Alfred Deller – Countertenor

A Collection of his early Recordings, 5 CDs
Intense Media/Membran
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Als Ex-Polizist Sting vor einigen Jahren seine Interpretationen des englischen Renaissance-Komponisten John Dowland veröffentlichte, war das weniger eine Dowland-Neuentdeckung, sondern vielmehr die Fortsetzung eines Jahrhunderte alten Interesse an Liedern aus dieser Zeit und aus diesem geographischen Raum. Besonders Volkslieder aus England, Irland und Schottland, Stichwort „Greensleeves“, wurden damals in den gehobenen Kreisen in ganz Europa geschätzt. Es gibt z. B. auch von Beethoven, aber besonders von Joseph Haydn eine Fülle an bearbeitetem Material.

Besonders verdient um diese Vokalmusik aus dem Spätmittelalter und der Renaissance machte sich der britische Sänger Alfred Deller (1912 – 1979). Deller war auch der erste solistisch auftretende Countertenor, also Sänger jener Stimmlage, die in früheren Jahrhunderten von Kastraten gesungen wurden. Es ist keine Übertreibung, wenn man Deller eine der bemerkenswertesten Stimmen des vergangenen Jahrhunderts zuschreibt. Hören wir hier kurz drei Lieder, die aus Stücken von William Shakespeare stammen („It was a Lover and his Lass“ und „O Mistress mine“ von Thomas Moore und „Where the Bee sucks“ von Robert Johnson):

Als Alfred Deller Ende der 40er Jahre bekannt wurde, hat er mit seinem  berührenden Gesang nicht nur BewunderInnen gefunden: zu tief saßen  Rollenstereotype bei manchen, die dann ihre lieben Problem damit hatten, Dellers Musik vorurteilsfrei zu begegnen...
Mit seinem Deller Consort setzte der Sänger neue Maßstäbe für die Interpretation Alter Musik. Die vorliegenden fünf CDS enthalten viele seiner frühen Aufnahmen von 1949 – 1955. Für all jene, denen Greensleeves schon immer zu Herzen gegangen ist, sind diese CDs eine Fundgrube. Eine CD versammelt nur Folkssongs und eine weitere Tavern Songs. Aber auch die CDs mit Liedern von John Dowland, Henry Purcell, Thomas Champion oder die entzückenden Shakespeare-Vertonungen, von denen wir bereits oben einige gehört haben, tragen ähnlichen Charakter. Besonders spannend ist diese Musik-Sammlung freilich auch für alte Deller-Fans, weil sie einen Blick auf die Entwicklung seiner Technik erlaubt, da er nicht wenig von diesem Material wiederholt eingespielt hat. Hören wir ihn hier nochmal mit dem Purcell-Song „Flow my tears“ aus seinen ersten Aufnahmen 1949:

Ein weiterer Schwerpunkt in Alfred Dellers Arbeit war Barockmusik, die für Kastraten geschrieben worden ist. Ein Beispiel dafür ist Händels Oper „Sosarme“, von der sich ausführliche Auszüge auf CD 5 befinden. René Jacobs, der berühmte Dirigent, Sänger und Musikwissenschaftler wird im Booklet zitiert mit: „Es gibt eine von Deller gesungene Phrase, die ich auf meinem Sterbebett hören möchte, den Beginn eines Liebesduetts aus Händels 'Sosarme': 'Per le porte del tormento'.“ - Auf dem Sterbebett! - Welch größeres Kompliment könnte man einem Musiker machen?!

Wir sind der Meinung Aufnahmen von Alfred Deller dürfen in keinem gut geführten Haushalt fehlen.


Autor: Thomas Divis

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*                         no!
**                       lauwarm
***                     Yin/Yang
****                   ziemlich gut
*****                 wir empfehlen aus- & nachdrücklich

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