Kampf für faire Textilien

Beauty und Mantis wollen das gleiche. Die Südafrikanerin Beauty als Gewerkschafterin in Textilfirmen und die britische Firma Mantis indem sie ethisch produzieren lässt.

Beauty Ntombizodwa Zibula ist eine starke Frau. Geboren in Durban, Südafrika, engagierte sie sich früh gegen das Apartheid-Regime. Ihre Ausbildung brach sie ab, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Seit 1978 arbeitet Beauty Zibula in der Textilbranche. Ihre frühe politische Aktivität schuf eine Vertrauensbasis und so wählten die ArbeiterInnen sie zur Gewerkschaftspräsidentin. Durch Firmenschließungen in den 1990er Jahren verlor auch Beauty Zibula ihre Stelle. Für ihre aidskranke Tochter gab sie sogar eine neue Arbeitsstelle auf, lebte von Ersparnissen. Auch ihre Enkeltochter ist von Aids betroffen. Daher lag Beauty Zibula besonders das Gesundheitsprogramm der Gewerkschaft am Herzen.
Heute ist sie die Vizepräsidentin und Genderbeauftragte der Textilgewerkschaft SACTWU in Südafrika. Sie bereist die Endabnehmernationen, um über die Lage und Probleme der Textilbranche zu informieren. Beauty Zibula möchte aber auch ein positives Beispiel geben und zeigen, wie ein Produktionsland mit vielen Problemen eine starke Gewerkschaft hervorbringen kann. Nach der Aufhebung der Apartheid 1994 stand das Land wirtschaftlich am Abgrund. Jahrelange Import- und Exportauflagen legten die Industrie fast lahm. Die Nachfrage, auch im eigenen Land, nach Textilien, Bekleidung und Schuhen war gewaltig und stellte die schlummernde Industrie vor große Aufgaben. Nach der Öffnung des Landes stiegen die Importmengen an Kleidung stetig an. Besonders nach dem Ablauf des Multifaserabkommens der Welthandelsorganisation 2005 kämpfte die südafrikanische Textilindustrie gegen den übermächtigen, konkurrenzlosen Textilproduzenten China.

Textile Macht Südafrika
Südafrika gehört zu den wichtigsten Mohair- und Wollproduzenten weltweit. Jährlich produziert Südafrika 40.000 Tonnen Baumwolle, liefert große Mengen an Garn sowie mehr als die Hälfte des globalen Bedarfs an Fallschirmgewebe. Dennoch werden weiter Arbeitsstellen gestrichen, 70.000 allein in den letzten Jahren. Täglich beherrschen Gewalt, Ausgrenzung, Hunger und Armut den Alltag von ArbeiterInnen. Schlechte oder nicht vorhandene Belüftungssysteme, unzureichend beschilderte Fluchtwege und überfüllte Fabrikhallen sind dabei das kleinste Problem. Vielmehr deckt der Lohn der NäherInnen nicht die monatlichen Lebenskosten. Vor allem Frauen sind Opfer von sexueller Belästigung und Gewalt, werden unter Druck gesetzt oder bedroht.
Doch Beauty Ntombizodwa Zibula gibt nicht auf. Auch in Zukunft wird sie die Interessen von über 150.000 Arbeitnehmerinnen vertreten, für gerechte Bezahlung eintreten, den Aufbau von lokalen Gewerkschaftsgruppen unterstützen, Probleme der Industrie aufzeigen und weiter für die Rechte der Arbeiterinnen kämpfen.
Das Beispiel von Beauty Ntombizodwa Zibula zeigt, wie wichtig die Arbeit von örtlichen Gewerkschaften ist. Aber dazu ist auch die Unterstützung von außen notwendig, denn in anderen Regionen der Welt arbeiten Menschen in der Textilbranche noch weit unter dem Standard Südafrikas. Diese Unterstützung und Einflussnahme von außen kommt beispielsweise von Auftragsfirmen wie Mantis. Diese fordern von ihren Textilfabriken, dass Arbeiter überhaupt erst mal die Erlaubnis erhalten, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Mantis als auch Beauty Zibula wirken zwar an unterschiedlichen Orten, lassen aber erkennen, wie wichtig die Einflussnahme von Arbeitern und Auftragsfirmen auf die Arbeitsumstände in Textilfirmen ist.

