Mana Neyestani: Ein iranischer Alptraum

Edition Moderne, Graphic Novel aus Iran, Zürich 2013, 200 Seiten, € 24,70

„Toller Plot!“, könnte man sagen. „Sehr fantasievoll ausgedacht... wirklich beeindruckend.“ Ja, könnte man sagen. Nur, dass es sich bei „Ein iranischer Alptraum“ nicht um eine erfundene Geschichte handelt, sondern um den tatsächlichen Alptraum, den der Cartoonist und Autor Mana Neyestani am eigenen Leib erfahren musste.

Der junge Neyestani hat bereits, aufgrund seiner Cartoons in oppositionellen Zeitungen, Probleme mit dem iranischen religiös-faschistischen Regime bekommen. Die Situation verschärfte sich nochmal mit dem Amtsantritt Ahmadinejads. Um Neyestani nicht zu gefährden wurde er als Redakteur der Kinderseite der Wochenendbeilage der Zeitung „Iran“ abgestellt. In einem kleinen Strip, in dem es um Hygiene geht, setzt er seine Hauptfigur mit einer Kakerlake zusammen. Die lautmalerischen, sinnlosen Worte der Kakerlake „namana“ entpuppen sich in der Folge als Auslöser des iranischen Alptraums. Das, was auf farsi nichts bedeutet, bedeutet auf aseri allerdings etwas. Und offenbar nichts Gutes. Die Aseri-Minderheit sieht sich durch Bild und Wort verunglimpft und der harmlose Cartoon der Kinderseite wird zum Auslöser langer, blutiger Unruhen, denen tausende Verhaftungen folgen. Der geschockte Mana Neyestani und sein Vorgesetzter werden vom Geheimdienst als Auslöser identifiziert und inhaftiert. Neyestani schildert in seinem Buch das perfiede Vorgehen des Geheimdienstes und seine persönliche Situation in iranischen Gefängnissen. Als er schließllich auf Kaution frei kommt, gelingt ihm, zusammen mit seiner Gattin, die Flucht. Damit wird allerdings ein neues Kapitel seines Alptraumes aufgeschlagen...

Mana Neyestani pflegt einen sehr realistischen Graphikstil, der von einer sehr feinen Nuancierung lebt. Ab und an durchbricht er diesen Realismus pointiert durch Schilderungen von kafkaesken Angstfanatsien, aber auch  mit einem Galgenhumor, der den LeserInnen schon mal den Atem verschlagen kann. Dabei ist  Neyestani alles andere denn ein cooler Held, sondern ein  unscheinbarer, freundlicher und eher ängstlicher Mensch, also ein Typ wie du oder ich.

„Ein iranischer Alptraum“ schildert nicht einfach die Situation eines Menschen, dessen Leben sich von einem Moment auf den anderen dramatisch ändert, sondern schildert diese Situation unter den besonderen Bedingungen des iranischen Klerikal-Faschismus, der aus Neyestanis Zwangslage maximalen Nutzen zu ziehen sucht. Mit diesem Buch ist der schweizer Edition Moderne erneut eine wirklich beeindruckende Veröffentlichung gelungen.

www.editionmoderne.ch

Leseprobe


Rezensent: Thomas Divis, Nov. 2013

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