Roy Lewis: Edward – Wie ich zum Menschen wurde

Unionsverlag, Zürich 2013, 217 Seiten, Hardcover, € 15,40

Die Handlung von „Edward“ führt uns nach Ostafrika, allerdings in das östliche Afrika um ca. 9,650 Millionen Jahren vor unserer Zeitrechnung. Das Ende des Pleistozäns also, eine Zeit in der nicht nur Mammuts und Säbelzahntiger leben, Riss, Günz, Mindel und Würm Nordeuropa abkühlen, sondern auch die Hominiden auftreten.

Edward ist einer von ihnen, und noch dazu ein besonders gewiftes Köpfchen. Durch ihn wird Evolution beschleunigt und greifbar, was seine Söhne nicht immer goutieren:

„Aber Vater“, protestierte ich, „wir wollen keine fremden Äffinnen zur Frau. Wir haben doch unsere Mädchen zu Hause. Ich habe Elsie, und...“
„Eben nicht“, fiel mir Vater ins Wort. „Du wirst eines der Mädchen von dort nehmen.“
„Das ist absurd, Vater“, rief ich empört, „es ist doch alles bereits abgesprochen.“
„Das Volk paart sich immer mit den eigenen Schwestern“, sagte Oswald, „seit Affengedenken.“
„Nicht mehr“, entgegnete Vater, „Exogamie beginnt hier und heute.“
„Das ist gegen die Natur, Vater“, sagte ich.

Sehr humorvoll bringt Roy Lewis den LeserInnen die Revolutionen dieser Zeit näher. Dabei erweist er sich im technischen und kulturellen Bereich besonders versiert. Im sozialen Bereich liegen die Dinge bei weitem nicht so klar: wer Urkommunismus oder Matriarchate erwartet wird enttäuscht. Im Gegenteil ist der kluge Edward auch ein gewaltiger Patriarch und mit dem weiblichen Teil der Hominiden wird nicht unbedíngt freundlich umgegangen. - Wie dem auch sein, dieser schmale, heitere Band gibt Anlass wieder einmal darüber nachzuforschen, wie das denn damals in unserer Urzeit war oder gewesen sein könnte – denn obwohl diese Zeit den mit Abstand größten Abschnitt der menschlichen Geschichte einnimmt wird sie vergleichsweise stiefmütterlich behandelt.

Roy Lewis' Roman „Edward“ erschien übrigens bereits 1960. In Italien stand „Edward“ monatelang auf Platz 1 der Bestsellerlisten, in England, Frankreich und den USA ist das Buch in zahlreichen Auflagen und Ausgaben erschienen.

Rezensent: Thomas Divis, Sept. 2013

www.unionsverlag.ch

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