Kommerzielle Kleidung - ethisch produziert
„Das Problem ist, dass niemand zu schätzen weiß, wie schwer es ist, eine Sache beim ersten Mal richtig anzugehen.“ Mit diesem Zitat unterstreicht die britische Firma Mantis, dass es sich durchaus lohnt, Pläne gut zu durchdenken. Seit mehr als 10 Jahren steht Mantis an der Spitze der Hersteller von sozial- und umweltverträglicher Kleidung. Gegründet im Jahr 2000 von Prama Bhardwaj, beweist Mantis, dass kommerzielle Kleidung auch im großen Stil in ethisch vertretbarer Weise produziert werden kann. Vorrangig engagiert sich Mantis für den Umweltschutz sowie die Einhaltung sozialer Standards bei der Herstellung von Kleidung. Die Firma unterstützt Fabriken bei der Finanzierung von Zertifikaten und der Einführung von besseren Arbeitsbedingungen. Auch den modischen Aspekt verliert Mantis nicht aus den Augen. Klassiker, wie Tops, Poloshirts oder Sweatshirts für Herren und Damen, gehören ebenso zu ihrer Kollektion wie modische Kinder- und Babybekleidung. Natürlich alles in Bio-Baumwoll-Qualität.

Gemeinsam mit den Produktionspartnern in Tansania, Bangladesch, Pakistan, Sri Lanka sowie der Türkei setzt Mantis alles daran, den eigenen Verhaltenskodex umzusetzen und auszubauen. Neben dem Verzicht auf Kinder- und Zwangsarbeit, körperliche Gewalt und Diskriminierung sollen eine faire Bezahlung, bezahlter Mutterschaftsurlaub, Sozialversicherung sowie eine hauseigene Krankenstation für ein sicheres Arbeits- und Lebensumfeld der ArbeiterInnen sorgen. Auch die ausdrückliche Erlaubnis zur Gründung einer Gewerkschaft beinhaltet dieser Verhaltenskodex. Mantis kooperiert ausschließlich mit Fabriken, die auch die strengen Auflagen im Umgang mit der Natur befolgen. Umweltgerechte Abwasserwerke zählen ebenso zu diesen Auflagen, wie der sorgfältige Umgang mit Rohstoffen und eine Strategie zur Reduzierung, Weiterverwendung und Wiederverwertung von Müll. Je nach Land und Gegebenheiten unterstützen die Fabrikpartner andere Zusatzleistungen, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen verbessern sollen. Beispielsweise bieten einige Fabriken kostenlose Mahlzeiten, medizinische Grundversorgung, hauseigene Kinderbetreuung oder auch Unterstützung für arbeitslose Familien an.

Garantierte Fairness
Doch wie können Vertriebspartner und Endkunden sicher sein, dass dies mehr als nur schöne Worte sind? Mantis besitzt eine ganze Reihe von international anerkannten Zertifikaten, die eine Transparenz auf höchster Ebene ausstrahlen. Mit SA8000, BSCI und Oeko-Tex® seien nur einige genannt. Weiterhin ist Mantis Mitglied der Non-Profit Organisation Textil Exchange (ET) sowie GOTS-zertifiziert. Das GOTS-Zertifikat garantiert den organischen Status von Textilien in Bezug auf Bio-Baumwolle und den verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Umwelt. Bio-Baumwolle zählt zu den textilen Produkten mit der größten Nachhaltigkeit. Bio-Baumwolle ist natürlich, erneuerbar und frei von Pestiziden, Chemie sowie Gentechnik. Auch die Farmer profitieren von einem verbesserten Standard, sind sie doch dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im konventionellen Anbau wehrlos ausgesetzt. Auf die Fabrik „Sunflag“ in Tansania ist Mantis sehr stolz. In einem Land mit geringer Infrastruktur stand Mantis vielen Herausforderungen gegenüber. 2000 ArbeiterInnen lernten hier von Grund auf das Spinnen, Stricken, Färben, Zuschneiden, Nähen, Bedrucken und Abpacken, vereint doch die Fabrik alle Arbeitsschritte unter einem Dach. Teure und aufwendige Transportwege vermeidet das Unternehmen so. Die Rohmaterialien stammen entweder aus der Region, Tansania oder Uganda.

