Dieter Eich, Ralf Leonhard: Umkämpfte Rohstoffe. Märkte, Opfer, Profiteure

Ch. Links Verlag, Berlin, Oktober 2013, 208 Seiten, € 17,40

Eigentlich sollten Bücher dieser Art überflüssig sein. Denn dass die mineralischen Rohstoffe auf unserem Planeten endlich sind, d.h. quantitativ und zeitlich begrenzt, ist wohl eine Binsenwahrheit. Doch die Politik kennt keine Binsenwahrheiten, sie gehorcht vielmehr den Interessen der Erdölkonzerne und Bergbaumultis als der Realität von der Beschränktheit unserer Ressourcen und von der Kollapsgefährdung der Erde. Immer noch beherrschen das Diktat des steigenden Wachstums und der Profitgier der Unternehmen die Wirtschaft.

 Die Rohstoffe lassen sich grob einteilen in Energierohstoffe (v.a. Kohle, Öl und Gas), metallische Rohstoffe (Eisen, Kupfer, Gold u.a.) und Agrarrohstoffe (Getreide, diverse Hack- und Hülsenfrüchte, Ölsaaten …). In allen diesen Bereichen steigen der Bedarf bzw. der Konsum konstant. Die Angaben über die vorhandenen Reserven sind widersprüchlich und ungenau, ebenso wie des „Peaks“, d.h. des Zeitpunkts, an dem die Hälfte der förderbaren Menge überschritten wird. Hier ist nicht nur die Endlichkeit der Vorkommen ein Problem, sondern auch die Folgen der Gewinnung für Klima (z.B. der Klimakiller Kohle) und Umwelt (z.B. durch die neue Fracking-Technologie). Besonders bei den Rohstoffen für die neuen Kommunikationstechnologien, wie etwa den Handys – Indium, Tantalum, Gallium und andere „Gewürzmetalle“ und „seltene Erden“ - , sind die Vorkommen äußerst beschränkt.

Trotz großer Treue zum Detail gelingt es den beiden Autoren, dem deutschen Soziologen und Entwicklungsexperten Dieter Eich und dem österreichischen Journalisten und langjährigen Mitarbeiter von „Lateinamerika anders“, Ralf Leonhard, die Thematik gut verständlich und leicht lesbar darzustellen. Das Wirken der neuen Player auf den Rohstoffmärkten, der so genannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) wird ebenso beschrieben wie die Rolle der großen Bergbaukonzerne und das verhängnisvolle Agieren der wichtigsten Akteure im Rohstoffhandel.

In dem abschließenden Kapitel über „Lösungsansätze für das Rohstoffproblem“ stellen sich die Autoren die Frage, ob der Physik-Nobelpreisträger Robert Laughlin mit seiner pessimistischen Diagnose, dass die Menschen immer nur das Billigste kaufen wollen und zu schwach seien, in ihrem wirtschaftlichen Verhalten grundlegend etwas zu verändern, recht habe. Der UN-Nachhaltigkeitsgipfel von 2012 in Rio de Janeiro sowie viele andere internationale Klimaschutz- und Umweltkonferenzen geben eine klare Antwort: Wenn Nachhaltigkeit weiterhin an Wachstum gekoppelt bleibt und der Ressourcenverbrauch weiter steigt, gibt es tatsächlich „keine Alternativen“ auf dem Weg zum Kollaps des Planeten. Die Alternative liegt jedoch nicht in einem rigiden Neoliberalismus, wie es einst Großbritanniens Eiserne Lady postuliert hatte, und auch nicht in dem götzenhaft angebeteten technischen Fortschritt. Ein über 40 Seiten langes Quellen- und Literaturverzeichnis bietet ausführliche Möglichkeiten zur weiteren Beschäftigung mit diesem globalen Überlebensthema. Dabei fehlt allerdings der Lösungsansatz der Postwachstumsökonomie. Also sei hier ergänzend auf einige VertreterInnen dieser zukunftsorientierten Alternative hingewiesen: Als Vorreiter die beiden Österreicher Leopold Kohr und Ivan Illich sowie heute die Ökonomen Wolfgang Sachs, Niko Paech und Ulrich Brand.

Ein wichtiges, kompaktes, übersichtliches Handbuch zum wichtigsten Thema für das Überleben unseres Planeten.

www.christoph-links-verlag.de

Rezensent: Werner Hörtner, Dezember 2013

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