreibung vom Land und die sexuelle Gewalt gegen indigene Frauen sind zwei Problematiken, die in der Geschichte Guatemalas eng miteinander verwoben sind. HudBay und sein Vorgänger Inco sind dabei tief in die Landkonflikte im nordöstlichen Tieflandgebiet Izabal verstrickt. Bereits 1965 bekam das kanadische Nickelunternehmen Inco eine 40 Jahre gültige Lizenz von der damaligen Militärregierung zugesprochen. 1968 begannen die ersten Vertreibungen der Q'eqchi- BäuerInnen von ihrem Land, um den Weg für den Bergbau freizumachen. Laut HudBay heute sei dieses Land von Q'eqchi-LandbesetzerInnen okkupiert worden.

Derweil streitet HudBay seine Verantwortung für die ihm vorgeworfenen Verbrechen ab. Der Fall gegen den Konzern geht weiter, obwohl er CGN im Jahr 2011 an die russische Investmentgruppe Solway verkaufte. Im Februar 2013 gab HudBay plötzlich seinen Widerstand gegen einen Prozess in Kanada auf. Doch im Rahmen des Prozesses wurden alle KlägerInnen bedroht und unter Druck gesetzt, anscheinend durch CGN in Guatemala. Sei kurzem haben die Versuche, die Gemeinde zu spalten, zugenommen, insbesondere einen Keil zwischen die elf Frauen und ihre Ehemänner und die Gemeinde zu treiben. Angesichts der Armut der Gemeinde wurde versucht, die Frauen durch die Aussicht auf große Geldsummen und Landtitel zu manipulieren. Noch ist der Prozess nicht entschieden, aber allein die Tatsache, dass das kanadische Gericht beschloss, einen Prozess zu führen, ist bahnbrechend und eröffnet die Perspektive für weitere Fälle, wie etwa Tahoe Resources in Santa Rosa.
In Guatemala wurde unterdessen im September 2012 der damalige Chef des privaten Sicherheitsunternehmens der CGN, der ehemalige Oberst Mynor Rolando Padilla, verhaftet und der Prozess gegen ihn wegen des Mordes an Adolfo Ich und der Schussverletzungen von German Chub eröffnet.

Weitere Informationen: http://www.chocversushudbay.com/

Autorin: Maren Kraushaar

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