Mit der Unternehmensphilosophie „well made“ drückt Mantis unmissverständlich aus, dass bei ihnen sowohl das bestmögliche Design, Material wie auch Detail eines Kleidungsstückes im Fokus steht. Mantis will Produkte mit Qualität schaffen, die noch Jahre später begeistern und vom Kunden gerne getragen werden. Den Entstehungszyklus eines Kleidungsstückes wahrzunehmen, angefangen beim Design, über die Herstellung, Lieferung und darüber hinaus, sei eine große Chance, alle einbezogenen Stationen dieses Zyklus zu unterstützen, betont Mantis auf seiner Webseite. In einer Boutique in New York, London oder Wien erscheinen Arbeitsumstände und Umweltverschmutzung in den Produktionsländern so weit weg. Schon allein deshalb will Mantis ein Umdenken in der Textilbranche hervorrufen. Nicht ohne Grund erhielt Mantis am 4. Dezember 2012 in London den Source Award für nachhaltige Produktion der Plattform Source. Von London aus überwacht ein Produktionsteam die Rohstoffgewinnung, Herstellung sowie die Weiterverarbeitung von Textilien. Mit einer großen Zahl an Vertriebspartnern, wie Modemarken, Agenturen, Musiklabels, Einzelhändlern, Getränkemarken und Industrie arbeitet Mantis seit über 10 Jahren erfolgreich zusammen. Spezielle Projekte für führende Bands, wie Coldplay oder Bruce Springsteen und limitierte T-Shirt-Editionen für Musiklabels vermehrten den Bekanntheitsgrad von Mantis weit über die Modebranche hinaus.

Wohin führt die Reise für Mantis? Das Unternehmen erklärt es sich zur ersten Aufgabe, auch weiterhin nach zukunftsfähigen Möglichkeiten der Produktion zu suchen und die Branche weiterzubilden und zu informieren. Die Mengen an nachhaltigen Fasern sollen erhöht werden, stellt doch Bio-Baumwolle weltweit nur einen geringen Anteil an der Gesamtproduktion von Baumwolle dar. Mantis will an der Transparenz der Versprechen gegenüber den Kunden arbeiten und nur mit seriösen Firmen kooperieren, die die geforderten Zertifikationen besitzen und die Mantis persönlich besichtigt hat. Um diese hochgesteckten Ziele erreichen zu können, vertraut Mantis auf den Kontakt mit der „BioRe Foundation“ und „Edun Live“. Gemeinsam mit der „Fair Trade Foundation“ und „FLO“ entwickelt Mantis ein Faire Trade-Cotton-Zertifikat für Ostafrika. Auch erneuerbare Energien stehen auf der Agenda von Mantis. Tatsache ist, dass ethische und umweltgerechte Standards einer regelmäßigen Kontrolle und Weiterentwicklung bedürfen.

Weitere Hintergrundinformationen sowie den ganzen Artikel über Beauty Ntombizodwa Zibula lesen Sie hier:
http://doku.cac.at/hintergrundinfos_beauty.pdf

Daniel Knoflicek [Informatik Studium BSc.] [Online Media Marketing MSc. ] [ Developer ] [ Blogger ] [ Founder Juju Clothing ] [ CEO Slidebird Webservices ], 16.12.2013

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