Gabriel Bornstein: 45 Minuten bis Ramallah

Assoziation A, Hamburg 2013, Roman, 192 Seiten,
€ 16,50

Ab wann hast du ein Problem?
Wenn du deinen Job verloren hast?
Oder wenn du deinen Job verloren hast + der Gatte deines Onenight-Stands hat eine Sammelleidenschaft für die Eier der Lover seiner Frau?
Oder wenn du deinen Job verloren hast + der Eier-sammelnde Gatte des besagten Onenight-Stands hat dir bereits mit seiner Walther ein hübsches Loch in dein Fluchtboot geschossen?

Grund genug jedenfalls für den arabisch-stämmigen Rafik aus Ost-Jerusalem Hamburg mal zugunsten eines Besuchs in seiner Heimat zu verlassen. Als dort bei der Hochzeit seines wenig geliebten Bruders Jamal (dieser Beckenrandschwimmer!) ihr Vater überraschend stirbt, fangen für Rafik die Probleme aber erst wirklich an: der Vater wollte nämlich drüben in Palästina, in Kafer Karem in Ramallah beerdigt werden. Und weil eine Genehmigung für die Überführung Wochen dauern würde, wird Rafik den Toten illegal im Lieferwagen ins nahe Ramallah führen. Durch diverse Checkpoints mit schießwütigen Israelis und sprengwütigen Dschihadisten. Aber das Schlimmste für Rafik: Bruder Weichei begleitet ihn. „Da ist der Tod eine ernst zu nehmende Alternative.“ denkt Rafik...

„45 Minuten bis Ramallah“ von Gabriel Bornstein ist das Buch zur gleichnamigen Kinokomödie von Ali Samadi Ahadi. Temporeich und burlesk bewegt sich die Handlung in einem geographisch-politischen Raum, in dem Versuche, Alltägliches richtig zu machen, fast von vorn herein zum Scheitern verurteilt sind, ja Katastrophen heraufbeschwören können... Eine unterhaltsame Lektür für Zwischendurch vor dem unangenehmen Hintergrund des israelisch-palästinenischen Konflikts.

www.assoziation-a.de


Rezensent: Thomas Divis, Jänner '14

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