Hermann Knoflacher: Zurück zur Mobilität! - Anstöße zum Umdenken

Ueberreuter, Sachbuch, Wien 2013, 112 Seiten, € 9,95

Das etwa 100-seitige Büchlein des ehemaligen Vorstands des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien Hermann Knoflacher geht dem Thema Mobilität in Form einer Gedankensammlung auf den Grund. Ein roter Faden lässt sich streckenweise erkennen, vielmehr nähert sich der Autor aber seinem Thema immer wieder von verschiedenen Seiten her an. Entstanden sind dadurch kurzweilige, informative und zum Nachdenken anregende Texte, die in kleinen Happen auch vom stressgeplagten Zeitgenossen (zum Beispiel im Auto beim Warten im Stau) verdaut werden können.

Die Eigenart des gesellschaftlichen Umgangs mit unserem jeweiligen fahrbaren Untersatz zeigt sich ganz deutlich, wenn es um Wohnraum für unsere Kinder geht, genauer um den Stellenwert von Autoabstell- im Vergleich zu sicheren Kinderspiel- Plätzen in Städten. Und tatsächlich scheint es unvorstellbar, dass in Wien einmal derart hitzige Diskussionen über Plätze für unsere Kleinsten entstehen, wie wir sie beim Parkpickerl beobachten konnten und können. Während die Nichteinhaltung von §2 in der „Reichsgaragenverordnung“ aus dem Jahr 1939, die das Vorhandensein von Parkplätzen regelt, von Verwaltungen bis heute mit hohen Geldstrafen geahndet wird, lässt eine derartige Verordnung für Spielplätze leider noch auf sich warten.

Knoflacher stellt in seiner Abhandlung einige grundsätzliche Fragen, die moderne (vor allem) Stadt-BewohnerInnen beschäftigen sollten, wie etwa die zum Verhältnis von physischer und geistiger Mobilität: Dass „Wer´s nicht im Kopf hat, der muss es in den Beinen haben“ ein vielzitierter Spruch geworden ist, kommt nicht von ungefähr und seine Wahrheit offenbart sich auch heute noch an einfallslosen StadtplanerInnen. Ebendiese scheinen als einzige Antwort auf die komplexe Bedürfnisvielfalt von Menschen Wohnsilos mit Tiefgaragen zu kennen, umzingelt von Einkaufszentren und Unterhaltungstempeln am Stadtrand. Wo dem Individualverkehr - scheinbar! - keine Grenzen gesetzt sind, kann man sich das Mitdenken, hier die bedürfnisbefriedigende, einfache Raumorganisation, sparen.

Damit sei nur ein kleiner Einblick gegeben, was Knoflachers LeserInnen erwartet. Schließlich werden mit dem Blick auf die Geschichte der Mobilität auch noch die rätselhaftesten aller Verkehrsfragen beantwortet: Wo ist die durch unsere schnelle Auto-Mobilität gewonnene Zeit eigentlich hingekommen? Und: Wie kommen wir aus dem Dauerstau wieder heraus?

Fazit: Eine gelungene kurze Anregung zur Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität im Allgemeinen und dem Stellenwert des Autos in unserer Gesellschaft im Besonderen, die auch Lösungsansätze für das Verkehrschaos zur Sprache bringt.

Rezensentin: Cornelia Beck, Nov. 2013

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